Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 6.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
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37 schieden« Gebetzeiten zu vettheilen" gefallen. Ich. der Unterzeichnete, habe den Anttag auf dreijährigen CycluS zum Falle gebracht, nicht blos durch meine vereinzelte Stimme, sondern ich gab mir, während debattirt wurde, Mühe, noch einige Synodalen zur Abstimmung in meinem Sinne zu gewinnen. Und doch hatte ich, als der Antrag gestellt und verlesen wurde, noch im Sinne, für den dreijährigen Cyclus zu stimmen; ich erfuhr aber »ährend der Debatte, daß Herr Lehrer Leeser aus Lübbecke einen Antrag auf Verlesung der Perikopen in einer gekürzten Auswahl einbringen werde, und nur dieser Anttag, den ich auch 'pätcr durch Motivirung unterstützt, der aber dennoch fiel, hatte meine volle Uebereinstimmung. Der Philologe, der Alterthumsforschcr, der Exeget mag nnd soll die Thora unverkürzt lesen und studiren. Mag sic nach der Behauptung, es sei in Israel kein Unterichicd zwischen Priester und Laien; mag sie nach dem Ausspruch ‘n 'tio1? i\n » jeder Israelit in seiner Behausung vollständig und unverkürzt lesen; — im Gotteshause, laut und öffentlich, sollte nur das vorelesen werden, was zur wirklichen Belehrung dient, ein ttliches Moment in sich trägt. Was eine öffentliche, mündliche Uebesetzung in die Muttersprache nicht verttagen kann, darf auch hebräisch nicht vorgettagen und nicht zu dem elenden Tröste Zuflucht genommen werden, das Voll, besonders das weibliche Geschlecht, verstehe ja doch nicht, was vorgelesen wird. Nein, wir wollen nur wenig, aber Inhaltsreiches, nur das vorlesen, was auch überletzt nnd verstanden werden soll von „Männern und Krauen, Kindern und Fremden, damit sie lernen den Ewigen, unfern Gott verehren und seine Gebote beachten" 5. M. 31, 12. Ist denn dieser Antrag ko so unerhört? ist er auch nur neu? Das Prinzip ist längst aufgestellt (Megilla 25») torro toi j’-ipn tO nur beansprucht cs für unsere Zeit eine größere Ausdehnung. Gewinnt etwa unser Cultus, gewinnt die H. Sch. an Achtung durch die Vorlesung (in unserem diesmaligen Wochenabschnitt*), „wie die kriegsgesangene schöne Frau, das Eheweib des im Kriege erschlagenen Feindes, ihre Toilette einzurichten, ihre Nägel zu pflegen habe, bevor der israelittschc Sieger sie ehelicht?" Ge- «innt Cultus, Religion und Schrift auch nur dadurch an Anschein und Achtung, wenn wir über die verschiedenen Arten und Zubereitung der Opfer Details, wie folgende lesen: „In der Pfanne, mit Oel müsse es bereitet werden, abzesotten sollst Du es bringen (das Opfer) Zwieback, in Stücke gebrochen, sollst Du cs bringen, ein angenehmer Geruch dem Herrn!?" Dies ist im Hebräischen unerbaulich, und. vit von!» vord«, im deutschen abstoßend. Hier gilt das Talmudische sMenach. 99b) m-D’ iru nun bv nb'v'ps D’oys. Nun da dieser Anttag gefallen, der andere „die Lectione» auf verschiedene Gebetzeiten zu vertheilen" •) Mn <3. noch nicht opportun ist, da bisweilen gerade die erbaulichsten. die«habeusten Schriftstellrn in der unbesuchtesten, die am wenigsten geeigneten, ja anstößigen in den feierlichen Versammlungen zur Verlesung kommen könnten, die am zahlreichsten und auch vom weiblichen Geschlecht besucht fiud, so bleibt allerdings uns nur der dreijährige Cyclus als der geeignete Modus der Thoravorlesung übrig. Unter allen mir bekannt gewordenen Eincheilungen hat mir die des Dr. Hochstädter in seiner der Synode überreichten, von großer Besesenheit zeugenden tüchtigen Monographie am besten gefallen. (Einige wenige an sich unwesentliche, aber doch räthlichc Abänderungen, auf die ich ihn aufmerksam zu machen mir erlaubt, wird der geschätzte College wohl nicht zurückweisen.) Der dreijährige Cyclus des Dr. Hochstädter vereinigt in sich drei Vorzüge: 1) Sind die einzelnen Absätze, so viel nur möglich, immer nach den uralten jüdischen Einteilungen mmno und morno und nicht nach den oft falschen nichtjüdischen Capiteleintheilungen angebracht. 2) S nd die früheren Sidraanfänge nicht verwischt, sondern bilden auch jetzt den Anfang einer neuen Sabbatvorlesung. 3) Endet jedes Jahr im dreijährigen Cyclus mit dem Anfänge eines neuen Buches. So wird im erste« Jahre das erste, im zweiten das zweite und dritte, im dritten Jahre das vierte und fünfte Buch Moses z« Ende gelesen. Es wird also an jedem Simchath Thora das Ende und der Anfang eines Buches gelesen. Unsere Gemeinde hat in dieser Woche zum ersten Mal den Gottesdienst nach dem neuen Geiger'schen Gebetbuche abgehalten, den neuen Thora-Cyclus führt sie mit Gottes Beistand am nächsten Sabbat-Bereschith ein. Er wäre zu wünschen, daß die Gemeinden, welche den dreijährigen CocluS einsühren, in der Reihenfolge der Jahre sich verständigten, so daß in einem und demselben Jahre in allen qu. Gemeinden daS erste Buch Moses begonnen, und so der Reihenfolge nach die andern gelesen werden. Rabbiner Dr. A. Wiener. Literarisches. Zur Genesis der Lehre Spinoza's, von vr. M. Joel, Rabbiner rc. Breslau, Schlettersche Buchh. (H. Skutsch) 1871. — Es ist besonders dankenswerth, in unserer materiellen Zeit Schriften zu begegnen, welche nicht realistischer, sondern entschieden philosophischer Natur sind. Die ganze gebildete Welt, insonders die theologische, hat die Pflicht, die menschlichen Bestrebungen auf dem Niveau des Idealen zn erhalten. Es soll uns ganz ausnehmlich freuen, wen«' Schriften, wie die vorliegende, auch in den weiteren Kreisen Israels Anklang und Beachtung finden. Israels Lebensaufgabe ist ja zum Theil theologischer.