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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 4. · p. Seite 23

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 4.
Date
1871-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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23 anzusehen und in allen rituellen Beziehungen als solcher zu behandeln ist. Hiermit endete die sechste Sitzung. Die siebente Sitzung, welche am Nachmittag desselben Tage« stattsand, ordnete einige geschäftliche Angelegenheiten über die stenographischen Berichte und beschloß ferner, daß die Beschlüsse sowohl der zweiten als auch der ersten Synode demnächst durch den Druck veröffentlicht und den Gemeinden mitgetheilt werden sollen. Hierauf werden von Szanto die in unserem Programme (Was wir wollen, Nr. 1 d. Bl.) be-; reits mitgetheilten Resolutionen, die die Gesichtspunkte! darlegen, von denen die Versammlung bei ihren Be-! strebungen geleitet war und auch ferner geleitet sein | wird, vorgetragen und von der Synode einstimmig > unter langanhaltendenBeisallSäußerungen angenommen. Hieran knüpfte der Präsident die Schlußrede. Was derselbe zu der andächtig lauschenden, zuweilen in rauschendem Beifalle ausbrechenden Versammlung sprach, was Herr Dr. Löw dann im Namen der Versammlung erwiaerte, das läßt sich unmöglich im Auszug wiedergeben. Wir müssen die Wideraabe der zukünftigen Veröffentlichung in diesen Blättern überlasten. Gin Auszug wäre eine Versündigung gegen ein Kunstwerk , das nur in seiner Ganzheit verstanden und begriffen werden kann. So schloß die siebente und letzte Sitzung der zweiten israelitischen i Synode — Montag den 17. August 1871, Abends nach 7 Uhr. ' Was sie uns brachte, wir haben es in diesen | Blättern und in unserem EingangSberichte im „JSr.! Lehrer" getreulich wiederzugeben versucht. Grtreu der Aufgabe, die sie sich gestellt, arbeitete sie an der Regeneration des JudenthumS mit ganzem Ernste, mit ganzer Hingebung, würdig einer wahrhaft religiösen Versammlung: ihr Dienst war Gottesdienst. In dem frohen Bewußtsein, das die treue Erfüllung einer heiligen Pflicht gibt, trennten wir unS. Wir wiffen, daß sich dort in Augsburg ein Stück Geschichte der israel. Religion abgeschlossen. Ob unsre Beschlüste heute oder morgen oder erst nach Jahren Anwendung finden, mag für die Gegner der Synode einen Gegenstand der Erörterung bilden. Wi r haben nur den heiligen Pflichten zu genügen, die das Gewissen, die Sorge für das Heil des JudenthumS uns vorschreibt, und unseren Ueberzeugungen Ausdruck zu geben. Wir wiffen, daß die Nachwelt und die strebende, dem Geiste der Religion treue Mitwelt unseren Bestrebungen Gerechtigkeit wiederfahren lasten wird. DaS genügt unS. , So werden wir uns wiederfinden. Da» walte Gott! Die Synode hat angeordnet, daß ihre Beschlüste zusammengestellt, durch den Druck veröffentlicht und so den Gemeinden übergeben werden sollen. Wir werdm dies demnächst zur Ausführung bringen. Damit würden wir dann unsere Aufgabe als Berichterstatter getreulich erfüllt haben. Es bleibt uns jedoch noch übrig, einmal auch die Auffastung bft Außenwelt, insbesondere d er jüdischen Presse zu berücksichtigen. Auch dieser Aufgabe werden wir unö demnächst« entledigen. — Wochenbericht. Berlin. Die diesjährige Bewerbung um den Michael Beer'schen Preis erster Stiftung rief der Bildhauer jüdisch en Glaubens zur BetheiliguXg auf. Bis zum Ablieferungstermin der Arbeiten, 14. Juli d. I. hatte sich noch kein Bewerber gemeldet. Es dürfte dikS wohl die einzige künstlerische Branche sein, in welcher die Juden unseres Wissens eigentlich nock gar nicht oder doch nur schwach vertreten sind. Es ist eben ersichtlich, welche Macht auch jetzt noch trotz alledem die Religion besitzt. Die jüdische Religion unterstützt nicht die Bildhauerkunst. Sic soll nach manchen Ansichten eine für den Juden sogar verbotene Kunst sein. Eine Folge hievon ist jedenfalls die geringe Zabl derjenigen Israeliten, die sich bis jetzt der Bildhauerkunst zuwendeten. Dagegen hatten sich um den Michael Beer'schen Preis zweiter Stiftung, welcher in diesem Jahre für die Geschichtsmaler jeder Confession galt, bis zum festgesetzten Termin drei Bewerber eingefunden. Von diesen wurde der Preis dem Maler Wilhelm August Theodor Steinhausen zuerkannt (kein Jude). — Wien. (E in neuerMilderungS um stand vor einem österreichischen Gericht.) Das Bezirksgericht hat in einer vor demselben am 21. Juli ds. IS. ausgeführten Schlußverhandlung über die EhrenbeleidigungSklage des Gustav Trebitsch gegen Ferdinand Burger den Schuldbeweis für erbracht erkannt, die Strafe jedoch nur auf einen Gulden festgesetzt, und dies dahin motivirt, daß die mildernden Umstände in überwiegender Anzahl vorhanden sind. Allerdings befindtt sich unter diesen mildernden Umständen ein neuer, welchen zu entdecken dem Bezirksgerichte am Alsergrund und speciell dem Herrn Richter, Arthur Seyff Vorbehalten blieb; in dem, Zahl 2092, vom 21. Juli ausgefertigten schriftlichen Urtheil heißt es wörtlich: Mildernd kommt auch in Anrechnung die Anmaßlichkeit des Privatkläger-, welcher auch bei der mündlichen Verhandlung die dem j ü» dischen Stamme eigene Arroganz in besonderem Grade zeigte..

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