Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 2.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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14 fort geschah. Die in jenem Garten zahlreich anwesenden jüdischen Familien, in Folge des Liedes von allen Seite» bespöttät und verlacht, verließen nach und nach de» Garten und so war die Absicht des tapferen Lieutenants für diesmal vereitelt. Er versuchte es zwar, sein Vorhaben noch einige Male zur Ausführung zu bringen, konnte jedoch nicht reufsiren, da fortan der Garten fast gar nicht mchr von Juden-. besucht wurde. In Folge dessen fand sich der Wirth des Gartens, dem der Abgang so vieler Gäste einen fühlbaren Abbruch that, bewogen, den Zigeunern ein für allemal das Absingen jenes Liedes zu verbieten, worauf sich denn nach und nach die alten Gäste wirklich wieder einfandcn. Darauf hatte /über Lieutenant Pruncul gewattet. Er begab sich am >23. v. Mts. mit dem Capitän Horoscanu abermals in-das bezeichnete Local und vctthcilte Geld unter die Musikanten, um dieselben feinem Willen günstig zu stimmen. Da diese sich aber trotzdem weigerten, das Spottlied zu singen, wurden sie von den beiden Helden unbarmherzig durchgcprügclt, ebenso erging cs dem Sohne des Wirths, der sich beniühte, Ruhe zu stiften, ja selbst die Kellner, welche ini Aufträge des Witths diesen Tapfcrn keine Gettänkc verabreichen wollten, wurden zu Boden geworfen und malttaitirt. Nachdem die Offiziere auf diese Weise ihren Willen nach der Richtung durchaesetzt, das Absingeu des Liedes erzwungen und alle Besucher des Gattens verscheucht hatten, zechten sie auf den« siegreichen behaupteten Schlachtfelde bis zum Hellen Morgen, sich in ihrem Ruhme berauschend. Dies Alles aber geschah unter den Augen der Polizei, die selbstverständlich zu einer Intervention keinerlei Anhaltspunkt finden konnte, da ja der ganze Skandal — nur gegen Juden gerichtet war. ^iterarijches. Da» Zudenthum und seine Aufgabe im neuen deutschen Reich. Leipzig, Oskar Seiner 1871. Wir bringen diele kleine Brochüre zur Anzeige, »eil sie unsere Aufmerksamkeit von zwei Seiten iu Anspruch nimmt, Seiten» ihre» Derfaffer» und ihrer Bestimmung. Sie ist anonym erschienen; diese Blätter haben aber schon verrathen, daß ihr Derfaffer der jugendliche und geistreiche Kämpfer gegen Fr. Reuter ist (Fr. Wachtel): rin junger GerichtS-Refertnl dar in Leipzig, den seine Begeisterung für da» Zu» bntifun sitzt treibt, seine Ferienreise zu eiuem Ausflug« »ach rem Rheine zu benutzen, um die dortigen Gemeirden für de» Gewewdevund za intereffiren. Der Inhalt selbst hätte praktischer gehalten werde» können, ohne lange Einleitung gleich inmediam ren» gehend. ES bedarf keiner politischen Rechtfertigung für den iSr. Sonderbund, den Grmrindebund,' und aus der Rechtfertigung des Patriotismus demKoSmopolitiSmuS gegenüber wird seine Rothwendigkeit der Berechtigung doch nicht vollständig erklärt. Auch wenn diese Vereinigung mit der ehemaligen Hansa verglichen wird, und Israel wegen seines civilisatorischen Beruf» veranlaßt werden soll, mit solchen Vereinigungen nunmehr den Anfang zu machen und in der Stiftung des- Guten voranzugehe»; so halten wir diesen Jdeenganz. der jugendlichen Begeisterung des Verfassers zu Gute. Als Zwecke des Gcmeindcbundes werden genannt Apolitische Repräsentation des deutschen und gesammten Judenthums. Ob und in wie weit die einzelnen Vorschläge hier Anettcnnung verdienen, wie z. B. die Erklärung der Parität der Synagoge mit der Kirche dcur Staate gegenüber, und wie dabei eine Einmischung des Staats m unsere Interna zu vermeiden wäre, bleibe hier uncröttett. Aber das bleibe nicht unerwähnt, daß. der Gemeindebund hierbei das Gebiet des Cultus sehr. nahe berührt. Wir halten übrigens unserseits eine Fcrnhaltung aller cultucllcn Berührungen für den Gcmeindebund ebensowenig für wöglich, wie für den Gemeindevorstand. Auch das englische Board zieht den CultuS iw jein Bereich. Ein Ccquettiren mit der orthodoxen Partei ist daher nutzlos und ein Zusammengehen mit dieser Partei auch auf scheinbar neutralem Gebiete unmöglich. Ein weitcrcr Zweck de» Gcmeindebund^ soll die Beseitigung des Ccknorrertbum» sein. Der^ Vrrfasier liebt eü, unsere speciellen Fragen mit den allgemeinen zusammcnzustellen und nennt dies die Lösung der socialen Frage des ZudrnthumS. Auf dirfevr Gebiete sind bereits im Kleinen vorbereitende Einrichtungen getroffen. Ter Derfaffer gesteht selbst zu, abersagt damit wohl zu viel, daß eS bei unS iu Deutsche land keine Schnorrer mehr gebe, aber geht zu weit, wenn er vom deutschen Eemcindebund au» daSSchnorrerlhum der ganzen Welt im Osten und Westen zu befestigen denkt. Hüten wir uns vor zu weit gehenden Bestrebungen, vor denen die nächsten Roth leiden- Ein dritter Zwcck soll die Bildung von gemeinsamen PmstonScaffen für die EultnSbeamien sein. Gewiß sehr nothwcndig und löblich. Der Gedanke daran wirbdurch das Schnorrerthum hcrvorgerufen; leider! Der Verfasser recttficirt sich zwar und will die Cultusbeamten wohl arm, aber doch nicht Schnorrer genannt wissen. Wir kennen indetz Gemeinden, wo bei der Vcrtheilung von Zehnten und Aryrengaben der Rabbiner ex officio an der Spitze der Empsängerlifte zu stehen hat; leider! Victtens soll der Bund zum Austausch der Erfahrungen auf administrativem Gebiete uud^ zur. Förderung gemeinsamer Institutionen dienen. Wir ems^eh-