Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 2.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
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IS lieht, den Mantel der SLeinhrlligkeit abzurelßen und Va» u-begründkte, flache und fadenscheinige Urtheil aufzudeck-n. Möge Grätz, besten Verdienst als Geschichtsschreiber wir in anderen Partien recht gerne anerkennen wollen, auch für seine anderen, aus seiner Antlreformsucht erfliehenden historischen Sünden in Deutschland selbst die geeigneten Anwälte der Wahrheit finden! Italien. Wie-crum ist eine wissenschaftliche Grösse des Judcnchums uns durch den Tod entrissen worden. Professor l-«1iv della Torre aus Pa- _ dua starb am 9. Juli. Er war über 40 Jahre Lehrer an der Rabbinerschule, die in dieser Stadl ihren Sitz chatte, und wirkte neben. Luzzato mit inniger Liebe als Lehrer und wissenschaftlicher Schriftsteller rür die Religion Israels. Fast alle Rabbincn Italiens, nennen sich mit Stolz seine Schüler. Er war einer der Wenigen aus unserer Zeit, welche die hebräische Sprache mit anerkannter Meisterschaft handhabten, wovon neben einer hebräischen Gedichtsammlung (rnid'^o) zahlreiche Aufsätze im 12m -mm und ion o-q Zeugnitz geben. Er war außerdem ein vorzüglicher italienischer PrÄiger, und viele seiner Reden sind im Druck «schienen. Obwohl er streng religiös lebte und sein tiefes und reiches Wissen nur im Dienste des Juden- . thumS verwandte, hatte er doch viel von der Orthodoxie, in Oesterreich insbesondere, zu erdulden, die in jedem wissenschaftlichen Streben naturgemäß Feindschaft gegen den Absolutismus ihrer religiösen Praxis wittert. — Sein Andenken bleibt gesegnet. Paris. Bekanntlich hat Cremieux die ihm von der Republik überwiesene ministerielle Stellung benutzt, seine algerischen Glaubensbrüder zu naturalisiren. Er nennt dies heute noch den freudigsten Akt seines Lebens. Das Kaiserreich hatte bereu Naturalisation von dem Anträge der Einzelnen abhängig gemacht, aber nie verweigert. Die Juden Algerien's waren ob dieses Akts ihres Ministerialen Glaubensbruders sehr froh. Die Araber benutzen jetzt die gegenwärtige Schwäche Frankreichs. um sich von der Oberherrschaft der Franzolcn zu befreien, und der allerchristlichste Staat Frankreich glaubt die Muhamedaner damit gewinnen zu können, daß er das Crömieux'schc Dekret aufhebt und die Juden wieder in ihre erniedrigende Sonderstellung zurückwirst. In Algerien wird seitens der Christen mit Einschluß des Präfekten gegen die Juden agitirt, und in der Nationalversammlung zu Versailles werden die bezüglichen Anträge gestellt. Wo sind die Grundsätze von Freiheit und Gleichheit und insonders der französischen Republik? London. Es hat sich hier ein Comitö für den »an die „Alliance Jsr. Univ." constituirt, dem r und entschiedener Erfolg nicht schien wird. Man wird in England einen Separatverein bilde«, der im Allgemeinen dem Pariser Centralcomitö sich unterordnet. im Einzelnen jedoch eine Separatverwaltung haben wird. An der Spitze des Comitv's in England werden Sir Francis Goldsand. vr. Benisch, M. Jacob Waley und Sir David Salomon stehen. London. M. Montefiore hat Berichte vom englische» General-Consul in Tabrecz erhalten, welche die gräßlichen Zustände der persischin Hungersnoth bestätigen, obgleich die englischen Minister und Staatsblätter sienicht zugeben wollen. Auch die Israeliten leiden sehr, und die Hülfe ihrer europäischen Brüder wird angerufen. Rufiland. Die moskowitische Polizei jenseits der Weichsel amüsirt sich damit, auch den galizischen I ud e n, welche sich auf russischem Gebiete mit langen Bärten und Locken betreffen lasten, diese Attribute altväterischer Orthodorie abzuschneiden. Der Reichskanzler Graf Beust wird deßhalb um diplomatische Intervention ersucht. Aus Bukarest, 24. Juli, berichtet die „Rum. Post" folgende zwei Fälle zum Kapitel der Judenhetzen in Rumänien: Der erste trug sich in Botoschan u, wo der dortige Präfect, zehn Tage vor dein gesetzich firirten Termine, an welchein sich alle Militärpflichtigen bei den betreffenden Behörden zu stellen haben, seinen Commissären den Auftrag crtheilte, auf die jungen Leute jüdischer Confessio» zu fahnden. Es wurde nunurchr eine systematische Razzia arrangirt, die auf Wunsch des Präfekten mit einem besonderen Knalleffekt endete. Auf sein Geheiß drangen nämlich die Handlanger der „Gerechtigkeit" an eincin Sabbats und während sich die Gemeinde in den verschiedenen Bethäusern befand, in dieselben ein. risten die ihnen bezeichnetcn jungen Leute mit Gewalt aus der Mitte der Andächtigen heraus, den Gottesdienst unterbrechend und alle Vorstellungen mißachtend. daß ihnen die betreffenden Personen doch nicht entgehen könnten, nachdem sie sich von deren Anwesenheit überzeugt hätten. Der Schauplatz des zweiten Ereignisses ist Jaffy. Ein daselbst in Garnison befindlicher Lieutenant Namens Pruncul, dem die „schlaffe Fricdenszeit" nicht behägte,- suchte so lange nach einer passenden Gelegenheit, um seinen Thatendurst zu befriedigen, bis er endlich das geeignete Feld gefunden hatte, auf welchem er seine Tapferkeit beweisen zu können glaubte. Er beabsichtigte nämlich, um jeden Preis einen Judenkrawall hcrvorzurufcn und begab sich zu diesem Zwecke mit mehreren seiner gleichgesinnten Kameraden nach dem Garten „Chateau aux fleure,“ wo er der dort befindlichen Zigeuner-Musikbande den Auftrag ertheilte, ein jüdisches Spottlied zu singen, was auch so-