Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 2. · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 2.
Date
1871-01-01
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4896751-5428704-5428758-5433865--3632-4899845
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 men will, ist leicht zu errathen. Sie glaubt die Gemeinden dadurch zu deSorganisiren, glaub;, daß die freisinnige Richtung nicht genug innere Lebenskraft habe, um ohne Zwangsmittel fortzubesteben und hofft fo, di« Gemeindeinstitutionen und Gemeindeämter wieder in ihre Hand zu bekommen. Wir halten es unsererseits für rur Zeit noch verfrüht, jenes Gesetz zu abrogiren. Dennoch aber dürfte sich die fromme (?) Partei täuschen. Gerade ihre Bestrebungen dürften dm Männern de» Fortschrittdie Augen öffnen und die Gleichgiltigkeit, die Lethargie bannen.. Da« „Seligovernement", die Freiheit der Selbstbestimmung sind kostbare Güter für die Gemeinde und wir haben volles Vertrauen zu der Lebensfähigkeit und LebenSkräftigkeit unserer religiösen Institutionen auch dann, wmu der staatlich« Zwang aufhört. Wir wollen nicht auf Amerika Hinweisen, wo die Verhältnisse vielleicht ander» liegen und die jüdische Gemeinde schon aus ihrer vollständigen Konformität mit den christlichen Gemeinden auS dem Principe vollständigster Autonomie gerade ihre Kraft zieht. Wir habm ein Beispiel in Dmtschlaod selbst. AlS in Hamburg der Gemeindeverband aufgelöst wurde, fürchtete man allseitig eine Zerrüttung und Auflösung. Diese Befürchtungen warm, wie eS sich seither evident herausstellt, durchaus grundlos gewesen. ES sind nur so wenige, welche der umorganistrtea Gemeinde nicht beitraten, daß die die Kraft der Gemeinde nicht im Geringstm schwächtm. Selbst die einzelnm Synagogen Gemeinden, — welche bekanntlich sich innerhalb der Gesammtheit selbstständig organisiren und erhalten, sind in ihrem Bestand und in ihrer Fortentwicklung nicht verkürzt — eher gekräftigt wordm. Gleiche Erfahrungen werden auch ander wärt» gemacht werden. In den kleinen Gemeinden iu-besondere wird die angeborene Scheu vor Trennung, da« Bedürfniß einm besseren Kitt bilden, alü da« Gesetz und die in Alles sich hineinmischende. Staats- Gewalt. Wie gesagt, wir plaidiren nicht für Aufhebung de« Gesetzes, wir theilen aber auch die Befürchtungen nicht, welche sich daran knüpfen. Berlin. Vor einigen Wochen, am Sterbetag Graefe's. legte, wie damals mitgetheilt, die hiesige medicinische Gefälschast auf dem Grabe des berühnrtcn Todten einen Lorbcerkranz nieder, bei welcher Gelegenheit der Vorsitzende der Gesellschaft, Gch. Rath von Langenbeck einige Worte der Erinnerung sprach Diese wenigen, warmen und anerkennenden Worte haben eine Geschichte, die vielleicht nicht ganz unwerth der Mittbeilung ist. In der medicinischen Gesellschaft war, als die Feierlichkeit Geschloffen wurde, gleichzeitig bestimmt, datz der Vorsitzende, Geh. Rath v. Langenbeck, die Festrede Hallen sollte Eine solche Bestimmung ist jedoch bei einem vielbeschäftigten Arzte eine zweifelhafte Sache und so zeigte denn auch am Tage vor der Feierlichkeit Gch. Rath v. Langenbeck den Mitgliedern durch Cirnllar an, datz er vechindert sein werde und datz'der zwelle Vorsitzende. Gch. Rach Traube, an seiner Stelle sprechen werde. Zum Erstaunen der Mitglieder war aber am andern Tage doch Geh. Rath von Langenbock am Grabe und hielt die Rede; er hatte, wie wir nachträglich erfahren. es möglich machen müssen, zu erscheinen^ da die kirchlichen Behörden es verweigert hatten, dem Geh. Rath Traube die Erlaubnitz zu ettheilen, an dem Grabe seines dahingeschiedenen Freundes und College» zu sprechen, well er ein Jude ist!! Lytk. Auch der hier erscheinende Hamagid eifert gegen die Synode und weiffagt, über chren Zerfall (?) frohlockend, ihren baldigm Verfall (?!). Dagegen spricht die Revue Jsraelite sympathische Hoffnungen für d!e Synode auS' und weiffagt. datz sie ihre Gegner bald gewinnen werde. (Bravo!). Hamagid verdenkt Hr. Lazaru« die Thellnahme an der Synode. Es ist mehr als Teilnahme, es ist Begeisterung. Dieser Umstand sollte bte Gegner schon stutzig machen. Prag. Die Haupt-Organe der Alttschechen, „Pokrok" und „Politik", behaupten übereinstimmend mit dem Thun'schen „Vaterland", datz das deutsche Nationalfest in Brünn ein Werk der „landesverräthischen" Juden gewesen sei. Die Tschechen werden aufgefordert, in Zukunft gegen die letzteren einzuschreiten. Judenhetzen gehören von je zu den Hauptvergnügungen der Wcnzelskinder. AuS Ungarn, im August. Während Ober- Rabbiner Dr. Löw aus Szegedin bei Ihnen in Deutschland weilte und wohl an den Berhandluugen der Synode lebendigen und thätigen Antheil nahm, erschien von ihm eine jener stets klaren, tiefdurchdachten und pikanten Flugschriften, mit welchen er der Sache der religiösen Reform und der Organisation des ungarischen JudentlumS stets so große Dienste thut. Da« Lesen dieser Schrift wird auch Ihnen, wenn Sie auch dem ungarischen Streite ferner stehen, gewiß Vergnügen machen, insbesondere empfehle ich Ihnen die Vorrede, in welcher der Verfasser gegen die eine« Geschichtschreibers unwürdige und äußerst parteiische Schilderung des in Ungarn von den Männern des Fortschritts hochgeachteten Aaron Chorin sich auSspricht, welche dieser makellose Charakter in dem elften Bande deS Grätzschen GeschichtSwerke« erfährt. Gr ätz nennt Chorin einen zweideutigen Charakter, während selbst seine Feinde ihm zugestehen müffen, daß er ein reiner, biederer, gediegener Character war! So.behandeln die Neuromantiker ihre Gegner! Aber Löw ist der Manu, der es ver»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.