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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 1. · p. Seite 7

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 1.
Date
1871-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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erhielten wir von verschiedenen Seiten Telegramme, um keinen Preis die avisirten Jünglinge ihnen zuzuschicken. Auch ließen uns mchrere Meister ohne viel Federlesens ihre Lehrlinge ins Hausbringen, mit dem Bemerken, daß sie selbst zu den Fahnen gerufen worden sind und natürlich ihren Haushalt jetzt verringern müßten Dadurch kani es, daß wir auf unsere Kosten eine Anzahl Knaben, darunter auch einige nach Saargcmünd bestimmte, mchrere Monate hindurch verpflegen mußten, bis wir eine paffende Stelle für sie finden konnten. Dauernd versotgt und unseres Beistandes nicht inchr bedürftig waren damals und sind es natürlich noch heute: 3 adoptirt von der Armenberwaltung der hiesigen Synagogen-Gemeinde. 1 adoptirt vom Gutsbesitzer Herrn Simon Harff in Dülken. *2 adoptirt von der Synagogen-Gemeinde Saarwellingcn. 1 adoptirt von der Synagogen-Gemeinde Goch. 1 adoptirt von dem Bankier Herrn Jacob Simon in Düsseldorf. Zu Lehrherrn gebracht und von uns subventirt wurden 10. Zwei adoptirte im Noveinber die Snnagogengemeinde Kreuznach. Am 15. März zeigte uns das Haupt-Comit«- in Paris an, daß cs sich veranlaßt sehe, sechzehn Knaben in ihre Heimat zu entlassen; wir mögen deren Transport nach Rußland besorgen. Aber schon zwei Tage nachher schrieb uns das Local- Comit» in Brüssel, daß cs einige davon zu placiren gedenke, und bat uns, wir möchten ein gleiches init den Anderen versuchen. Sowohl im Interesse der jungen Leute, als auch der Alliance, glaubten wir diesem Wunsche Nachkommen zu sollen, so sehr wir uns auch mit yenen Sorgen und Lasten überbürdeten. Nachdem »vir nun die Ankömmlinge aus Paris aufs neue unifonnirten und über Peßach verköstigten, ist es jm Laufe einiger Monate gelungen, allerdings nicht ohne große Opfer, noch zehn untcrzuvringen. Ein Waisenknabe, Jacob Moses, wurde von seinen Anverwandten in Rußland, deren Verhältnisse sich unterdessen gebessert, reclamirt. Isidor Gordon, einige Zeit in Arlon und dann versuchsweise hier, ging nach Berlin, und Elias Bärman, der inehrere Monate von der Synagogen- Gemeinde in Mayen untcrhatten, dann von ihr wegen seiner tadelnswerthen Ausführung entlassen wurde, besuchte noch ein halbes Jahr unsere Schule, mußte aber, nachdem er zu einem Buchbinder in die Lehre kam, von uns nach Rußland svedirt werden, da der Knabe sich als sittlich und moralisch verkommen zeigte. An seiner Stelle ließen wir einen andern, aus besonderen Gründen hier nicht mit Namen aufgeführten, aber durchaus trefflichen und der Fürsorge der Alliance doppelt empsehlunzswürdigen junge« Mann treten, der ursprünglich irt Paris und nun hier die Uhrmacher-Profession erlernt und zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. - Hirsch Schapiro wurde Anfangs April von der Synagogen-Gemeinde Crefeld adoptirt.- Es sind sohin im Ganzen adoptirt 12 Waisen, in die Lehre gegeben 17 und in Pension 1. Verausgabt wurden nach Ausweis des dem Haupt-Comitö in Paris eingcsandten Spezial-Berichtes die Sumine von 1132 Thlr. 17 Sgr. 7 Pf. Für die nächsten drei resp. 4 Jahre gebrauchen wir für Lehrgeld, Bekleidung, Handwerkszeug und Unterricht jährlich p. p. 5—600 Thlr. Das Bewußtsein, 18 Waisenknaben zur Erlangung ihrer. Eristcnz Mittel und Wege erschlossen zu haben, wird sowohl uns, als auch den edlen Förderern dieses gottgefälligen Werkes, für deren Tbeilnahme wir danken und deren Unterstützung wir auch ferner erbitten, reichlichen Lohn gewähren. Köln, den 30. Juli 1871. Aas Konnte: Dr. Lchwar;, Rabbiner. Nathau Keller. Abraham Baum. Samuel Marx. David Benjaumin. Feuilleton.. - Lustschlösser. Alte Geschichten von I. Es ist Freitag Nachmittag gegen vier Uhr. Die heiße Julisonne sendet brennende Strahlen auf die schattenlose Landstraße, auf der ein ermüdeter einsamer Wanderer sich langsam sortbcwegt. Man sicht cs dem schlanken jugendlichen. Reisenden an seinem schleppenden Gange an, daß er des mühsänien Wanderns in heißer Jahreszeit ungewohnt ist. Eine leichte Reisetasche hängt an einem grünen breiten Bande über die rechte Schulter. Das Aeußere des Reisenden zeigt manche Eigen- -thümlichkeiten. Der hohe schwarze Hut mit dem schwarzen Trauerflor will nicht recht passen zu dem abgenützten, fadenscheinigen Rocke, der zu groß und zu weit um den schlanken Leib lose hcrunibängt. Doch ist ein Blick in das Gesicht des jungen Mannes wohlthuend — es ist eilt freundlich-ernstes etwas blasses Angesicht, ein offener Blick und die vollen blonden Haare, die in langen Locken fast bis auf die Schulter heravrcichen, stehen auch recht gut und geben der ganzen Erscheinung etwas Wohlthuendes. Vertrauenerweckendes.

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