Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 1.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Wochenbericht. AuS Skheinhefsen. Die Revue Jftaelite spricht in Nr. 35 von der Synode in warmen und schönen Worten und würdigt die Bedeutung derselben für die Anregung fruchtbarer Ideen, für die Entwicklung des Judenthums. Es ist dies ein Zeugnitz, das um so mehr Werth hat, wenn man bedentt, was vorangegangen. Gottlob, trotz der Klopffechtereien einiger Fanatiker ist der Krieg nicht ins Herz des Judenthums gedrungen. Wie man in Deutschland die Bestrebungen der Alliance ist. univ. würdigt und ttotz einiger Stockungen die Begeisterung nrr dieselbe nicht erloschen ist, so werdök^m Frankreich, bei den gebildeten und dem Fortschritt zugencigten Israeliten bald wieder mit vollenr Herzen die Verdienste der deutschen Judenheit für die wissenschaftliche Entwicklung, für die religiöse Reform bereitwilligst anerkannt werden. Es dürste bezeichnend sein, datz politischer Fanatismus, der den Frieden auch nach dem Kriege nicht austommen lätzt und den Krieg auf rein geistigen Gebieten fortt'etzt, wo er gar nicht hingehött — nur bei den religiös Stabilen, bei den orthodoxen Fanatikern des Univers Jsraelite — Herrn Bloch und Cons. — gefunden wird. Mit Recht sagt die Revue Jftaelite: Diejenigen, «elche heute ein „Pfui" über die Svnode ausrufcn, beweisen eben durch ihre ein wenig affectirte Verachtung die geheime Unrube-über die Erfolge dieser Versammlungen und datz man fie später der Gleichgüttigkeit und der Sorglosigkeit beschuldigen könnte.", „Die Synode wird wohl nicht in einen« Tage unser gesainmtes relgiöses Leben umgestalten; aber wer wcitz, ob sie nicht eine langsame Revolution der Geister Hervorrufen, die mit der Zeit selbst die für sich gewinnen wird, welche ihr heute noch so energisch widcrsttebcn t‘ — „Die Synode kann Jrrthümer und Uebertteibungen begehen. Eie kann vielleicht nicht das richtige Matz finden und die Schranke, wo ne einzuhalten hat. Cie wird nichts dcftoweniger das Werkzeug des Fortschritts sein und verdient aus diesem Grunde unsere Aufmerksamkeit und unsere Sympathien. Nur diejenigen können sie bekämpfen und verstuchen, welcbe den Fortschritt überhaupt für unmöglich halten." Schöne Wotte, welche für die Mitglieder der Synode nicht verloren sein werden. Wir ftcuen uns innigst damit. Tie Verhandlungen der Svnode werden bezeugen, datz sw sich ihrer hohen Aufgabe bcwutzt, mit Ruhe und Entschiedenheit in ihren Bestrebungen und Beschlüssen vorangeht. Aus Köln wird ein Bericht veröffentlicht, den wir mit Weglaffung des Unwesentlichen hier wiedergeben: Das Local-Eomitb der Alliance Ieraelite Universelle in Köln, dem in Folge des Krieges die schwere Aufgabe zugefallen ist, selbstftändig für die Unterbringung und theilwer'e Unterhaltung der russischen Waisenkinder Sorge zu tragen, kommt hiermit seiner stillschweigend übernommenen Verpflichtung nach, einen öffenttichen Bericht über seine bisherige Wirksamkeit zu erstatten. Als im Frühjahre 1870 von dem vcrehrlichc« Haupt-Comitö der Ruf an uns erging. den verkommenen Zuständen unserer von Leiden verschiedener Art heimgesuchten Glaubensbrüder in Weftrutzland zuvörderst durch Adoptirung resp. Versorgung ihrer Waisen aufzuhelfen, fand dieser hochherzige Gedanke in unseren Harzen den lebhaftesten Wiederhall. Wir haben schriftlich und mündlich nicht nur hier in der Metropole der Rheinprovinz, sondern auch in vielen anderen Lrten, Rheinlands und Westphalens init ganzer Hingebung für das erhabene Werk der Regeneration Propaganda gemacht. Schon waren wir eines überraschenden Erfolges unserer Bestrebungen, welchen allwätts die rührendste» Sympathien entgegengcbracht worden sind, sicher, so das es uns gelungen wäre, innerhalb eines Jahres für hundert Waisenknaben der Art Aufnahme zu finden, datz fiir ihre sittliche und religiöse Erziehung, für ihre Heranbildung zu unterrichteten Menscheu und Israeliten der Grund gelegt worden wäre, als leider die urplötzlich entfest'cltc Kriegsfurie uns der glänzendsten Resultate beraubte, auf der anderen Seite aber unsere Bemühungen, das gottgefällige Werk auch in beschränkter Weise fort- Sen, mit Hindernissen aller Art übechäufte. Der lthätigkcitsfiun conccntritte sich auf eineni anderen Gebiete, das viel näher lag und in der That die ungethcilte Mitwirkung Aller, ohne Unterschied der Coufession, für sich vollauf beanspruchte. Und während wir zur Bestteitung der bedeutenden Auslagen, die unser Werk erfordrtte, wohl besoildere Unterstützungsmittel gefuiidcir hätten, mutzten wir auf dieselben verzichten und sahen uns lediglich auf die Jahresbeiträge der Mitglieder der Alliance und auf Sammlungen, die wir bei autzerordentlichen Gelegenheiten veranstalteten und heute noch fortsetzen müssen, angewiesen. Auch jetzt, nach errungenenl Frieden, scheint uns die Wiederaufnahme des Werkes in der ursprünglich intentirtxn Ausdehnung nicht opportun, da es kaum zu ermöglichen sein dürfte, nach der einmal eingcttetenen Erkaltung für das Unternehmen das Publikum aufs neue wieder hierfür zu gewinnen; cs sei denn, datz das Haupt-Comitv in Paris in Verbindung mit dem deutschen Gemeindetag die Sache einer erneuerten und reiflichen Prüfung unterziehen und eineil neuen Apcll an unsere Glaubensgenosten ertasten würde. Begnügen wir uns also vorerst, unsere Sorgfalk den Knaben airgedeihen zu lasten, denen wir unsere Protection versprochen haben. Anfangs Juli v. I. konnten wir dem Grenzcomiks in Könijpbcrg die Mittheilung machen, datz wir Unterkommen für 18 Waisen gefunden haben. Aber schon einige Wochen später, gleich nach der Kriegserklärung,