Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- Nᵒ. 1.
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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die Blöße ausdecken, die Heuchler und den unwiffendea Fanatismus entlarven. Wo man Streit und Kamps sucht, wo Verleumdung und Hetzerei das Recht der freien Meinungsäußerung schmälern will, wo man auf Spaltung hinarbeitet, um im Trüben frischen zu können, wollen tvir .offen und entschieden im Kampfe für die Wahrheit eintreten, dem entgegrntreten — und dir Wahrheit wird Siegerin bleiben. Wlr wollen mit redlichen Waffen kämpfen für unsere Ueberzeugung, damit frisches Leben pulsire in allen Gliedern Israel». Woher denn diese Ermattung der Geister, die Abspannung, derbodenlos« JndifferentismuS, derZwiespalt im heutigen Judenthumr; woher diese unsäglichen Schäden am Lebend bäume unserer heiligen herrlichen Religion? AlS die Morgenröthe einer neuen Zeit ihre goldenen Strahlen sendete in das düstere Ghetto, als wir die an das Dunkel gewöhnten Augen öffneten dem neuen Licht, da ging wohl ein großer Theil unserer Lehrer und Führer, durch die That, in Wort und Schrift voran, den Weg zu bahnen, Leben und Religion zu versöhnen. Aber man ist in trauriger Verblendung diesen Lehrern nicht gefolgt, man hat sie verketzert und verfolgt oder ist über sie hinweggeschritten; sie fanden nicht den Shutz beim Volke, den sie zu verlangen berechtigt waren, sie mußten vereinsamen, verzage», mußten mit dem Fanatismus paktiren, der ihnen das Leben verbitterte. Sa ragen nur nach einzelne Gestalten aus dem Dickicht des Fanatismus hervor — während der Zwiespalt zwischen den Anforderungen des LebenS und der Religion immer größer geworden und «in großer Theil des Volke» sich abwendete vom religiösen Leben. Tie sich ganz frei machten, fühlten sich abgestoßen von den alten Formen; die neuen Formen aber waren nicht inS Herz des Volkes gedrungen. Wir wollen die Anschauungen der neuen Zeit po» pularisiren; wollen dem Volke ein wahrhaftes und treues Bild dessen geben, was ewig und was veränderlich ist in den Geboten, die die Lebensformen unserer heiligen Religion bilden. Wir wollen unsere Religion zu Ehre bringen auch in ihrer gesammten äußeren Erscheinung. So faffen wir dir Aufgabe unserer Zeitschrift Muf. Redliche Ueberzeugung, freies, kräftiges, volksthümlicheS Wort soll dazu dienen, unser altes, heiliges, ewiges Judenthum und die neue Zeit zu versöhnen und zu einen. Unsere Zeitschrift wird bringen: Abhandlungen über religiöse und andere Lebensfragen des JudenthumS. 2) Mittheilungen aus der Synagoge und Schule, aus den VsreiPfgungen zur Hebung de» JudenthumS (Alliance JSraelit« Universelle, Gemeindebund rc. rr.) und auS dem bürgerlichen Leben der Juden. 3) Mittheilungen über jüdische Schriftwerke. 4) Feuilleton. Wir hoffen mit Gott, daß e» uns im Vereine mit der großenZahl hervorragender Männer uyd insbesondere tüchtigrrTheologe», welche uns ihre freundliche Mitwirkung verheißen haben, gelingen wird, in dieser Zeitschrift ein Werk zu gründen, welches alle die Kreise de» jüdischen Volkes umschließt, die au der kräftigen, freien und entschiedenen Fortentwicklung dcS JudenthuW» thätigen Antheil nehmen. Und so übergeben wir diese neue Zeitschrift der freundlichen Gunst des jüdischen Publikums, vertrauend vor Allem dem Schutze Gottes, der Israel zum Verkünder der Wahrheit gnädig berufen hat. Unser Werk wird gelingen durch ihn. Ingelheim, den 5. August 1871. I. Klingenstein. Die zweite israelitische Synode. Ober-Ingelheim, 5. August. Wir knüpfen hier in unserer Berichterstattung über die Synode an das an, was wir bereits im „JSr. Lehrer" mitgetheilt haben. ' Inder 2. Sitzung, Dienstag dem 12. Morgens, begann Herr Dr. Aub, Rabbiner in Berlin, als Referent für die Anträge auf dem „ehcrechtlichen Gebiete" mit dem Anträge I, Abschnitt IV des Anhanges zu den gedruckten Verhandlungen der ersten Synode, welcher lautet: „Die Synode möge „empfehlen, daß bei Trauungsacten auch' die Braut „dem Bräutigam einen Ring reiche und an den Fin- „ger stecke. Die Braut sprühe dabei die Worte ar« Hin nn^ nachdem zuvor der Bräutigam die Worte „gesprochen: 'b rwnpo pn hi. Referent begiündele seinen Antrag durch die veränderte Anschauung über die Stellung des WeibeS in der Ehe, die unthunlich erscheinen lasse, daß da» Weib bei dem wichtigen Akte gleichsam rechtlos als Gegenstand dem Manne überantwortet werde. Er constatirt, daß erst um das '11. Jahi hundert, sich Spuren von der gesetzlichen Darreichung eines Ringes bei der jüdischen Trauung finden, während die christliche Kirche schon im 3. Jahrhundert ihrer Zeitrechnung den Ring als Symbol bei der Trauung kennt. Auch uns sei er doch nur ein Symbol, indem nach dem jüdischen Eherechte prnp mit jedem beliebigen» auch dem geringfügigsten Gegenstände stattfindrn dürfen. In der engl. Hochkirche reicht der Bräutigam der Braut auch