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Der israelitische Lehrer · 1871-01-01 · Nᵒ. 1. · p. Seite 2

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
Nᵒ. 1.
Date
1871-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 unserer Religiöasgenossen zu einem gedeihlichen Ziele geführt werde. Sie will da« Band der Einheit, welches die Religion«g«noffen umschlingt, vor Lockerung bewahren und die gemeinsamen, höheren Interessen im Leben und Wiffenschaft nach Kräften fördern. Vr Die Synode nimmt für ihre Beschlüsse keine andere Geltung in Anspruch als diejenige, welche die Kraft, der Wahrheit, de« heiligen Ernstes und der festen Ueberzeugung verleiht; sie weiß aber, daß diese Kraft, die einzige, welche im Gebiete der Religion wirken soll, eine unwiderstehliche ist und zuletzt trotz aller Schwierigkeiten und Hemmnisie den Sieg erlangen muß. VI. Zudem die Synode den Anforderungen der Zeit nachzukommen strebt, hält sie sich davon versichert, daß sie für die Erhaltung des Judenthums wirkt. Zn dieser Weise fühlt sie sich eins mit dem Geiste des JudenthumS in seiner ganzen geschichtlichen Entwicklung, eins mit allen ihren ReligionSgenoffen, welcher Richtung sie auch folgen.mögen, und hofft ein Werk der Versöhnung zu stiften, fteilich nicht für den nächsten Augenblick und nicht durch Verleugnung der Gesinnungen, sondern durch den Geist der Wahrheit, der, dem Ausspruche unserer alten Lehrer gemäß, die Grundbedingung des Friedens ist. VII. Die Aufgabe der Synode soll durch die vorhergehende Erklärung nicht abgeschloffen sein. Bei dem innigen Zusammenhänge zwischen dem relig'ösen Leben und den socialen und bürgerlichen Verhältnissen erscheint «S vielmehr der Synode als unabweisliche Pflicht, in den an sie herantretenden Fällen dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit auch in Beziehung auf die bürgerliche und sociale Stellung der ReligionSgenoffen den angemeffenen Ausdruck zu verleihen. Diese Sätze enthalten ein Programm, ein Manifest. Zn ihrem Hauptinhalt sind sie der Ausdruck der Ueberzeugung aller derjenigen, welche seit Zähren an der Fortentwicklung und Regenerirung des Judenthum« thätig Mitwirken oder durch Gesinnung und Leben der Ueberzeugung von der Nothwendigkeit der Fortentwicklung des ZudenthumS Ausdruck geben. WaS hier feierlich ausgesprochen wurde, ist nicht neu, nicht überraschend. Aber es auszusprechen ist eine That, die zum Leben führt. Die Versammlung, in welcher diese Sätze in beredter Weise zum Ausdruck kamen, hat dadurch sich und der gesammten fortschrittlichen Richtung im Zudenthum den Weg vorzezeichnet, welcher muthig zu beschreiten ist and der der Wahrheit zum Siege verhelfen muß. Zn diesem Programme werden sich all« diejenigen Männer finden und einigen, welche bestrebt sind, den Glanz des alten, aber nie veraltenden ZudenthumS wiederherzustellen, es der Erfüllung seiner welterlösenden Mission näher zu bringen. ohne sich jedoch von den Anforderungen des sittlichen und bürgerlichen Lebens der Gegenwart und der geläuterten aufstrebenden Wiffenschaft abzuwenden. Die Synode ist eine periodisch wiederkehrende Versammlung. ES wird ihr unmöglich sein, die Aufgabe, die sich selbst gestellt hat, zu lösen, wenn nicht die übrigen Faktoren, welche gegenwärtig an der frischen und freien Entwicklung der Geister thätigen Antheil nehmen, Mitwirken. Ein solcher Faktor ist die Preffe. Sie trägt ja da« geflügelte Wort hinaus — hinein in« Volk; erweckt Leben, Theilnahme, Bewegung und Begeisterung allüberall, wohin sie dringt. Diese Aufgabe, diese fortzeugende Ergänzung der Synode für das gesammte jüdische Volk zu sein, haben sich di« gegenwärtigen Blätter gestellt. Das Programm der Synode ist auch unser Programm. In jedes jüdische HauS muß die Saat des Lichts getragen werden, soll sie gedeihen ■ und Frucht bringen. Zu dem jüdischen Volke müffen die Lehrer und Führer, wie durch daS Wort so durch die Schrift sprechen, um es aufzuklären, aufzumuntern, aus dem Todesschlafe der Verknöcherung und der Gleichgiltigkeit — Orthodoxie und JndifferentiSmuS sind die gleichen Todfeinde jeder gesunden, lebensfähigen Entwicklung — aufzurütteln an, zu neuem, frischem Leben, zu neuer Kraft und neuem Licht. Das kann in unserer Zeit nicht geschehen durch Parteilosigkeit. Unparteiisch sein, heißt farblos sein, heißt in den Stürmen unserer Zeit — der Sache gegenüber — nicht weniger als charakterlos sein. Offen und entschieden, hell und klar, warm und frei muß das Wort sein, welches die Herzen gewinnen, entzünden will. Offen das Wort, kräftig die That. Die Zeit des unfruchtbaren ZaudernS, des heillosen Schwankens ist vorüber. Wir wollen unseren Brüdern, welche mit aufrichtiger, frommer und ergebener Liebe dem Alten und Ueberkommenen anhängen, nicht wehe thun. Wir wollen auch ferner mit ihnen verbunden bleiben. Der israelitische Glaubensbund soll durch uns nimmermehr gelockert werden. Wir wollen ihnen keine Neuerungen aufzwingen; uns nicht trennen. Wir werdenaber darum auch, wo immer Niedertracht und Gemeinheit, zur Schande des ZudenthumS, im Gewände der Heuchelei auftritt, und sich für einzig unfehlbare Frömmigkeit auSgibt,

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