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Der israelitische Lehrer · 1871-12-06 · 49 (6.12.1871) · p. Seite 318

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
49 (6.12.1871)
Date
1871-12-06
Page
Seite 318 (sequence 2)
Language
German
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318 Fehlern — und wollen vielmal nicht cinsehen die Wahrheit des Spruches unserer Alten: TN iciNn 121 jnr — jnv Wollen wir daher Achtung, Liebe, Gehorsam, Pünktlichkeit, Pertrauen, Wahrheit u. s. w. von unfern Schülern beanspruchen, so seien wir selbst daran gewöhnt. „Aur der, welcher selbst gut erzogen und gebildet ist, kann auch gut erziehen und bilden" — und ..verlange von deinen Schülern nicht, was du selbst nicht bist und thnft" — lauten 2 pädagogischen Regel. Daher sei unser Unterricht gründlich, lückenlos; schreite vom Leichten zun: Schweren, vom Rahen zum Entfernten; sei interessant und naturgemüs:; denn „alle Erziehung, die etwas bladeres ist, als Vervollkommnung der Ratur, aus dem Wege der Ramr, ist vom Uebcl" — sagt Weber. Daher „gehen-wir ininicr von Thaten ans. (Jacolot.) Daher seien wir selbst wahr, wahr gegen unsere minder, ivahr gegen Andere; daher seien wir pürckilich und ordnungsliebend, gereckt und bescheiden „und tlmn das Rechte in allen ' Sacken, das Andere wird sich dann selber machen." (Goethe.') IV. Stellung zur Gemeinde. Wenn cs heißr: »Willst du dir ein hübich Leben zimmern. Muftr du dich urn’S Vernlinq'ne nicht kümmern; -Das Wenigste muß dich verdri>tze» _ Mutzt stets die Geq,nwart <uritf;tn Besonders keinen Menschen hassen Und die Zukunft 6ott überlassenso wären schon so ziemlich die Mittel und Wege angegeben, die der Lehrer cinschlagen muß. wen,: , er nicht in seiner Schule und Gemeinde dastehen, will, wie „Herkules am Scheidewege," sondern zum Heil und Rutzcir in seiner Stellung zu wirken beabsichtigt. Da aber die angeführten Worte des 1 Dichters sehr ideal, resp. relativ aufgefaßt und beim jüdischen Lehrer noch ganz andere gravirende Punkte ins Auge zu 'sasicn sind, so sei es uns erlaubt,! unsere zum Tlnil selbst erlebten Erfahrungen, in ■ den Spalten dieses geschätzten Blattes — das cs > sich ganz 'besonders auf seine Fahne geschrieben, den | isr. Lehrcrstand zu heben — dem Auge des geehrten 1 Publikums vorzuführen.; Das Amt eines israelitischen Lehrers ist, so sage! ich, und mit mir so viele Andere, eines der schwierigsten, undaickbarsten und aufopferndsten, die es nur auf Gottes schöner und freier Erde geben kann. ' Es ist nach Erfahrung Vieler zu verwundern, daß; noch so viele junge Erdenbürger sich einem Fache . widmen, welches, um mit dem Propheten JesaiaS! zu reden, .statt der erhofften Drauben — nur Heer- 1 linge trägt" und uns auf unfern: dornigen Lehrer — Pilgerleben „statt der Freude," die nach den Worten Hölty's jedem Erdensohne winket, „nur den Kranz des Elendes, des Kummers, der Roth, der Undankbarkeit und des Mißmuthü entgegenträgt." — Ich will hier nicht reden von jenem vielgenannten „Xervns reriiin," der oftmals genugsam in die Wagschalc fällt, wenn cS gilt, die „Freuden und Leiden eines Lehrerlebcns" zu schildern — denn für solches Elend hat man schon lange „gleich Psammenit keine Dhränen mehr," und weiß cm Jeder oder sollte es wissen, daß, wer diesen Stand wählt, von vornherein allen Freuden des Lebens entsagen muß und nur siinen Drost findet, wie es uns von unfern gut situirten Herren Theologen und Freunden oftmals gelehrt worden, in jenen Worten des Propheten (Daniel, Kap. 12, P. 2 u. 3) — sondern, wenn ich bitter werde, io sind ganz andere Umstände dabei maßgebend. Unsere Herren christlichen College:: sind oftmals gegen uns in ihrer Stellung zu beneiden und besonders, wenn sie nicht Kirchendiener sind; denn sie haben cs in diesem Falle mit der Sckule allein zu thun und die daraus entwachsenden Mühen und Käinpfc allein zu tragen. Wir jüdische Lehrer dagegen aber, die wir leider oftmals Alles in Allem sein müssen: Lehrer, Prediger, Chasan, Schochet re., werden bald von dieser, bald von jener Seile daran erinnert, daß wir, um unch bildlich auszudrücken, „Fremdlinge und Beisitzende" sind — und alle Tage uuferes Lebens bleiben sollen. Hier ist es bald ein Gemeindc-Mitglied, daü uns zur Rede stellt, wenn ein widerspenstiges, ungezogenes und faules Knäblcin oder Töchterlein bestraft ist worden, dort ist'S bald der Gemeindevorsteher — oder Vorsteherin, — der seinen Werth und seine Autorität — denn davon ist er eben so überzeugt, wie Richard Wagner von seiner „Zukunftsmusik" — in der Synagoge gegm uns sehen zu lassen sich berufen wähnt und der oftmals aus Gefälligkeit-gegen ein Gcnieindc-Mitglied alle nur erlaubten und unerlaubten Mittel anwendet, selbst wenn der Lehrer noch so sehr in seinen: Rechte ist, „das Bittere süß und das Süße bitter zu nennen. das Licht zu machen znr Fiusterniß nnb die Finsterniß zum Lichte, das Gute bös und das Böse gut zu nennen, gut zu' sein in seine» Augen und verständig in seinen Gedanken", wie die Schönpflästerchen alle heißen mögen! — Hier ist'S bald die musikalische Begabung, die irgend einem Gemeinde- Mitglied nicht convenirend ist, dort wieder das Prediger-Talent, was nicht zusaget; diesem ist der Lehrer zn bigott, jenem zu indifferent z bald ist derselbe zu viel Schönredner, bald wieder zy stolz und

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