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Der israelitische Lehrer · 1871-12-06 · 49 (6.12.1871) · p. Seite 319

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
49 (6.12.1871)
Date
1871-12-06
Page
Seite 319 (sequence 3)
Language
German
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319 abstoßend'. Kurz, wer vermag unter den so vielen 100 Seiten die einzelnen alle aufzuzählen! — Und der Lehrer? — Soll er etwa darob in seinen Pflichten ermatten und mißmuthig werden? Ei, bewahre, er laste sich ob solcher Eventualitäten in seinem Thun und Wirken nicht beirren; er handle nach Gefühl und Gewissen, unbekümmert um das Urthcil der Leute; „er thue das Rechte in seinen Sachen; denn das Andere wird sich dann schon von selber machen" (Göthe); er zeige sich alsdann als selbstständiger Mann, als Lehrer und Erzieher in der rechten Weise, zwar stets den Frieden suchend. so weit c§ möglich, aber wiederum gewappnet im Frieden gegen den Krieg: gegen Gehässigkeiten, Ungcbührlichkeitcn, Eingriffe in seine Funktionen und andere Eventualitäten; er thue seine Schuldigkeit in seiner Gemeinde, in seiner Schule und Synagoge, wie er es mit seinem Gcwiffen vereinbaren kann; er sei seiner Gemeinde sowohl, als auch seiner Jugend ein belehrendes und bildendes Beispiel; sei „freundlich gegen Alle, vertraut mit Wenigen und eng verbunden rnit Einem," wie I)r. Munde sagt, „und ihm quillt der Segen von oben;" niag es alsdann noch so sehr um ihn stürmen und wettern, mögen alle Elemente gegen ihn entfesselt sein — er ist geborgen im Schutze des Allmächtigen und „wankt er auch, so stürzt er nicht; der Herr erhält ihn bei der Hand." — v. Strllnilg ZIIIN Lebe». So wären wir denn, lieber Leser, endlich an den Schluß unserer Arbeit angclangt und nur. noch wenige Minuten folge mir, lieber Amtsbruder, mit in's Leben und laß uns da auch einmal eine kleine Rundschau halten, uni zu sehen, welche Stellung darin nach Gebühr und Recht der jüdische Lehrer einnehmen sollte und oftmals mit Unrecht nicht entnimmt. Wenn der edle und große Chamisia singt: „TaS ist die Roth der schweren Zeit, Das ist die schwere Zeit der Noth; Das ist die schwere Noth der Zeit, Das ist die Zeit der schweren Roth",. — so hat er sicher au den Lchrerstand dabei gedacht; denn bezeichnender und treffender konnten seine Worte ja nicht gewählt werde», auf die Stellung, die dieser noch heute im Ganzen und Allgemeinen leider in der menschlichen Gesellschaft einnimmt. Man sollte doch meiiten, wäre der menschliche Verstand nicht im Wahne befangen, daß ein Stand, der es sich zum Lebensziel gesetzt, der Gemeinde die gesitteten Bürger, dem Staate seine gebildeten und gutgcsitteten Soldaten, dem Regenten seine Staatsmänner und Generäle heranzubildeu, wohl mit zu den geachtetsten und wohlbcstelltesten der 4 Stände der menschlichen Gesellschaft gehöre? Weit gefehlt! — Ter Lehrstand ist nun einmal bei Bielen das Kreuz des Universum. Seine pccnniäre Stellung in fast aller Herren Länder ist nun e „mal eine solche, daß Gott erbarm! Millionen hat man übrig für großartige Institute: für Miliz, Marine, öffentliche Gebäude u. s. w., Millionen werden verausgabt für Pensionen und Dotationen — und der Lehrer, besonders der jüdische, geht leer aus bei all' dein! — Manche schwache Menschenscelen und Krämergeister sind nun einmal daran gewöhnt, Alles und Alles nach baarcr und klingender Münze abzuschützen und den Werth deü Menschen nach seinen Kleidern und nach seinem Geldbeutel zu bemessen, und weiß man das, so kann man sich wohl auch einen Begriff davon machen, wie es in Folge dessen mit dem iA'hr* stände beschaffen ist. Jeder Kaufmann, jeder Handwerker, ja jeder »och so kleine Geschäftsmann zieht die 'Rase, wenn er zufällig einmal niit dem Lehrer zusammenkoinmt und dieses Thema zur Sprache gelangt. Ist ja ihre Zukunft bei nur einigem Glücke — denn wozu brauchl's Verstand — im Allgemeinen eine gesicherte, während der Lehrer mit Zittern und Beben an die Tage denkt, von denen es im Prediger heißt: „Sie gefallen mir nicht." — Ist-doch bei all' jenen die Stelliuig eine freie und unabhängige, während die des Lehrers in einigen Ländern eine auf Sand gebaute, abhängige und unterwürfige ist. Bald rupft ihn dieser, bald plagt ihn jener, so daß er oft niemals seines Daseins sich erfreuen kann. Bald hat er zu kantige Ecken, bald ist er zu sehr im Lehrcrdünkel befangen, als daß er in einer honetten Gesellschaft weilen dürfe. Hier glaubt die Behörde, besonders die jüdische, sich etwas zu vergeben, wenn sie horriliilc dictu mit ihm direkt verhandelt, dort findet es der Herr Theologe nicht mit seiner Würde zu vereinen, wenn er, man höre und staune! selbst in außeramtlichen Angelegenheiten mit seinem ihm untergebenen Lehrer anders als im officiellen Canzleistyl correspondirt u. s. w., u. s. w. Glaube nicht, lieber Herr Amtsbruder, daß ich hierin übertreibe und mir solche Facten in meiner Fiction und Imagination zurechtlege. Ach, nein! Der Verfasser dieser Zeilen spricht aus Erfahrung, und da von jeher feine Absicht war, in Worten und in der Schrift mit Herz, Geist und Seele den Lehrcrstand zu heben und feine Institutionen fördern zu helfen, so hat er sich veranlaßt gesehen, diese Zeilen der Ocffentlichkeit zu übergeben und werden, wie ich für gewiß voraussetze, viele meine Herren College«,in der Nähe und Ferne in ihrem Herzen und in ihren

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