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Der israelitische Lehrer · 1871-11-15 · 46 (15.11.1871) · p. Seite 306

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
46 (15.11.1871)
Date
1871-11-15
Page
Seite 306 (sequence 2)
Language
German
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306 sogar mit Anwendung bcbcutcnb^r Sättel, eben weit die Einsicht und die Kcnntniß richtiger Zubereitung fehlen, gar keine oder kaum nennenswettbe zu erreichen vermag? Also auch hier ist Fortbildung unerläßliches Gesetz. — Wir haben bisher inirZwn M 5 rper des Menschen in Erwägung gezogen und daran das Naturgesetz stetiger Fortbildung erkannt. Der Mensch besteht aber nicht allein aus Körper, sondern auch aus der Seele. Der Körper ist nur der Träger der Seele, ist das Medium, wodurch die Seele Anschauungen von der Außenwelt erhält und mit ibr in Berühning tritt. Auch die Seele ist demselben Gesetze stetiger Fortbildung unterworfen, welches, nachdem das Kind die ersten vier Wochen in __ Schlaies Armen verbracht, mit dem allmähligen Erwachen des Bewußtseins, dem Erkennen der Ernährerin, der Mutter, in die Ettckeinnng zu treten begimtt. und von bedeutender Größe ist der Weg der Fortbildung, welchen es ott schon in den ersten zwei Lebensjahren zurücklegt. Ter forschende Beobachter nimmt bei ihm Appetit nach geistiger Nahrung wahr, und die sorgsame Erzieherin oder der sorgsame Erzieher ist bestrebt, diesen geistigen Hunger zu stillen, und immer wieder zu stillen, nicht zu übersättigen, damit die Fortentwickelung des Geistes aus natürliche Weise gefördert, nicht gehemmt oder untergraben werde. Haben Kinder das Unschätzbare Glück, Eltern zu besitzen, welche nickt nur die körperliche, sondern auch die geinige Fortbildung des Kindes mir weiser Umsicht und mit ernster, ja heiliger Sorgfalt fördern vermögen und fördern, >'o wird der 1'ebrer beim Eintritt des Kindes in die Sckule einen dankbaren Schüler erhalten, der durck Aufmerksamkeic und Fortschritte seine Mühe lohnt. Versteht nun der Lehrer, wie er es soll, die geistige Kochkunst, d. b. versteht er die Kunst, die Fähigkeiten, welche im Kinde sckluinmern, zu wecken und naturgemäß zu entwickeln, den Unterrickt klar und anickaulich. mit einem Worte, begrifflich zu machen, so wird sich bald an dem geistigen Erstarken, an der Fottbildung des Kindes dasselbe Naturgesetz bei der geistigen Entwickelung des 'Menschen in «Geltung wahrnehmen, das wir bei der Entfaltung des Körpers erkannt haben. Um nun aber hierin keine Mißgriste zu chun. ist es nöthig, daß der Lehrer die Seele des Kindes wrt und sott zu seinem Studium mache, sich hierin versenke, um deren Bedürsnisie zu erkennen und hiernach die Befriedigung derselben, d. h. seinen Unterricht einzurichten. Nur dann wird er dem Kinde nicht nach alter, mechanischer und darum verwerflicher Weise ein bestimmtes Quantum von oft unverstandenem Wißen als primitiver Koch eintrichtern 'und dasselbe abrichten oder dressiren — und Dressur ist ja sogar beim Thiere möglich und daher des Menschen unwürdig —, sondern seine Fähigkeiten von innen heraus entwickeln, wird! entwickelnd unterrichten, sein Unterricht, auf An- > schauungen und Begriffen gegründet, wird gesunde, gei- > - stige Fortbildung fördern, Dies vermag der Lehrer aber nur dann, wenn er selbst ununterbrochen an seiner eigenen Fortbildung arbeitet. Denn kö in Mensch kann das geben, was er selbst nicht besitzt. Wer daher das Bedüttniß nach Fortbildung in Andern wecken soll und dahin zu wirke» hat, daß es für das ganze Leben dauernd wach und lebendig bleibt, und hierzu ist der Lehrer vor allen Andern berufen, der muß vor allen Dingen dieses Bedüttniß selbst empsinden und diesem immerwährenden Bedürfnisse — denn ein solches ist es - fort und fort Genüge leisten. Der Lehrer ist daher mit einem Worte besonders zur Fortbildung verpflichtet? Erwägen wir nun aber noch, daß die größere Zahl der Schüler aus der Elementarschule ins bürgerliche Leben tritt, und daß die Forderung gerechtfettigt 'cheint, daß ihre Ausbildung so weit gefördert sein soll und muß, daß sie als brauchbare, nützliche Glieder in die bürgerliche Gesellschaft treten können, und berücksichtigen wir den unendlichen Fortschritt, der sich auf fast allen Gebieten menschlichen Wissens und Thuns geltend gemacht hat und sich noch immerfort weiter ausdebnt, uitd bringen wir dabei das beschränkte Maß der Bildung in Anschlag, ivelches der Lehrer bei feinem Austritt aus dem Seminar besitzt, so kann es- -feinem Zweitel unterworfen ''ein, daß es für ihn die heiligste Pflicht ist, seine Fortbildung keinen Augenblick aus" den Augen zu verlieren, und alle freie Zeit, die ihm bleibt,, ihr zu widmen, wenn er seinen heiligen Berusspflichten zu entsprechen den festen, ernsten Willen bat, oder mit andern Worten:, Fortbildung ist des Lehrers besondere Pflicht. Ferner vermehrt der Lehrer durch die Erweiterung seines Wissens die Kraft und den Grad seines Könnens- Sadurch aber wird seine Thätigkeit täglich ersprießlicher, segensreicher werden. Die Achtung des Lehrers in der Außenwelt wird in dem Verhältniß bei Urtheilsfähigen zunehmen, steigen, als er durch Fortbildung sich läutert, seinWisien erweitert und sein Können steigert, mit einem Worte, sich achtungswerther macht, wahrend das Gegentheil der Fall ist, wenn der Lehrer die Fortbildung aus dem Auge verloren hat und dem Stillstände und mithin auch dem Rückschritte ergeben ist. Daß unserm Stande noch heute bei Manchem die gebührende Achtung fehlt, rührt von solchen faulen Lehrern unter uns her. Wollen wir diese aber unserm Stande erobern — und das müssen wir—, dann muß ein Jeder von uns an seiner eigenen Veredlung durch Erfüllung der besondern Pflicht der Fortbildung arbeiten. (Schluß folgt.)

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