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Der israelitische Lehrer · 1871-11-01 · 44 (1.11.1871) · p. Seite 298

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
44 (1.11.1871)
Date
1871-11-01
Page
Seite 298 (sequence 2)
Language
German
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— 298 — H. Heiterkrit des Unterricht« ES ift dies eine absonderliche Korderung und unseres Wiffens noch in keinem betreffenden Lehrbuche als Gesetz ausgestellt; wir haben jedoch unsre guten Gründe, sie hier aufzuführcn. Vormals wähnte man in den isr. Schulen — die jchoch, was hier zugegeben werden inuß, durchaus keinen Anspruch aus pädagogische Leistung machten, und sich deshalb bekanntlich nicht einmal den Namen einer Schule beilegten, wenn ein Kind „obren und leinen" :c. rc. konnte, hätte man seine Schuldigkeit gethan, und die religiöse Bildung sei vollendet. Es war eine Eonscguen-z der Zeitvcrhältniffe, der religiösen Ansichten im Allgemeinen und der Bildungsstufe jener Zeit. Heute ist die oberste Ausgabe der Schule die Erziehung. In der Schule mutz ein freier lebensvoller Geist herrschen: Lehrer und Schüler müffcn arbeiten, mit lebendiger Lust zur Arbeit. Der. Unterricht mutz heiter sein, das Gcinütb des Kindes ergreifen, von innen heraus crgreiscn. Dann — aber auch nur dann ift sie eine wahre Schule — eine Anstalt, dem hohen Zwecke wahrer. Menschcnbildung geheiligt. Die ftumpse Gleichgültigkeit, der dumpfe Geist, der in manchen Schulen den Unterricht drückt, ihn zur Plage macht; der die Schule zum Arbeitshaus, im ichliiiimcn Sinne des Wortes, herabwürdigt. entspricht weder dem Geiste des Judentums, das in allen seinen Phasen der zur Heiterkeit geneigten kindlichen Natur freie Entwicklung vergönnte, uoch der Eriftcnz der Schule überhaupt. die die freimenschliche, naturgcnläße Meuschenerzichung erfordert. Jene stets hadernden, schimpfenden, keifenden Lehrer, welche sich für so äußerst geschickt halten. weil sie es mit der Rutl»e in der Hand dahin bringen, daß in der Schule kein Athcmzug gehört wird: die es nie versucht haben, einem Kinde lächelnd ins Auge zu schauen und in deren Schule nie ein volles, frisches, heiteres, allgemeines Kindcrlachen gehört wird, erscheinen dem Kinde als Popanzen im Traume — Sw kennen die Seligkeit des Lehrers nicht —, wo das Herz die Herzen findet. Ein heiterer, frischer Geist walte stets in der Schule. Und wenn Du, o Lchrcr, in die Schule trittt't. n«t Nahrungssorgen dein Herz beschwert, — cs ist nicht billig und fehlte nicht fein und doch ist cs so natürlich, — so laß Dich ergreifest vom sorglos heiteren Kindcrherzen und — weg mit den Grillen und Sorgen. Und wenn Du im Unmuch über das Mißlingen Deiner Unterrichts- und Deiner Erziebungsbestrebungen Deine Heiterkeit schwinden fühlst, so suche Dich wieder zu erheben an dem guten Kinde, das Deine Mühen mit Aufmerksamkeit und Gehorsam lohnt. Heiterkett dis Unterrichts ist die Würze und das Salz des Schullebens. (Fortsetzung folgt. Wochenbericht. Vom Niederrhein. Lebhaft dabe ich es bedauert, datz Zeit und Verhältnisse mir nicht, gestatteten, auf der Eonferenz in Mannheim anwe'end zu fein. Mit Spannung sah ich dem Referat über dieselbe entgegen, das denn auch gestern im „Isr. Lehrer." wenn auch nur zum Thcil. erschien. Mit aufrichtiger Kreude entnahm ich daraus das glückliche Zustandekommen eines Vereins, der einem längst gefühlten Bedürfnisse entspricht und einzig und allein im Stande ist. eine Bcsserzcftaltung des isr. LchrcrwesenS herbeizuführen. Es war wahrhaftig keine momentane Laune, die bei dem geschätzten Gründer desselben den Gedanken zur Gründung eines solchen Vereins reifte: eS war — das fühlte Jeder — die himmelschreiende Willkür. die sich heute mehr denn je, von Selten vieler Gemeinden den Lehrern gegenüber geltend macht, eS war die traurige Erfahrung, datz, während jeder Beruf, vom Minister bis herab zum Fabrikarbeiter avancirte die Stellung der Lchrcr immer verkümmerter, immer trauriger wird! Was wird feit Jahreil in den Abgeordnetenhäusern gesonnen. berathcn und bcschlosscil, um die Lage der arbcitendcil Klasse aufzubcssern! Was ist dbrt seit jener Zeit für die Lehrer und spccicll für die jüd. Lehrer geschehen? Nichts! Kranken- und Sterbekassen, Eonsum- und Untcrftützungsvercine werden von den Fabrikherren für ihre Arbeiter gegründet — was haben indeß die jüdischen Gemeinden für ibre Lehrer gethan? Nichts! Doch nein, sie haben leider genug gethan, genug, um den Beruf der Lehrer zu verbittern, ihr Leben zu verkümmern, ihre Sorgen zu mehren, ihr Selbftbewußtsein zu schmähen, ihre Zukunft zu trüben. Mau schließt Eonttacte und bricht sic; engagirt Lehrer, um sie nach kurzer Zeit wieder brödtos zu machen, man legt ihm den aufreibenden Dienst eines Lehrers. Vorbeters. Chordirigenten und Predigers auf, und wenn eS ihm dann gelungen, bis zur Aufopferung seiner Gesundheit diese Dienste ttcu zu versehen, wirft man ihn schließlich wie eine ausgesogcne Cittonenschale fort. Von den kleinen Ucheln und Bekümmernissen will ich gar nicht reden. Wer kennt sie nicht? Wann vergeht ein Tag im Beruft, ohne daß der | Lehre irgend eine bittre Pille schlucken muß? Ach, das arme Lehrerherz hat sich daran schon so gewöhnt, daß eS Derartiges kaum noch empfindet.

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