Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1871-10-11 · 41 (11.10.1871) · p. Seite 286

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
41 (11.10.1871)
Date
1871-10-11
Page
Seite 286 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4896751-5428704-5433838--3555-4899783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

286 der Liturgie keine besondere Rücksicht zu schenken brauch e n. hier jedoch und in den meisten Religionsschulen größerer Genieindcn liegt das Bcdürfniß gar sehr vor. Wir'müssen daher init alten uns zu Gebote stehenden Mitteln ans Werk gehen, um auf die'em weit ausgedehnten Gebiete vorläufig das Rothdürftigste zu lehren und den Schülern zu eigen zu machen, so zum Eigenthum, daß cs unverlierbar wird. Tie füur bis sechs Jahre, welche jeder Schüler der Religionsschule angehört, werden, auch nur bei einer Unterrichtsstunde wöchentlich, auSreichen, um alles- Wissenwerthe aus unserer sehr reichhaltigen Liturgie kennen und ausüben zu lernen. Ten Mangel an Zeit muß die geschickte Met h o d e ersetzen. Im Folgenden soll es — was besonders für College» von Jnterene sein dürste — versucht werden, den methodischen Gang beim Unterrichte in der Liturgie zu zeichnen. Ta diese Uebung so eigentlich eine Hebung ad hoc ist, so wird der geschickte Lehrer hierbei danach zu streben haben, auf die möglichst practischc Weise diesen Unterricht zu erthcilen, weil er eben einen practiscken Zweck haben soll, Rach drei Seiten hin wird er auf diesem Gebiete das Äugenmerk zu richten haben, und zivar auf: 1. Das gemeinsame Zusauimenlesen in der Tcfillah (Siddur.» 2. Tie Kenntniß des Siddur's im Ganzen und der Tefillans im Einzelnen, init besonderer Rücksicht auf den öffentlichen Gottesdienst. 3. T en liturgischen Gesang. In Bezug auf den ersten Punkt sind wobl alle Lehrer darin-einig, daß eine solche Uebung, wie das gemeinsame Lesen, nicht bloS von großem Rutzen ist, sondern auch durchaus notbwendig, wenn Ziele erreicht werden sollen. Eractes, stüst'iges und fertiges Lesen muß die Grundlage sein, aut der man weiter bauen kann. Wir veruiiiieir bei unserer Jugend jene Fertigkeit im Hebräi'ch-Lcsen, die wir so gerne hören; den Grund dieser Unrertigleit brauchen wir wohl nicht erst anzugeben, er ist leider^ bekannt genug. — Tie Betheiligung aller lesefähigen oder besser gesagt, leseunrähigen Schüler der ganze» Schule bei diesen! Unterrichte wird eben eine solche gemeinschaftliche Uebung erst crmöglichen, welche entschieden das Mittel zum Ziveck werden wird. Wir nehmen zu Anfang kleinere Stücke aus der Tesillah, die jedoch vorher den Kinder» übersetzt (inhaltlich erklärt?) worden, lassen diese von Alleliznsammcn lesen, achten au' Articulation und Accentuation und gewinnen nach fortgesetzter Uebung, wie unschön cs sich in den ersten Stunden auch anhört, bald ein klares, flüssiges, wenn auch mechaniichcs Leien. Eine solche Uebung mit allen Schülern zugleich ausgefühtt, wirkt nach dem Gesetze der Massenanziehung so wohlthuend auf jeden einzelnen, daß jede andere Methode zu verwerten wäre. Die Befürchtung aber, daß der Einzelne, der Schivache, in der Gesainmtheit aufgehen und in seinen Leistungen nicht getördett werden könnte, ist beseitigt, wenn ihn der Lehrer nicht aus dem Auge verliert, und ihm öfter zum Alleinwirken veranlaßt. Für den bessern Schüler hat diese gemeinsanie Uebung den nicht zu unterschätzenden Werth, daß er gewissermaßen das Amt des Porbcters in dieser „ Gemeinde von Kleinen " zu verrichten lernt, da ihn d.r Lehrer zum Borleien und Borbcten eines bestimmten Gebetes z. B. der rr">’ nr.cr heranzieht. Die ganze Klane muß alsdann mit Thr und Äuge dem - Porgetrageuen und dem Bortragenden folgen. weil jeder Schüler einer solchen Anstorderung gewärtig kein kann. Tie strenge" Jnnehaltung dieses Perfahrens wird sich bald als praktisch und erto'greich Herausstellen und wird man nach längerm Ueben im Stande sein, init den Schülern einen Sd)ritt weiter zu gehen. Was die demnächst folgende, sub 2 bezeichnet»: Aufgabe des Lehrers betrifft, w wird, wenn auch hier Erfolge erzielt werden sollen, an ihn die Mahnung zu richten sein: „Gehe vom Einfachen zum Zusammengesetzten!" Gerade auf dem Gebiete unserer Liturgie wird man diesem Grundsätze gemäß .verfahren müssen, weil cs bekannt ist, welche große Anzahl von (Gebeten in complicirtester Weise unser Gebetbuch enthält, von dem Machsor »abgesehen. Man wird daher von demjenigen Theile der Tcfillah ansgehcn müssen, dessen Zusammensetzung nicht verwirrend auf d»as unwissende Kind wirkt;;. B. das Minchah-Gebet für den Wochentag; ein Beginnen mit de:n Morgengebet würde nicht rathsam sein, weil wir winen, daß schon das Leichte dein Kinde schwer ist. Tie Kenntniß der Aufeinanderfolge der (Nebele muß hier die Hauptaufgabe sein, wenn der Schüler fähig werden soll, dem öffentlichen Gottesdienste folgen zu" können. Lei unsern Uebungen haben wir mit dem Freitag-Abendgoltesdicnste begomicn, weil wir dabei einen doppelt-praktischen Zweck im Auge hatten. Erstens ist dessen Zusammensetzung nicht so schwierig, und zweitens kann der Schüler um diese Zeit am ungestörtesten das Gotteshaus besuchen, das Gelernte sogleich anwenden und der Zweck ist alsdann erreicht.' Als jedoch an die Ausführung gegangen wurde, welche Entdeckung! Der Name Minchah war den meisten Schülern zwar bekannt, aber eben nur dem Rainen n»rch, von einen! Auffinden dieses Gcbetthcils war keine Rede. Wir waren daher genöthigt, Alles anzugebeu. ja sogar, da eie Rödelheimcr Tcfillah eingeführl ist, die Seitenzahl zu nennen, um der gesainiulcn Klasse die Möglichkeit zu geben, Minchah zu beten. War das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.