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Der israelitische Lehrer · 1871-09-20 · 38 (20.9.1871) · p. Seite 274

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
38 (20.9.1871)
Date
1871-09-20
Page
Seite 274 (sequence 2)
Language
German
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274 leiste, was eine solche leisten muß, um jüdisches Leben zu verbreiten und dem Bedürfniffe der Religionsgesellfchaft zu genügen. Exclusiv wird darum die jüdische Schule doch nie werden. Das Judenthum ist nur exclusiv gegen das U n j üdisch e, dem Judenthum starr Entgegenstehende, nie gegen das Nichtjüdische, gegen das, was nicht zu seinem Gebiete gehört, aber auch ihm nicht feindlich gegenübersteht. Nur solchen Schulen, welche dem geistigen Leben des Judenthums entgegentreten, arbeiten auch wir entgegen. Wochenbericht. Ahlen, den 10. August. Tie „Specialconferenz der israelitischen Lehrer des Münsterlandes und angrenzender Kreise" fand am 2. August in Haltern statt. Es nahmen an derselben 22 Lehrer Theil. Am Morgen um 9 Uhr, versammelten sich die Conferenzmitglieder in der Schule. Herr Leiser begrüßte als Lehrer des Ortes in schönen, herzlichen Worten die'Anwesen den, worunter auch der Herr Bürgermeister der Stadt Haltern und der Vorstand der jüdischen Gemeinde, sowie einige Gemeindemitglieder erschienen waren. Herr Leiser gab sodann eine Probelection im Lesen und Rechnen, die jedoch mehr in eine Prüfung überging und zu manchen interessanten pädagogischen und, methodischen Bemerkungen Veranlassung bot. Gegen 10 Uhr begaben sich die Anwesenden zum Versammlungslokale. Seminarlehrer vr. Steinberg wurde per Äcclamation zum Präsidenten, Oppenheim und Kaufmann zu Schriftführern erwählt. Herr vr. Steinberg eröffnete mit einigen einleitenden Worten die Conferenz und man trat in den zweiten Gegenstand der- Tagesordnung, die Lesebuchfrage für unsere Schulen betreffend, ein. Die Commission für diesen Gegenstand hatte sich in die Arbeit getheilt, und referirte ausführlich über die Lesebücher von Lüben und Racke, von Adler, von Jakob und von Horwitz, deren einzelne Vorzüge besprochen wurden. Alle drei Referenten kamen darin überein und alle Mitglieder der Conferenz stimmten bei, daß Realien in trockener Weise durchaus nicht ins Lesebuch gehörren; das Lesebuch solle als solches nicht Lehrbuch sein, sondern mehr die echische und ästhetische Seite ausbilden, mehr die schöne Literatur der Jugend.sein. Nachdem Herr Steinweg aus Rheda die Herstellung eines neuen Lesebuchs für Mittelklaffen, resp. für Kinder von 8—10 Jahren vorgeschlagen, Herr Direktor Kroner das Lesebuch des Münsterbergischen Seminars oder das von Seltsam zur Umarbeitung empfohlen, und noch besonders für die confessionelle Färbung des Lesebuchs eingetreten, insbesondere auch überdie Frage, ob Märchen in das Lesebuch gchörten, debattirt worden, wurde folgende von Steiuweg aus Rheda vorgeschlagene und von Leiser aus Rheine amendirte Resolution angeuommen: „Es solle für die Schüler von 8—10 Jahren em entsprechendes Lesebuch von einer dazu gewählten Commission (Amendement Leiser: „in Verbindung mit Jacob, zum Anschluffe an das Lesebuch für Oberclaffen") geschaffen und der Entwurf der nächsten Conferenz vorgelegt werden." Die Lesebuchcommisfion wurde noch um zwei Mitglieder, Dr. Steinberg und 'Steinweg aus Rheda, vermehrt. Sodann trat man irr den dritten Gegenstand der Tagesordnung „die Petition betreffs der Befreiung der israelitischen Lehrer vom Militärdienste." Es wurde geltend gemacht, daß die israelitischen Lehrer als solche durchaus die Befreiung nicht beanspruchen könnten und da nur den christlichen College» gleichgestell) sein wollten. Wo die Lehrer jedoch zugleich Cultusbeamte und ihre Vettretung unmöglich sei, müßten sie den Geistlichen anderer Confessionen gleichgestellt, zum Wenigsten bei etwaigen Einberufungen berücksichtigt werden. Eine desfallsige Petition müsse jedoch, wie zur Zeit Herr 0r. Philippson und die Conferenz schon hervorgehoben habe, von den Gemeinden ausgehen. Man wolle daher air vr. Philippson die wiederholte Bitte richten, sich der Sache anzunehmen und die destfallsigen Schritte zur Aufforderung der Gemeinden zu thun. — Die Conferenz sprach ihren Tadel darüber aus, daß es Gemeinden gebe, die ihrem Lehrer bei seiner Rückkehr aus dem Felde das Gehalt gekürzt, event. zu kürzen versucht, andere, die sogar ihre Stelle anderweitig besetzt hätten. Man sprach die ticffte Entrüstung über die College» aus, die solche Stellen anzunehmen sich bereit fanden. In den freien Besprechungen wurde des Interessanten aus dem Gemeinde-, Schul- und Lehrerlebeu mancherlei durchgesprochen. Herr Treu empfahl den Lehrern unser gemeinsa-. nies Kind, unsere Unterstützungscasse, die zu hegen und zu pflegen aller Lehrer heilige Pflicht sei, und ermahnte die jünger» College» zum baldigeir Eintritte. Möge diese Mahnung nicht erfolglos bleiben, damit unser schönes Werk feftwurzele, wachse, gedeihe, und Früchte trage für alle Zukunft. Steinweg aus Rheda sprach dem allgemeinen deutschisraelitischen Lehrervereine das Wort. Dieser Verein fand in'der Versammlung vielen Anklang, doch wollte man sich vor dem Eintritte über deffen Statuten genauer informiren. Die Wahl des nächsten Conferenzortes wurde schwer, da vielseitig Einladungen von Seiten der Gemeinden erfolgt'waren, so Neheim, Camen

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