Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1871-09-20 · 38 (20.9.1871) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
38 (20.9.1871)
Date
1871-09-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4896751-5428704-5433832--3537-4899768
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

smelttiselll Iekrer. Wochenschrift für die Angelegenheiten d,es israel. Lehrerstandes. Organ für den Verein „Achawa." 38. Den 2«. «September 1871 11. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher AbonnemnüSpreiS 40 kr. — N>/r Egr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Pe'.üzcile Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Wie die israel. Schule nicht fein soll. (Schluß aus Nr. 35.) Wir habe« c6 noch mit einer andern Klasse sich „israelitisch" nennender Schulen zu thun. ES sind diejenigen , die von jüdischen Gemeinden unterhalten und jüdische Kinder unterrichtend, Geist, Lehre und Leben (Religion und Geschichte) des ZudenthumS aus ihren Räumen verbannt haben in dem eitlen Wahne, die Zeit sei dem Judenthume, wie überhaupt der Religion unb ihren sämmtlichen Lebensformen entwachsen; man bedürfe ihrer nicht mehr. ES ist dies jene seichte NützlichkeitS- und Verstandesrichtung, die nichts werth hält, waS nicht gezählt, gewogen, gemesien und getastet werden kann. Wir haben diese Richtung leider viel mehr unter Juden als unter andern Confessionea zu beobachten Gelegenheit gehabt. Das kommt daher, weil es eine Zeit gab, wo die alte jüdische Schule in grellem Widerspruche stand, (wie wir oben schon von deren Nachbildern in der Jetztzeit sagtm) mit allem, waS vernünftige Bildung heißt; weil man darum in übermäßigem Eifer einer negirenden Zeitrichlang so weit huldigte, daß man das Kind mit dem Bade wegschüttete; weil es eine Zeit gab, wo man sich schämte, Jude zu sein oder zu heißen; wo eS zum guten Ton gehörte, alles was mit Juden und Judenthum zusammenhing, zu verachten, und mit dem Geifer der Gemeinheit zu besudeln. Diese Zeit ist Gottlob im Rückschreiten begriffen (und dieser Rückschritt ist, wie jede wahre raiern, ein Fortschritt zum Bessern) wenn wir im Stande sind, die Zeichen der Zeit recht zu beurtheilen. Wohl gibt es auch im Judenthum oder vielmehr unter Juden eine rein materialistische, alles negirende Part«, neben einer solchen, die jeden Fortschritt, jede geistige Entwickelung haßt und zu unterdrücken strebt; aber das ist da eben so wie in allen Religionen: Hefe, die zu Boden sinkt. In größeren Kreisen laßt sich ein Streben zum Besseren, ein Geist der Regeneration des Judenchums nicht mißkennen. Aber die Richtung der Schule, die wir oben erwähnten, hat auch jetzt noch nicht den Weg gefunden, der sie hinlenkt zum Ideal aller Schulbildung, dem Ideale, das zugleich Fundament und Ziel derselben sein muß. Wohl steht noch wie vor Dwl. Geschichte, Religion und selbst Hebräisch ans dem Schulplan. Aber man trete einmal in die Klaffe, und forsche, wie viel von diesem Unterrichte wirklich in Kops und Herz der Kinder gedrungen, oder auch nur wirklich gelehrt worden ist? Man wolle doch nicht mit dem Borgcben tauschen, der rationellen Pädagogik zu huldigen. Die rationelle Pädagogik will, daß jeder Unterricht, der einmal ertheilt werden soll und muß, religiös wirke. Ein solcher Unterricht aber, der nicht mit ganzem Herzen und mit ganzer Kraft ertheilt wird, entsittticht; am meisten aber muß dies beim Religionsunterrichte der Fall sein, welcher die Basis des sitllichen Lebens sein soll. Daß in vielen jüdischen Schulen der Religionsunterricht wie eine Nebensache behandelt wird, schädigt eben so sehr die Schule, wie die Religion. Man mißverstehe uns nicht. Wir sind jener Schule durchaus nicht abhold, welche als nichljüdische, als confessions- oder gar religionslose Volksschule den Religionsunterricht ganz und gar ausschließt und sich auf die sogenannten profanen Unterrichtsgegenstände beschränkt. Im Gegentheill Wir gehören zu denjenigen, welche diese Schule anstreben, sie als die Schule der Zukunft betrachten und herbeisehnen. Aber, hier haben wir es nur mit der jüdischen Schule zu thun, und nur diese ist der Gegenstand unserer Besprechung. Solche freie Schulen, wie wir sie anstreben, gibtS noch nirgends. Darum müffen wir auch danach trachten, daß die jüdische Schule wirklich eine wahrhast jüdisch« sei im vollen Sinne des Wortes und das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.