Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 32 (9.8.1871)
- Date
- 1871-08-09
- Page
- Seite 251 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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übergeben. Aber die äußere Erscheinung desselben bat viele Wandlungen durchmachm müssen, weil esich dem sittlichen Culturleben, dem Fortschreiten der Menschheit auf seinen Wanderungen aus die Dauer nicht hat verschließen können. Wer aber' eine Geschichte begreifen will, der muß sie in ihren Uranfängen aufsüchrn. Wer daS Leben der Menschheit begreifen will, der muß vor Allem da» Ewige erkennen und begreifen, was die Menschheit cükturfähig macht — die Religion. Die Geschichte der rAigiösrn Ueberzeugungen — sie beginnt und entuickelt sich mit den Anfängen der Bibel. Mag die Wissenschaft Einzelne« in ihr als unhistorisch zurückweisen, Andere« al« sprachlich unverständlich un» unS darum ferne liegend gerechtes Kritik unterziehen, Die» leS als zeitlich und räumlich nur für eine abgeschiedene Volkstümlichkeit geschrieben anerkennen, — daS Bild der religiösen Entwicklung, daS in derselben unS gegeben wlrd, die aus derselben leuchtenden ewigen Ideen bleiben von all dem unberührt. Und daS alte und das neue Testament? Als das jüdische BolkS'hum auf die Neige ging, als die Juden sich zerstreuten auf dem ganzen Erdeurunde, da gab eS Biele, welche die Zeit der Erfüllung bereit» gekommen wähnten, welche, da das Gefäß ihnen zerstört erschien, die Zeit gekommen glaubten, wo daS Judenthum mir dem Heidenthum sich asstmiliren, in die griechische Sitte und Cultur übergrleitet werden müßte. Sie wurden — Christen und ihre Anschauungsweise wurde durchtränkt von heidnischer Elementen, denen sie sich anschlosten in Sprache und Sitte; nur in den Grundlehren und in der Moral blieben sie noch eine lange Weile den ursprünglich jüdischen Ideen treu. Die Bibel wurde diesen Anschauungen entsprechend erweitert, — «S entstand das neue, zum Theil in griechischer Sprache geschriebene Testament. Die große Masse des jüdischen Volkes konnte diesen Bestrebungen nicht, folgen; sie hielten auch ferner fest am Judtnthum mit allen seinen Consequenzkn, weil die Weltlage ihnen nicht den Verheißungen ihrer Propheten von der „Erfüllung" entsprach. Sie nahmen das neue Testament nicht mit auf in den Kanon, hielten am alten allein fest, und suchten es auSzubilden in anderer Richtung; — durch gesetzliche Formen, welche im Talmud niedergelegt sind. Und das 'Christenthum, hat es sich in seiner Aufgabe bewährt? Hat eS die „Erfüllung" gebracht? Seit achtzehn Jahrhunderte bestehend, seit 1500 Jahre fast auf dem ganzen Erdenrunde, bei den civilisirtesten Nationen herrschend, hat eS die Völker in Frieden und Freihett geeinigt? Dies neue Testament, daS die Barmherzigkeit und die Liebe predigt, wie viele Kriege hat es hervorgerufen, wie viele Menschen sind in seinem Namen gemartert, hingeopfert worden? ES hat still zugesehen, wie seine Bekenner sich unbarmherzig und barbarisch einander zerfleischten und stet» nur '.die Gegner" verflucht. E» hat wilde, barbarische Despoten gesalbt und gekrönt, und seine Geistlichen und Pfftrwr sind milgezogen in den Krieg., haben alle Despotien, alle Mastarrirungm, alle» Entsetzen, da» die Menschheit nicht zu fassen vermag, gutgrheißen, ein gesegnet. O, allmächtiger Gott! WaS hat nur da» blattriefende neunzehnte Jahrhundert gesehen; dieses Jahrhundert, in dem daS Christenthum ausschließlich dir Humanität prätrndirt, wie viele der Kriege zwischen Christen und Christen, zwischen Anhängern des .neuen" Testaments? Der erste französische Krieg am Anfänge dieses, Jahrhunderts bis zur glorreichen, Schlacht von Leipzig und Waterloo. wo fast die gznze Christenheit sich einander gegenäberstand, der Krimkrlrg, der dänische Krieg, der italienische Krieg, der deutsche Bruderkrieg im Jahre 1868 und der deutsch-französische Krieg 1870 u. 1871; — Krieg in allen Welttheilen, in allen Jahrhunderten, immer mehr, immer größer und gräßlicher — und das Christenthum herrscht seit fünfzehn Jahrhunderten?^^ daS Christenthum ist die Barmherzigkeit, die Liebe, die Verheißung und Erfüllung, die Humanität? (Schluß folgt.) Wochenbericht. Ober-Ingelheim, den 26. Juli. Wir haben das Vergnügen, mitzuthcilen, daß die Zahl der Beitrittserklärungen zum allgem. deutsch - isr. Lehrerverein die vorbestimmte Zahl von 50 nunmehr weit überschritten hat und wir demnach zur Constituirunz schreiten können. Es haben sich neuerdings angemeldet; Singer in Frankenthal, Freitag in Ladenburg. Re uh in Frensdorf. Wolf Joseph in Lampertheim. Löwenstern in Burgkunftadt, Flankauer in Burgkunstadt. Leeser inLübbekke, Mannsbach inBockenhcim. HeidungSfeld in Eisenach, Levy in Babenhausen bei Schotten, Eck mann in Schotten, Cramer in Gleicherwiescn, Tiefcnbronner in Saarbrücken, Frank in Hechingen, Jacobi in yaigerloch, Kelle r in Birkenau. Wir haben zugleich das Vergnügen, zum erstenmale die Anmeldungen einiger Nichtlehrer mitzutheilcn, welche sich unseren Bestrebungen anzuschliehen bereit erklären. Ehre solchen Ehrenmitgliedern! Es sind dies die Herren: Salomon Rothschild, Kaufmann; Moritz Oppenheimer, Lebküchner und Salomon Kohn, Kaufmann, sämmtlich in Burgkunstadl. Wir werden nun demnächst ein Comitb zur Ausarbeitung eines Statuten-Entwurfs ernennen, und bitten alle Diejenigen, die in dieser Richtung Vorschläge zu machen haben, diese uns bald gefälligst zukommen.