Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 31 (2.8.1871)
- Date
- 1871-08-02
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 243 — sichert, wenn sie der klare und entschiedene Ausdruck des Grundgedankens bleibt, aus dem sie Erwachsen ist. Wir glauben dies, den gestrigen Verhandlungen entsprechend, mit Bestimmtheit Vorhersagen zu dürfen. Der gestrige Tag zeichnete sich durch bedeutungsvolle Beschlüsie aus. Zn der Vormittagssitzung wurden eine Reihe von Anträgen von Joseph Ritter von Wertheimer und vr, Jellinek aus Wien vorgelegt; sie lauten wie folgt: Antrag des vr. Jellinek aus Wien. In Anbetracht, daß die Satzungen der christlichen Confessionen und die Gesetze der modernen Staaten das Verbot der Verwandtschaftsgrade fast noch strenger als das jüdische Eherecht geltend machen, die Ehe als eine sittliche Lebensgemeinschaft betrachten und demzufolge bei der Schließung derselben alles verbieten, was die Sittlichkeit verletzt, erklärt die iörael. Synode in Augsburg, daß das talmudische Ehereät in Beziehung auf Proselyten, welche aus der Mitte des Heidenthums stammen, keine Anwendung auf solche Personen findet, welche auS einer der christlichen Kirchen zum Judenthume übertreten. Antrag des Joseph Ritter von Wertheimer 'aus Wien. Die israelitische Synode in Augsburg drückt ihr tiefstes Bedauern über die während der Osterzeit stattgesundknen Verfolgungen ihrer Glaubensgenossen in Odessa aus, und hegt die Erwartung, daß die kaiserlich russische Regierung Alles aufbietcn wird, um ihre jüdischen Unterthanen zu schützen, da dieselben nach der Lehre des JudenthumS alle Pflichten gegen ihr Vaterland als treue Unterthanen erfüllen. Antrag de« Joseph Ritter von Wertheimer aus Wien. Eine hochverehrliche Synode wolle sich über die Grundzüge einigen, welche den Synodalverhandjungen zur Basis zu dienen hätte«, damit durch Kenntnisnahme der betreffenden Aussprüche den Synodalversammlungen eine lebendigere und allgemeinere Theilnahme erweckt werde. Seinerseits glaubt der Antragsteller den Zweck der Synodal-Versammlungen in der Verständigung über die höheren Jntereffen des JudenthumS und seiner Bekenner zu finden. Solche höhere Interessen legen sich dar in der Anerkennung einer fortdauernden Mission des Judenthums, Träger zu sein der reinen GotteSlehre und Sittlichkeit nach dem Geiste seiner Ueberlieferungen und zur Förderung dieser Mission: Einfluß zu nehmen auf jene Denkgläubigkeit,'welche eine Uebereinstimmung zwischen der überkommenen Lehre und einem werkthätigen mustergiltigen Leben anstrebt, und unhaltbare Satzungen, welche den reinen Lehrbegriff entstellen und das praktische Leben beengen, beseitigt; dann ober auch Einfluß zu nehmen auf Hebung der bürgerlichen und socialen Stellung der Bekenner des JudenthumS, wo immer dieselbe Wünsche auskommen läßt. Antrag deS Joseph Ritter von Weriheimer auS Wien. Die israelitische Synode in,Auge bürg erklärt, daß sie im Geist sich Ein« fühlt und weiß mit der Gesammtheit des jüdischen Volkes, daß sie voll die Fortentwicklung und die Läuterung des JudenthumS anstrebt und für unerläßlich hält, um dasselbe zu kräftigen und auf die Höhe seiner Mission in einer neuen Geschichtsepoche zu versetzen, jede Trennung aber in dm Gemeinden, insofern sie über dir gleichzeitige Existenz verschiedener Gotteshäuser hinausgeht, nicht billigt und die Theilung der Juden in Orthodoxe und Reformer, zwei Bezeichnungen, welche nicht jüdischen ReiligionSkreisen entlehnt sind, in der Geschichte und im Wesen deS JudenthumS aber keine Begründung finden, entschieden zurückweist. Hierauf ward in die Tagesordnung eingetreten und vor Allem daS Referat des Herrn vr. Aub — die Gesetze über die Eheschließung betreffend, berücksichtigt. Herr vr. Aub sprach in seinen lichtvollen und «armen Einleitungsworten zu seinem Referate von der Heilighaltung der jüdischen Ehe überhaupt. Er betonte, wie das jüdische Familienleben in allen Phasen der Geschichte ein reines und sittliches war, daS jüdische Haus ein Hort der Sittlichkeit, wie gerade die Familie dem Juden Ersatz bol für die Freuden, die die ihm fremd gegenüberstehendc Welt versagte. Er betonte hieraus die veränderten Verhältnisse, insbesondere die veränderte Stellung des Weibes in un-" serer.Zeil und knüpfte hieran seine Anträge: Unser alles Testament. *) Als in Nr. 19 des Jahrgangs 1868 diese Zeitschrift (die allgemeine deutsche Lehrerzeitung**) von Herrn W. Herold auS Frankfurt a. M. rinm Artikel unter der Aufschrift „der jüdisch-christliche Religionsunterricht" brachte, der nicht ganz frei war von Vorurtheilm gegen die gegenwärtigen Bekenner deS JudenthumS, glaubte der Unterzeichnete, dem entgegentretm zu müssen. Die Entgegnung erschim in Nr. 7 vom Jahrgang 1869 dieser Zeitschrift. Nr. 22 deffelben Jahrgangs brachte *) Nachdem die „Allg. deutsche Lehrerzeitung" unsere „Entgegnung" auf den bekannten in Nr.27 abgcdruckten Rothenbura'schen Artikel zurückgewiesen, aber zu berücksichtigen verheißen, geben wir sichln diesen Blättern so, wie wir sie jener Zeitschrift einsendeten. Die Red. deS ,Lsr. L." **) Da dieser Artikel für die allg. deutsche Lehrerzeisiina geschrieben ist, so ist immer unter „diese Zeitschrift" hier auch die a. d. L. zu verstehen. >