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Der israelitische Lehrer · 1871-07-26 · 30 (26.7.1871) · p. Seite 237

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
30 (26.7.1871)
Date
1871-07-26
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
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— 237 — uits gibt i» tfolac dessen keine Laien, aber denUaterschicd zwischen Wissenden und Unwissenden, den Unterschied zwischen Gelehrten und Ungelehrten, zwischen Kenntnißrcicken und Kcnntnißlosen kennen wir so gut, wie irgend eine Kirche. Wir leiden unter diesem Gegensätze so schwer, wie inan unter irgend einer Form des Gegensatzes im religiösen L:brn leide» kann. Vollends nun in den letzten Zeilen ist eö leider selten geworden, das, sich religiöse Bildung, religiöse Theilnahme für das Judenthum bei denen findet, welche auf anderen Gebieten der Wissenschaft Gelehrte sind. AuS dem Anfang des Jahrhunderts etwa stammend, all» mählich glücklicherweise sich verlierend, zieht sich ein gewisser Gegensatz hindurch zwischen allgemeiner Bildung und religiöser Wärme für daS Specifische deS eigenen Glaubens. Diese Männer find seltener geworden; wie selten sie geworden sind, konnten wir eben an der geringeren Anzahl der bei dieser Synode Anwesenden, d h. derjenigen, welche keine theologische Prosession haben und doch gelehrte Männer sind, sehen. Einer davon ist u >S in Hrn. Munk entrisien, so das, dcßhalb auch die Gemeinde Glogau nicht wiej der vertreten ist. Das ist so hart und so herb, daß ' fast überall die Salle, die Theilnahme an der Synode, j die Theilnahme überhaupt an den großen und öffent-! lichen Interessen auf zwei Augen — wir sagen bester,! wie aus ein Hw; gestellt ist. (Bravo.) Eine andere; große Gemeinde, aus deren Vorstand ein Mitglied in! der vorigen Synode deputirt war, ist nicht vertreten, eben weil der Verstand außer dem vorigen Gesandten, der nun wirklich verhindert ist. in der großen Gemeinde von vielen tausend Seelen keine zweite Person in der Gemeinde hat geglaubt finden zu können. Der Rabi biner selbst ist im Bade. Gewiß, meine Herren! eS ' mag mancher nöthig haben für Erhaltung sekner Gesundheit, daß er seinen Leib im Master badet. Mir scheint aber doch, daß eine Zeit kommen muß, wenn; rs besser werden soll, daß. für einen Rabbiner es eine : viel wichtigere Aufgabe ist, für diese acht Tage, die i schon Monate vorher verkündet sinr, dahin zu komj men, wo er seinen Geist wieder einmal badet, wo er ■ wieder einmal Erfrischung und Erquickung für sein > Gemüth sucht, wo neu: Kraft ihm gegeben wird für i sein eigenstes, für sein wahres, ich meine für sein Berufsleben. Denn das ist vorzugsweise die Aufgabe, wie mir scheint, gerade der Synode. Eö ist gar nicht gleichgilt'g, ob ein Rabbiner zur Synode kommt, von Jahr zu Jahr, so oft sie eben sich versammelt, oder ob er zurückbleibt. Die Aufgabe der Synode ist es, im Zusammensein der Männer Ihnen nicht bloS neue Beschlüste schwarz auf weiß mit nach Hause zu geben, sondern neue Kraft, neues Leben; and nicht bloß neue Gedanken, sondern neuen Muth sollen Sie mit nach Hause nehmen. (Bravo.) Denn der Muth ist es, der den Herren fehlt; ich muß nochmals wiederholen: Mattherzig sind sie geworden, ihrer eigenen Ueberz-ugung zu folgen. Ran besenken Sie, meine Herren, — es ist ja so natürlich — sprechen wir von menschlichen Dingen menschlich: Zu Hause in der Ge» ineinde, da gibt eS so viele Rücksichten, so viele kleine Verhältnisse, welche verhindern, irgend einen Gedanken, den man selber vielleicht sogar gefaßt hat, auch durchzuführen; daS Leben in der Gemeinde,-der Ver» kehr mit allen einzelnen Mitgliedern, ihren Beziehungen, den kleineren oder größeren Streitigkeiten in den lezislativtzn Versammlungen, Alles dieses drückt und erniedrigt allmählig die Frische deS Willens, die Kraft der That in den Herren. Hier, wo es sich bloS um das Große und Ganze, wo es sich um Gedanken handelt, die gefaßt werden sollen. wo alles aus denjenigen Gesichtspunkten betrachtet wird, dis weit erhaben sind über die klein.» Gegensätze innerhalb der Gemeinde, hier sollen wir uene» Math schöpfen und zurückkehren :ui: erfrischter Kraft, alles Klein: und alle» Kleinliche, alles Gewohnt: und alles Gewöhnliche, „in wesenlosem Scheine" li.g: eS hinter uns. wenn wir hier daS Allgemeine der Gerank » in Berathuug ziehen. (Braso.g Ja der That, cs war meine Meinung, als ich die'Stimmung der hoben Versammlung in Leipzig gesehen Halle, e» wäre die Synode dazu berufen, daß di: Männer von H.tzt za Hut sich versammeln, wenn auch keine dringenden, nothwendigen Fragen etwa zu beantwort: > wären, auch wenn nicht gerade Probleme in der Luft schweben, die der Lösung harren, sondern bloß, dag di: Männer el:ander erscheinen, daß sie an der Stelle sind. wo ne.sich erbeben über das Gewöhnliche, daß sie erscheinen auf jenem ausgezeichneten Berge (Har dag eine Art von Wallfahrt in neuer 3:it uiio neuere n Geiste sich bilde; daß man zur Syuore komm', uu dort von Neuem daS Fest der Angehörigkeit, der Einheit uad Einigung im Geiste zu feiern. Wahrlich, die Synode sollte ein solches Zion sein, ein solcher ausgezeichneter Ort, zn dem man wallfahrtet, um frisch und lebendig und freudig wieder zu empfinden, daß man hier an der S.ätte wahrhafter geistiger Vereinigung sich zusammen finden kann. (Bravo.) Aber freilich, die Gemeinden verlangen und auch viele von de» Herren, die Berathungen, die Verhandlungen müßten praktisch sein. Nun ja, was heißt „praktisch"? Meine Herren! In allen Dingen uno in religiösen zumeist — je idealer, desto praktischer. Wer Getreide auf seinem Boden hat und recht praktisch eS verwerthen will, der wird Mehl daraus machen uad! Brod backen, das ist gewiß praktisch. Vergleiche vaj mit: wenn ich daS Korn in die Erve lege und bis! ins nächste Jahr auf WachSthum warte, das ist soch j unpraktisch. Meine Herren! Wer so praktisch ist, der

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