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Der israelitische Lehrer · 1871-07-26 · 30 (26.7.1871) · p. Seite 235

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
30 (26.7.1871)
Date
1871-07-26
Page
Seite 235 (sequence 3)
Language
German
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— 235 — die echte Zugehörigkeit zu ihr. In der Deputation der Vorsteher von Seite der Gemeinde zur Synode zeigt sich ihre wahrhafte Theilnahme für dieselbe. Deshalb beklag,n wir es, müssen wir eS beklagen, daß nicht, wie wir damals, wenigstens viel von nnS, meinten hoffen zu dürfen, von Cynodalversammlung zu Cynodalversammlung müßte die Zahl beträchtlich steigen — sie ist nickt gestiegen! Wer von Ihnen, meine Herren, in Leipzig war, wird mir, glaube ich. beistimmer, daß die ganze Art, wie wir unö dort gefühlt, wie wir uns dort, wie wir unser Denken und Berathen uud Zusammense!» angesehen haben, etwas festliches hatte, wie wenn wir zu einem Festtage zusammengrkommen wären, und nicht zu einer Arbeit! | Qi war die paradiesische Unschuld, als ob da draußen alle nur darauf harrten, welche Töne herausklingen werden aus dem paradiesischen Leipzig! Wir sind aus diesem Paradiese vertrieben. Meine Herren, wir haben gesehen, daß die Gemeinden nicht dazu jauchzen, was wir gesagt haben, nicht darauf harren, waS wir sogen werden, sondern gar arg nach dem Worte der Propheten zeigt sich, daß „daSHerz fett geworden ist und dumpf . das Ohr und stumpf das Auge." Man hört nicht nach uns, man sieht nicht nach uns in dem Maße wie man sollte, weil daS Herz eS nicht gefaßt hat. > (Bravo!) Darum nicht mehr die festliche Stimmung ist es, aber die Arbeit, die uns ruft. Deshalb etwa die Hand in den Schovß legen, deßhalb etwa keine | zweite Synode halten, weil die Anmeldungen und An»! rrgungen nicht in dem Maaße kommen, weil die Gemeinden sich nicht so willig zeigen, als sie sollten?; Im Gegentheil. Nicht mit der Freude gehtS vielleicht, nicht mit dem Jubel, nun denn, mit der Arbeit! Die zweite Synode hat vorzugsweise sich darin zu bewähren, daß sie eö sich zur Aufgabe stellt, die : Anerkennung zu erringen. (Bravo!) Schwerer hat ste eS, als die erste, aber desto freudiger soll sie daran gehen. „Dienet dem Herrn mit Freude." ES fehlt aber wahrlich auch nicht an Aufmunterung, die unö geworden ist; eS verbietet sich aus mancherlei Rücksichten deS Taktcs, daß ich Zhnen Stimmen vorführe, welche uns von außerhalb deü jüdischen Kreises über feie- Synode zugekcmmen sind. LcsenSwerthe Worte, meine Herren! Zeugnisse encS ungemein tiefen Verständnisses, von dem, was sich in Israel vollzieht. Ist das etwa zu seltsam, ist hier etwas Unbegreifliches, daß nnS von christlicher Seite < Urtheile über die Synodalverhandlungen zukommen, i welche rin besseres Berständniß zeigen, als wir selbst bei manchen von unseren gelehrten und ungelehrten Herren Journalisten finden? Nein, eS ist nicht unbegreiflich, dmn darin hat eS seinen Grund: eS ist unleugbar, daß jetzt durch die Welt ein großer kräftiger Zug religiöser Bewegung geht, ein Zug, der desto größer und kräftiger ist, je gewaltiger die Anspannungen der Kräfte aus beiden Seiten 'sind. Diejenigen nun, die von dieser allgemeinen geistigen Bewegung der religiösen Ideen in unserer Zeit etwas.begreifen, die begreifen sie auch in Bezug asts jede einzelne Religion; die aber nur auf ihren eigensten und kleinsten Kreis sehen, bei denen erfordert cs eine viel tiefere Hingabe und eine viel genanere Kenntniß und eine viel hellere Erleuchtung, daß sie das Wesen dieser Bewegung auch nur im eigensten Kreise verstehen. Mancher von uns kanu besser die Bestrebungen, die Ziele, die Hoffnungen der Bewegungen in anderen Kirchcn wabrnehmen; wie auch umgekehrt wir deutliche offenbare Stmmen in ähnlicher Weise über die ersten Svnode in christlichen theologischen und nicht tbeologischew Werken gesunden haben, die ein tiescs Berständniß bekunden. Es verbietet sich mir, Ihnen etwa eine ganze Stelle vorzulesen, von einem Manne geschrieben, der in diese»! Augeblicke den ersten Rath seines Landes als Präsident leitet, der als Cnltusministcr seines Landes über 20 Jahre thätig gewesen ist. welcher eine lange Auseinandersetzung über dirse Bewegung innerhald des Judenthuniö einleitet mit den Worten: „Wie hoch haben die Weife» Israels in diesen Tagen sich erbeben u. s. w." Aber nicht bloS die Stimmen von außen her, in unserer Mitte selbst, haben wir vortreffliche Zeugen und Zeugnisse dessen, wie diese Synodal- Berhandlungen gewirkt haben außerhalb des Kreises, der in Leipzig versammelt war. Die neuen Mitglieder, welche ich mit diesen Worten hier neu in der Synode begrüße, sie sind für uns das vollgütige, weil durch die That bewährte Zeugniß, daß sie der Meinung gewesen sind, eö sei doch Pflicht, vielleicht sogar es sei doch ein Recht, vielleicht sogar eS sei doch ein beglückendes Heil, zu einer Versammlung zu gehen, von welcher man hofft, daß sie zum Heile deS JudenthumS berathen und beschließen werde. t.Sehr gut.) Und auch an Gemeinden hat eS nicht gefehlt; mein verehrter Herr College zur Rechten, unser 2. Herr Vjcepräiident, wird Ihnen berichten können,'.wie doch die Synodalversammlungcn in Wien gewirkt haben. Keinem von Ihnen dürste die religiöse Bewegung in der Wiener Gemeinde vom letzten Jahre ganz entgangen fein. Nickt als ob man anf die Autorität der Synode als solcher absolut fußend, dort Veränderungen im Cultus hätte vormhmen wollen; aber es war doch erfreulich zu sehen, wie man die Synode als das betrachtete, was ste in Zukunft für die Juden zu sein berufen nnd berechtigt ist, als den Schild des Vertrauens. Wo der.Streit in der einzelnen Gemeinde ist, wo er meist auf wenig Köpfe, sagen wir es auch, auf wenig Zungen gestellt, da kommt es gar wesentlich darauf an, daß man Hinweisen kann auf eine

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