Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 30 (26.7.1871)
- Date
- 1871-07-26
- Page
- Seite 234 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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234 - legaler Kenn über öffentliche > Wohl abzehandelt wird, sondern auch in jenen stillen Kammern, wo der wahrhaft tiefste Rath für Mensch rnwohl gepflegt wird, va nämlich, wo der Geist arbei et in der Form der Wissenschaft, in der Form der S Mdjtung, in der Form der Kunst, auch da geschieht eS, daß die jüdischen Einwohner des Landes sich wohl füjlen; auch da geschieht eS, daß sie, die in der Tbat au h Zurückgebliebene waren, — zurückgeblieben, nachdem i n europäischen Abendlande neue Blüthe der Cultur ems vrgekommen war, — zurückgeblieben um etliche Ja! »rhunderte, das bekennen wir frei und offen, froh sin», gehört zu haben auf den Ruf: Vorwärts! Aber auch das genügt uns noch nicht; das ist nicht daS Volle, daß wir bloß in der politischen Thätigkeit, daS ist nicht das Ganze, daß wi: bloS in der geistigen Arbeit für die allgemeine Culnr verbrüvert, verbündet find mit den übrigen Bürge:» des Vaterlandes, sondern, daß wir in unseren «igenen Angelegenheiten, in denen, worin wir spezifis b sind und spezifisch bleiben wollen nnd bleiben müssen, wenn wir wahrhafte Treue bewahren, Treue cnch uns selbst. Treue den Ideen, in denen wir e, zogen, von denen unser Her; erwärmt, unser Geist erleuchtet ist, Treue, die nickt und Nichts Verleugner mag — ich sage, daß wir für unser-Eigenes. für's Judenthum als solches, für unsere großen jüdischen Angelegenheiten ebenfalls bei unfern Mitbürgern Th ilnahme finden. Können wir sie schöner finden, als hier im goldenen Saale von Augsburg? Ich glaube die Meinung des hohen RatheS richtig zu deuten, w!nn ich annehme, er habe uns diese Wohnung dargebl ten, um darin die Synodalversammlungen abzuhaltm, weil er vorausgesetzt hat, ee werde auch dieser Versammlung Devise sein: Vorwärts! aber vorwärts n it Gott! (Bravo!). Uno nun, hochgeehrte Versammlung, in meinem eigenen Namen. Wie soll ich es aursprechm, was i-> so tief empfinde, so hoh schätze, daß Sie nicht bloß von Neuem mir die h rhe Ehre erwiesen haben, mich ru Ihrem ersten Präsi »enten zu wählen, sondern, daß Sie auch in so freun »sicher und wohlwollender Weise es vollbracht haben. Wer bester, als ich, könnte die Schwere des 2ti nts fühlen, daS ich nun schon einmal geführt habe, wer bester, als ich, erwöge die Fülle der Verpflichtung m, die vollkommen zu erfüllen fest an die Unmöglichkeit gränzt! DaS liegt nicht blos am Präsidialges chäfte allein, sondern daS liegt daran, weil das Ge!chäft der Synode ein so überaus schwieriges ist, eit Gegenstand, der fortwährend auf der feinen Linie zwischen Geist und Herz sich bewegt, eine Sache, die überall eben so sehr vom Gefühle ergriffen sein will, wie vom Gedanken. Eine solch« Sache ist sehr schwe: in DiScussion zu bringen, eine solche Sache ist zu flüssig, um in die feste Form des Wortes sich so bald zu begeben. Und doch soll der Präsident wacheu über die schwankende Nitur . des Wortes! Meine Herren! ich brauche Ihnen kein! Versprechen zu geben, wie es mein Wunsch und Wille ist, Ihre Versammlung zu leiten. Halten Sie sich daran, daß eS mein ernstliches Bemühen ist, in derselj ben Weise fortzufahren, wie wir in Leipzig begonnen. Dort hatte ich mich in einer ganz ausgezeichneten Weise der Unterstützung der Versammlung zu erfreuen, deren ich überall bedarf. Ich darf an solche Thatsachen erinnern, weil das für die Leitung der Geschäfte sehr charakteristisch ist, daß es nicht ein einziges Mal bei schwankenden, sehr schwankenden Abstimmungen erforderlich geworden ist, einen Namensaufruf vorzunehmen. Ich darf ferner daran erinnern, um damit zu gleicher Zeit mein Versprechen, wie ich auch diesmal die Verhandlungen leiten möchte, auSzudrücken, daß ich nicht ein einziges Mal in sämmtlichen Sitzungen, wenn sie die Verhandlungen darauf ansehen wollen, von dem Rechte de» Präsidenten Gebrauch gemacht habe, vor dem Schluffe der Debatte ein Resumö zu geben. Ich durfte mich der eigenen Rede wohl enthalten, weil ein so hohe» Maaß von Aufmerksamkeit offenbar die Versammlung belebte, weil ein so vertrauensvolles, friedliches Entgegenkommen im Aussprechen der verschiedenen Meinungen stattgefunden hatte, daß alle» Einlenken oder 1 Aufrufen, alles Zügeln nrder Antreiben durchaus unnöthig war. Mit derselben Zurückhaltung, und da» brauche ich ja wohl nicht zu sagen, mit demselben , Streben nach Unparteilichkeit werde ich Ihre Der- sammlung leiten. Nicht bio» als der neue Prästvcnt, sondern und vielleicht vor Allem, in meiner Eigenschaft als dyr Präfivent der vorigen Synode, als Vorsitzender der Berufungscommisston, fahre ich damit fort, zunächst eine Art von Rückblick, auch eine Art von Rechenschaft, zu geben über die Beziehungen, welche zwischen dieser Synode und der vergangenen stattfinden. Meine Herren! ich leugne es nicht; ein Gefühl tiefer Wehmuth beschleicht mich, indem ich auf Sie blicke, ein Gefühl tiefer Wehmuth beschleicht mich, wenn i ich zurückblicke auf die Stimmung, welche zu Leipzig! gewaltet hat.. Wir, sind nicht mehr in der Lage, in ' der wir zu Leipzig waren. Da» will nicht viel sagen,! meine Herren, daß die Anzahl der zur Synode ^Deri sammelten kleiner geworden ist. ES ist eine alte Ueberlieserung über den höchsten Wahlmodus in Israel, über die Wahl, welche die Vorsehung vorgenommea hat, um einem Volke das GlaubenSleben vorzugsweise ans Herz zu legen: „Nicht wegen Eurer Vielheit hat er euch erwählt;" nicht auf die Vielheit wahrlich kommt es an i (Bravo!) Aber, meine Herren, in der Wiederkehr zur Synode, nachdem man einmal dort gewesen ist, zeigt sich