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Der israelitische Lehrer · 1871-07-19 · 29 (19.7.1871) · p. Seite 230

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
29 (19.7.1871)
Date
1871-07-19
Page
Seite 230 (sequence 6)
Language
German
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230 — lratirn zu Gott als treuer Verwalter seines Hauses Tranen zu «erneu. Di« Geschichte ist die best« Lehrmeisterin und Facta sind wnt eindringlicher auf daS zarte kindliche Gemütb, ei S nackte Lehren. Diesen großen MoseS näher kennen, chm von feiner Geburt dir zu seinem Abgang von. dem Schauplatz der Welt zu folgen, seine wichtigsten öebenSmomente zu beobachten, seine Tugenden zu ve lehren — bleibt ein nützliches Werk für jeden Relig onSlehrer und ein wichtiger Zweig eines gedrihliö»en Religionsunterrichtes. DaS Kind bereichert sich a:i geschichtlichen Wahrheiten. die Tradition faßt feste e Wurzel, manche dunkle Stelle erleuchtet ein wchlthrender Strahl, Moses Tugenden erwecken Nachahmung, und der heimlich schleichende Spötter zerschellt an der kräftigen Zeder Libanons. So verfolgen wir also in kurzen Abrissen einer gedrängten Biographie Mose«. Wir legen die Bibel K Grunde und benützen die Quellen treuer GeschichtSreiber. Es bleibt eine unumstv «liche Wahrheit, die allen feindlichen Angriffen einer All«S bckrittelnden modernen Afterphilosophie und eim r sophistischen Kritik wohl bepauzert entgegen tritt, daß Moses unser Gesetzgeber, nnser größter Wohlihäter ist. Ihm verdanken wir die ersten, ältesten und authentischen Nachrichten von der Urwelt. Wie seine Erhaltung, seine Schöpfungen, sein Anfang und sein Ende l aS Gepräge höherer Wallung, das Bild sichtbarer @ Mid feit an sich tragen, ist es schon Wunder genug, aienn die in der alten Welt berühmten Denkmäler der erleuchtetsten Nationen des höher« AlterthumS fast gänzlich r ersä wunden sind, dagegen die ältesten Schriften der Ar fangS unberühmten, einzigen hebräischen Nation die Zeit und die heftigsten Stürme, die sie überfluthct hc den, überlebt haben. MoseS ist der Träger unserer Geschickte, und seine Nachrichten reichen bis an die Witge dcS ganzen Menschen, g-schlechtS. Seine Nachricht n reichen weit über seine Geburt hinaus, zu manckfaczen Merkwürdigen Ereignissen hin, die zum Thcil nebrere Tausend, theilS mehrere hundert Jahre vor hm vorgefallen sind, von d'nen MoseS nicht als Zeuge^ sondern als Referent sprechen konnte. Und woraus referirt er unS? aus — unmittelbaren Eröffnung« r Gotte«. Die historische Kritik muß ihn mit dem Urtheil eines Mannes von uneingeschränkter Ehrlichkeit unb Aufrichtigkeit bescheiden, der ein Volk und dessen Nachkommen durch die naturgemäßeste, vernünftigste Verfassung, durch die erleuchtetste Gesetzgebung von allen Jrrthümern heilen, von aller Verführung entfernt halten, der sie als Weltbürger nützlich und glücklich machen, und durch di« reinsten Begriffe von Go«t für ihre Zukunft, den Himmel, heranbilven will. MoseS, von Amram unU Jochebeth abstammend, gehört dem Stamme Levi zu. Seine Geburt fällt um das Jahr der Welt 2434. Wenn es im 2. Buch Mose» heißt: Jochebeth 'is> ra, wäre eS ganz gegen die Chronologie „ Tochter LevisM zu übersetzen, sondern „auS dem Hause oder Stamme Levis." Er ist in Egypten geboren zur Zeit, da ein Ausländer-von Geburt, ein Aethiopier, Pharao,, AmenopteS oder Amönophis II oder schlechtweg Meinnon genannt, dem die Vermehrung de» jüdischen Volkes bange machte, den grausamen Befehl erließ, alle israelitischen Ki äblein dem Wasserlode zu übergiben. Durch die Ertränkung im Ni« sollte MoseS seinen Tod gleich den übriaen finde». Drei Monate wagten es die bangen Eltein, ihn vor diesem schrecklichen Tote z«« bewahren, aber länger konnten sie iln nicht den spähenden Blicken der Egypter entreißen, und so entschlossen sie sich mit bangem Herzen, dock von der Hoffnung ermuthigt, daß Gott, über daS Knäblein wachend, ihn erhalten könne, das Knäblein auszusetzen. Die erfinderische Zärtlichkeit der Mutter flocht Körbchen auS Rohr, und legte daS Knäbchrn hinein, sorgfältig verwahrt gegen das Eindringen des Wassers durch Bestreichung mit Harz und Pech. Die Geschichte weist unS nach, daß die Egypter in Ermangelung des HolzeS Körbe oder Schisflein aus Papyinö flochten, und diese vor dem Eindringen des Wassers bald durch Tbierhäute, bald durch Pech verwahrten. Mit diesen Kähnen setzten sie über Flüffe. So mag auch das Kähncken Mosis beschaffen gewesen sein. Dieses Sckiffcken setzte die sorgsame Mutter Jochebeth ans Ufer des Ml, der mit Sckilf oder Meergras, hebräisch «yD, egyptflch Sari, stark bewachsen war, nickt weit vom Wege, der die egyptische Therwutis gewöhnlich zum Bade führte. MoseS Schwester Mirjam stellte sich von ferne, um daS Schicksal ihres geliebten Brüderchens zu beobachten. Die über Alles wachende Vorsehung lenkte die Bl cke der Prinzetsin ans daS Schifften. Sie befahl ibrer begleitenden Sclavin, dos Schiffchen zu holen, öffnete es, und der darin schmachtende Knabe erregte durch sein Weinen ihr Mitleid. Die lauernde Mnjam gewahrt das Zartgefühl der Prinzessin und erbot fick, ihr eine hebräische Amme zu holen. Mit leichten Schritten, vom Hoffnungsstrahl getragen, eilt das. Mädchen zur Mutter, und diese umscklo't mit mütterlicher ZLnIickkrit ihr Knäblein und drückte ean ihre sorgsame Mutter-Brust. Nun war die glückliche Mutier sicher vor den pbaraonischen Würgengeln, und Moses brachte seine ersten Jahre im elterlichen Hause zu. Nach seiner Entwöhnung, — die Geschichte läßt unS ungewiß, in wrlchem Lebensjahre dies geschehen — wurde MoseS seiner Retterin, der königlichen Prinzeß, zmückgebracht. Gesckichtlich wird unS gesagt, daß die Hebräerinnen ihre Kinder erst mit 3 Jahren entwöhnen; gewiß mag eS deßhalb sein, daß

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