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Der israelitische Lehrer · 1871-07-12 · 28 (12.7.1871) · p. Seite 221

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
28 (12.7.1871)
Date
1871-07-12
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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— 221 — Wie ich es soeben kurz versuchte, «ine Philosophie des Anschauungsunterrichtes anfzustellen, so hat die Zukunftspädagogik eiire Philosophie aller Unterrichtszweige aufzustellen. Die Zukunftspädazogik. aus die ich eben,o zuverfichllich hoffe, wie Richard Wagner auf seine Zukunftsmusik. mutz sich klar über Uyache und Wirkung werden, sie mutz ebenso bestimmt von Erfolgen reden können, wie der Mathematiker von der Eonzrucnz der Dreiecke. Dann, aber auch nur dann, wären wir glücklich aus dem Experimentiren heraus, und der Pädagog erzwänge sich dann einen Rang und eine Anerkennung, welch« chm zwar heute schon gebühtte, aber die ihm zu versagen , man sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint. — Indem ich Vorstehendes der Prüfung meiner geehrten Herren College» mittheile, fühle ich mich noch zu einigen Schlutzbemerkungen veranlatzt. Ich habe versucht, den Anschauungsunterricht von einem höhchm idealen Standpunkte aus zu erfassen. Wie schwer es aber ist, von dem genannten Standpunkte den Anschauungsunterricht zu behandeln, ist mir nainentlich bei Niederschreibung dieser Zeilen klar geworden. Vieles, was ich verlangte, besteht vielleicht nicht die Feuerprobe der ruhigen besonnenen Prüfung; manches erscheint wohl gesucht, unnatürlich und unausführbar. Der Eine ödere andere vermitzt vielleicht eine reifere Erfahrung und tadelt meine Kühnheit der Behauptung und Forderung. Diese mögen Recht haben, denn ich fühle selbst die Unvollkommenheit meiner Darstellung, die schwache Begründung vieler Ansichten und Forderungen recht lebendig. Doch wird, man die Fehler und Unrichtigkeiten meiner Ansichten nicht unbegreiflich finden, wenn man ineine geringe Erfahrung und die grotze Mangelhaftigkeit der vorhandenen Vorarbeiten über den Anschauungsunterricht erwägt. Mit grotzcr Mühe habe ich aus den verschiedensten Werken das Material zusammensuchen müssen. Da ich nur Meine persönlichen Ansichten über den Anschauungsunterricht mittheitte, so bin ich weit entfernt, weder die Ansichten Anderer zu widerlegen, noch meine Ansichten aufdrängen zu wollen. Ich ehre vielniehr jede andere, bessere Ansicht, wenn sie nur günstige Resultate hcrvorzubringen im Stande ist, und bin weit entfernt, in meinem Lehrgänge und nieiner Methodik des Anschauungsunterrichtes allein das Arkanum eines fruchtbaren Unterrichtes in diesem Unterichtszweige zu erblicken. Es genügt mir schon, wenn ich nur die Aufmerksamkeit nieiner geehrten Standesgenvjsen auf den Anschauungsunterricht gelenkt habe. Uebertroffen würden meine Erwartungen noch, wenn sich vielleicht der eine oder andere ^meiner gechrten Standesgeiwjsen veranlatzt sähe, meine Methode des Anschauungsunterrichtes in seiner Schule prattisch zu prüfen und das Ergebnitz gelegentlich mittyeilte, damit das Unklare klarer hervortrete und das Fchlerhafte beseitigt werde. _Schlretzlich sei mir noch erlaubt. einige der besten Hülfsmittel für den Anschauungsunterricht anzugeben. 1) „Gratzmann, Anleitung zu Denk- und Sprachübung. Berlin 1634 (V/t Thlr.) 2) „Harnisch, erste fatziiche Anleitung zum vollständigen sprach- und Anschauungsunterricht. Breslau 1869 (25. Sgr.)" 3) „Diesterweg. der Unterricht in der Klein-Kiuderschule. Bielefeld 1645 ('/, Thlr.) 4) „Nacke, Weltkunde als AnschauungS- und Sprachunterricht. Leipzig 1846. (9 Sgr/') 5) „Denzel, Anschauungsunterricht. Kursus des dritten Thciles seiner Einleitung. Stuttgart, 1828 (25 Sgr.") 6) „Krause, Versuch planmätziger Denkübungen 1. und 2. Kursus ('/, Thlr.") 7) Zerrenner, Denkübungen lk Thlr.") Derselbe, ein HülfSbuch für Lehrer bei den Denkübungen (Vr Thlr.") 8) „Schrank, Bilder für den Anschauungsunterricht in Lieferungen zu 10 Sgr.") 9) Wille, 16 Bildertafeln für den Anschauungsunterricht. Berlin 1839. Schwarz 17'/, Sgr. colorirt 1'/, Thlr. Anmeldungen zur israelitiichen Synode io Augsburg. Herr Samuel Marcus aus Bukarest; Rabb. vr. Wassermann aus Mühringen; Prof. vr. F ü r ft aus Leipzig; vr Jacob Auerbach aus Frankfurt a. M. 1 / Wochenbericht. Aus Unter franken, im Zuni. Nach einem Berichte aus Odessa vom 17. d. Mts. in der allgemeinen Zeitung hat die Regierung 176 Israeliten türkischer Staatsangehörigkeit auf Vorstellung des Gesandten der Pfvrte mit 100,000 Rubeln für den durch den rohen Pöbel erlittenen Schaden entschädigt. Hoffen wir also, datz auch unseren russischen Glaubensgenossen Schadloshaltung für den grotzen Raub an Haus und Gut und Lebe» gewährt werden wird. Nach einer neueren Mitthcllung sind über 100 Menschen einzezogcn worden, welche sich. an den Unruhen betheiligten und sehen die meisten wohl schweren Sttafen entgegen.

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