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Der israelitische Lehrer · 1871-07-12 · 28 (12.7.1871) · p. Seite 219

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
28 (12.7.1871)
Date
1871-07-12
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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— 219 — Kirre Hnlgegrmng auf de« Artikel: „Knser altes Testament"*). Hochgeehrter Herr Redacteur! Etwas verspätet kommt mir diesmal Nr. 15 Zhrer geschätzten Lehrerzeitnng in di, Hand, wobei mir alsbald ein Artikel »Unser alteS Testament" sofort in die Augen fällt. Daß mich nun solche Ueberschrift in Jbrem Blatte anlockt, werden Sie um so natürlicher finden, als mir Ihre humanen und verföbnenden Grundsätze IheilS aus Ihren Schriften und theils aus Ihren Reden wohlbekannt find. Doch voller Staunen und Befremden fragt« ich mich gleich darauf: wie ist'S möglich, daß eine Redaktion de« gedockten Schulblattes, daß ein Direktor Berthelt solch ab/ geschmückten und unsinnigen Behauptungen, wie skr der erwähnte Artikel aufstellt, in seinem Blatte Raui^i gestatten kennte? Es kann mir indeß nicht rinfall,n, dem Derfafier drffelben, dem Herrn R. nach Gebühr zu dienen, mag er in seinem Vorurthrile, in seinem Haste gegen Zuden und Iudenthum beharren bis an'S Ende seiner Tage; (die Tausende von Jahrenf, nach welchen der Richter über den rechten Ring zu entscheiden fich Vorbehalten hat, find ja noch nickt vorüber, und der falsche Eifer und die aufgeblasene Bornirtheit will die schranken der mit Gewalt übersckreiten) allein obgleich er das Wort Wahrheit so oft im Munde führt, so scheinen ihm thatsächlick die ersten Borbegriste zu jeder Wahrheit zu fehlen. Ich weiß mich deS Klingenstein^cken Artikels nicht genau mehr zu entsinnen, aber soviel weiß ich noch, daß er maßvoll und korrekt gehalten war. Aber wenn Herr Hotbenburg bei seinem Referat, wie eS scheint, nur den Zweck *) Aus der allgemeinen deutschen Lchrcrzeitung, der in voriger Nummer erwähnte Artikel. Der Name des geschätzten Verfassers ist uns leider unbekannt. Unser Aritikel wird folgen.^ Die Redaction der allg. deutschen Lehrcrzeitung macht birrzu folgende Bemerkung: Der Herr Vers, bittet uns, diese seine Zuschrift unverkürzt im unserm Blatte wiederzugebrn. Indem wir seinen Wunsch erfüllen, können wir aber doch nicht unterlassen, zu dem eiten, daß wir in dem Aufsatze des Herrn Rothenburg weder Haß gegen die Juden, noch Haß gegen dasJudrntbum, sondern nur eine Darlegung semer und seiner angeführten Gewährsmänner Ansicht über den Werth des alten Testaments für die christl. Reliaionslehre gefunden haben. Ebensowenig können wir unterlassen, zu bedauern, daß der geehrte Briefsteller sich nicht mit einer objektiven Auffassung der Sache begnügt, sondern den Boden des Persönlichen betreten hat. Dieser Umstand würde unS abgehalten haben, den Brief zu veröffentlichen, wenn wir nicht fest überzeugt wären, daß Herr Rothenburg der Entgegnung die müdeste Beurin dieser Beziehung wird zu Theil werden laffen. Di« Red. vor Augen gehabt hat, daS A. T. au« den christlichen Schulen zu verbannen, jo kauu daS jedem ZSraelitea ganz gleichgiltig s-in — objektiv geht man dabei ja dock nickt zu Werke — zudem ist diet Sache der maßgebenden Behörde. Za, ich.will eS geru zugestehen, daß man zum frommen Christen gemacht werde« kann, ohne auch nur eine Silbe A. T. zu miste«, aber wir Juden bürden der Ehristenheit auch unsere Literatur nicht cuf, ebenso wie wir auch ohne das N. T. bisher fertig geworden sind und auch ferner fertig zu werden wisten. Die Methode des A. T. ist verschieden von der deS N. T., aber letzteres gewinnt auch nicht um ein Zota dadurch, daß man ständig und stet« das erstere in so plumper, gotttrSlästerlichrr Weise herabzusehrn sich bemüht. DaS Zudenthum wurzelt und gipfelt in wohlbezeichnetev Schriftstellen: 1. B. M. ft. 1, B. I. — 6. B. M. 6, 4. - 2. B. M. 3, '4. — 2. B. M. 34, 6 u. 7. — Spr. 3, 12. — ftlogel. 3. 23. — Hab. 1, 13. — Zes. 6, 3. — 3. B. M. 19. 2. — 1. B. M. 1, 26 und 27. Pred. 12. 7. — Spr. 23. 18. — Zes. 58, und 8. — Zes. 55, 7. — ZecheSk. 33, l l. — 5. 7 B. M. 24, 1«. — ZecheSk. 18, 20. Die 10 BundrSworte: 2. B. M. ft. 20. - 2. B. M. 20, 18. - Spr. 24. 29. ebendas. 25, 21 und 22. — 2. B. M. 23, 4 und 5. — Zes. 60, 20. — Zeph. 3, 9. — Micha 4, 3 und 4. — Zes. 11, 6 und 9. — Sech. 14, 9. Sehr stark muh if, indeß bezweifeln, daß Herr R. auch nur eine Ahnung von einem -richtigen jüdi-! scken oder christlichen Bewußtsein hat;/sonst würde er . sich nickt so sehr darin gefallen, den Gott de« soge-! nannten alten Bundes einen Mcnjchrn- oder Dölker- ' frester zu nennen, da es doch derselbe Gott ist, der; so oft sprach: »Zhr seid Kinder des Ewigen eure- : GotteS" und den der Stifter der christlichen Religion ' so innig als Vater anruft. Und wenn ferner daS! Christen! hum, wie Herr R. in feiner negativen Weise j meint, dem Eddalied und der griech. Götterlchre näher steht al« dem Zudenthum, so liegt die Frage doch nahe: warum beziehen sich denn die Evangelisten und alle Schriftsteller de« N. T. fast bei jedem Ausspruch auf die Kernsprüche des A. T.? Die Stellen, die der Herr anzufübren sich bemüht, bilden das Unwesentlichste vom Wesen deS ZudenthumS. So sagte Herr R.: »Gott habe die J«r. vor ihrem AuSzuge aus Aegypten zum Diebstahle angeleitet." Wenn' dieser Schristgelehrtrr ober daS geringste Dzrständniß vom Worte scbaal bitte, so würde er diesen alten verrosteten Unsinn nicht nachgeschwätzt haben. Die Israeliten sollten sich vor dem Auszug Geschenke erbitten für ihre lange lange unschuldig erduldete Sklaverei. Wenn Herr R. und Konsorten so Herr der Situation unter einem Barbarenvolke gewesen wären, wie die IS» 1

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