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Der israelitische Lehrer · 1871-07-05 · 27 (5.7.1871) · p. Seite 214

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
27 (5.7.1871)
Date
1871-07-05
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
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— 214 — voller. Nickt, daß wir damit eine fernere Ausbildung und Crkräftigung derselben nicht sür uöthig hielten; aber sie sichert bereits den betheiligten Mitgliedern eine entsprechende, wenn auch noch sehr bescheidene Pension, und mit der wachsenden Zahl ihrer Mitglieder werden auch ihre Jntraden wachsen. Nun ist eS Zeit, an der inneren und äußern Hebung des Lehrerstandes kräftigst Hand anzulegen. Dos ist die Aufgabe deS angestrebten, neuen Vereins. Wie er zu gestalten, ift eine Frage, die wir dem organisirenten Crmit« Vorbehalten. Wir denken uns eine feste, wohlgegliederte Organisation; einen Bund von Lehrern, der jeden Unwürdigen und Untauglicken auSsckließt. Kein n>:cm soll uns abhalten, dem „Rebbe" und den wieder neuerstandenen Bachur daS Handwerkzu legen. Mager sich einem Berufe widmen, dem seine Krait gewachsen ist; dem Heiligthum der Schule, von dem die Zukunft deS Judenthums, der Cultur abbängt, soll er ferne bleiben. Der würdige Lehrer aber wird geschützt. Die Mitglieder machen sich verbindlich, sich in ihren Stellungen zu unterstützen, keine Stelle anzunebmen, aus welcher ein anderer würdiger Lehrer verdrängt wurde, brave Gemeinden, wenn die Verhältnisse entsprechend sind, nicht willkübrlick zu verlosten; ein StellennackweisungSbureau — ComiteS der Zweigvereine — jübernimmt die Verhandlungen bei Stellenweck sei u. dgl. Nur definitive Anstellungen werden angenommen. Und so mehr Die allgemeine VolkSsckule, die „christliche" Sckule hat ihre Vertreter; Die gesetzgebenden Gewalten. nehmen sich ihrer an. Die Schule schreitet fort, auck wenn Einzelnes — die Regulative — noch Innen und nach Außen zuweilen einen Rückschritt anzubah- -nen sckeint. Jedenfalls hat der ckristliche Lehrer einen ausreichenden Schutz in seiner Stellung. WaS ihm fehlt, ist eine, traurige Folge allgemeiner Verhiltniste, zeitlicher, hoffentlich mehr und m-hr sckwindender Strömungen. Dee jüdische Lehrerstand muß seine Sacke selbst in die Hand nehmen, muß sich selbst Vorsehung sein. Brave Gemeinden werden ihn unterstützen. Daß die Rabbinen um ibrer eigenen Stellung Wollen da» lebendigste Jntereste sür unsere Sache haben müßten, bedarf hier keiner Erörterung. Mit der Hebung deS LehrerstandeS heb» sick der Stand der Rabbinen; gebt es mit dem Lehrerstond zurück, so sinkt auch der Rabbinerstand. Die Anzeigen losten «sich bereits fühlen. Möge die „JSr. Wochenschrift" mit unS an dem > Gelingen unsere» Werkes arbeiten. Cie wird dadurch! mehr für da» wahre Heil, sür die Zukunft de» Inden-! IhumS wirken, als irgend noch eine jüdische Zeitschrift vermochte. nny o;to ’V jrp'rc. Wo» nützt urS Alles, wenn wir nicht für einen gediegenen Religionsunterricht unserer Kinder sorgen, wenn die Zukunst j de» JudenthumS in Gefahr ist? — Berlin, 18. Juni. Hirsch Kalischer in Thorn» 1 besten Colonisaliontproject für daS heilige Land in, ■ jüngster Zeit bald angef.indet, bald vertheidigt wurde,! eifert auf'S Neue dafür und weist namentlich auf die Gegend von T'lerioS hin. Sonderbar ist die Naivetät, womit dieser Mann seine Idee verficht. Er meint, es liege nur an den Israeliten selbst, wenn sie nicht zugreifen, um ihr Eigenthum, das beilige Land, in Besitz zu nehmen. Es fei ihr rechtmäßiges Erbe, von Gott ihnen zugesprochen, wie vom Vater seinen Kindern vermacht. Die eigne Schuld der Kinder sei eS, wenn diese das väterliche Gut gleickgiitig liegen lasten und nicht an sich nehmen. Nickt zn verwundern sei eS, wenn da Fremde, die des Weges ziehen, e» aufrasten, Unberechtigte Besitz davon ergreifen. GotteS Derbeißung von der Wiedereinnabme deS heiligen ^Landes würde sich schon erfüllen; Israel entziehe sich nur derselben. Aus der Grafschaft Lchaumburg. Um Ihnen, geehrter BmtSbruder, zu zeigen, welcher ParriculariSmuS, trotz Parlament, Norddeutschem Bund, Emancipation re. noch unter den Herren Lehrern verschiedener Richtung und Eonfessionen herrscht und wie wenig wir als Juden trotz des erfolgreichen und mörderischen Krieges von Anno 70, an dem auch »nsere jüd» Glaubensgenossen so ruhmreichen Antbeil genommen, noch gewonnen zu haben scheinen, davon kann folgendes Curiosum evidentes Bespiel geben. Als der Unterzeichnete ver etwa einem Jahre die diesige israelitische Lehrer- und Vorsängerstelle annahm, war die er sich, deS Schiller'scheu Ausspruches eingedenk: ,Immer strebe zum Ganzen, und kannst Du selber kein Ganzes werden, so schließe an ein Ganze» Dich an" an Einen seiner Herren christlichen Kollegen dahier und ersuchte denselben, gefälligst mitth.ilen zu wollen, ob es gestattet sei, mich an den dahier unter den Lehrern existirenden Conferenzen und Lesevereinen zu belbeiligen njij; jw v'p jwi — Ich bekam jedoch auf mein Gesuch keine Antwort Erst etwa 7—8 Monate später begegnete mir genannter Herr College zufällig auf der Siraße und sprach zu mir: „Bitte, ein Wort! Cie haben mir vor längerer Zeit wegen Theil« nähme an unfern Conferenzen und Lrserveretnen geschrieben. Ick habe Ihre Bitte auf der neulich stottgefundenen Lehrer Conserenz vvrgebracht. Da wurde mir nun vyn unserm Herr Ober-Cckulinspeetor der Auftrag, Ihnen zu eröffnen, daß unsere Conferenzen und Lesevereine n»r sür sp cifisch christliche -Lehrer (o, sancta simplicitaB!) existiren, während die jüdischen

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