Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 27 (5.7.1871)
- Date
- 1871-07-05
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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212 — vor und würbe von der auffallenden Wirkung derselben au» das l'eieu lehr überrascht. Ebenso »and ich. baß bei manchen Kindern eine Schlaffheit des pwchiichen Wollens Ursache ist, daß diej selben eine verworrene, unregelmäßige Handschrift schreiben. Die bierau» angestellten Uebungen. um das pbnj fische Wollen zu kräffigen. batten zwar nicht den Er»olg. \ wie die oben beschriebenen Uebungen. doch bin ich noch j nicht enrmiithigt dadurch. Ueberbaupt habe ich einen ' wunderbaren Zusammenhang der Schrittzüge init der . Gefichtsbildling ge»unoen. was ick au» Er»ordern nach wei»'en kann, und haben Lavater und Gatt Reckt, wen»! sie behaupten. es laue »ick vom äußeren au» den innej ren Menichen schließen: sowird man es mir verzei : Ken, wenn ick mir die Kühnheit nehme. zu behanvten. i eine Schlaffheit des pwchiichen Wollens bewirke eine | venvorrene. unregelmäßige Hanb'chriff. Beispielsweise ' führe ick das factum an. daß die beiten Schreiber \ von meinen Schülerinnen ein iebr originell ausgebildetes Gefichtsvrofft < schöne spitze Naß. hervorffebenben Mund, hervorskehendes Kinn» baben und daß Kinder mit großen schönen blauen Angen. runden, rokden Wangen . rundem Kinn und rundem Kopfe eine gedrungene und reckt geßillige. nicht gerade zierliche Hanbsckriff schreiben. Diese Bemerkung wird jeder Lehrer machen können, welcher nach lebens»rikcher Methode das Schreiben untemchket. welche jedem Kinde eine individuell eigenlhüinliche Hanbichnff ..anbildetund die Sckriffzügc des Kindes nicht durch unnatürliche Ueffeln (Linien. Liniennetze» künstlich »rüb rei» »ach der Hand des Lehrers oder Schrelbvorickritt bildet. Rach diesem Erkune bin ich an dem Punkte angelaiigl. ivie die tonischen Künffe bei dem Anschauungsnnrerriane »rncklbar genlacht werden können. Mnsikchöre. ivelcke uniern Schülern etwas verspielen. baben wir nick:. ., Wir müiien uns daher mit der Mn'ik begnügen . ivelcke die K inder 'elbil machen können. dein «tzeiange. Mufik iff die Sprache des, Gemütkes. Die Bolksichnlinusik diene daher vorzugsweise der Gemüthsbildung. Der Lehrer sage also seinen Kindern, welchen Enarakter dieies oder jenes Volkslied habe, warum von Parallelinelodien dieie oder jene »ür ein bestimmtes Lieb beffer paffe, welchen oäedanken der Eoniponin durck Rbblkniik. Dt'naiiiik und Melodik ausdrücke u. w. Dann iffauck sonn der viesang reckt fleißig benutzen, wenn es gilt. au» das <>>e»üiff zu wirken. Wirft man mir ein. daß das zuletzt b>)e»orderle in den Geiangunlerrichl gehöre, jo kann ick das allerdings nicht verneinen: doch in den Anschauungsunterricht gehört es eben auch, iveil ja die Munk die Wahrnehmung des inneren Dbres des «deines bildet. Hauslehrer und Vater können bei ihren Kindern noch in besonderem Maße durch eine gute Hausmusik erzieblick wirken. Lind die Kinder auch zuglich Musikschüler . io arbeite man dahin. daß sie mit Bewußtsein spielen lernen und durch ihr Spiel auf das Gemüth einwirten, ohne jedoch ein Uebermaß erzwingen zu wollen. Daneben gewöhne man dieselben, jedes Musikstück, mit Ausnahme der klassischen Stücke, deren Vortragsweise traditionell sestgestellt ist, zwar im Sinne des Componisten doch nach eigener, individueller Auffassung vorzutragen. Die zweite tonische Kunst ist die Poesie. Soll die Poesie der Anschauung dienen, sollen die Producte derselben im Anschauungsunterrichte eine Berechtigung haben, so müssen solche Werke gewählt werden, welche wirklich anschaulich sind und zwar vorzugsweise epische und dramatische Gedichte. Unsere Literatur ist reich an paffenden (Schiller, Göthe, Lessing, Wieland, Uhland, Körner, Rückert u. s. w. u. s. w.) Beispielsweise wähle man das Göthesche Gedicht: „der Mischer!" „daS Wasser rauscht, daS Waffer schwoll :c. rc." Wie durch einen Zauber steht sich daS Kind an einen See versetzt. Ein Fischersitzt an einem Ufer und angelt. Da rauscht und schwoll das Waffer. Eine Wassernixe erscheint. Sirenengesang ertönt. Die Nixe unterredet »ch mit dem Fischer. DaS Waffer .rauscht und schwillt abermals und benetzt den nackten Fuß des Fischers. Sirenengesang ist wieder hörbar. Die Nixe redet abeemals mit dem Fischer. Der Fischer wird ins Waffer gezogen und die Wafferwellen schließen sich über seinen Haupte. Nun bespricht der Lehrer die Landschaft, den Ort der Scene, erinnert vielleicht an ein früher gezeigte» LandschaftSbild mit einem See und lenkt dann die Aufmerksamkeit auf den Fischer mit.der Angel. Dabei überläßt der Lehrer den Kindern, sich die Landschaft nach eigener Phantasie auszumalen. Da» eine Kind denkt vielleicht an ein FischerhauS am Ufer, da» andere sieht noch Weidenbäume, ein drittes denkt sich die Steine und Muscheln des U»er« u. s. w. Dann läßt der Lehrer das geistige Äuge des Kindes ein Rauschen des Meeresspiegels erschauen, bespricht die Wellen näher und dir Ursache derselben, beschreibt, da» Waffekweib (vielleicht mit langem fliegendem Haar, Fischslossen u. s. w.) und läßt dasgeistige Ohr des Kinde» Sirenengesang und die Unterredung des WeibeS mit dem Fischer hören. Dann wird das Hinabstürzen des Fischers und endlich die wieder eingetretene Stille de» Wafferspiegels besprochen. — Wer zweifelt daran, daß solche Gedickte in den Anschauungsunterricht gehören. Gerade an diesen zeigt eS sich so recht eigentlich, ob! die Kinder das in den früher» Stunden des Anscha »ungS- | Unterrichtes Gelernte reproducirrnd wiedergeben können. I Die Erzeugnisse der Poesie liefern den Schlußstein > zum Gedäude des Anschauungsunterrichts. | Werfen wir nun einen philosophischen I Verzeihung einem Volkslehrer, wenn er auch mal von Phi-