Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1871-07-05 · 27 (5.7.1871) · p. Seite 211

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
27 (5.7.1871)
Date
1871-07-05
Page
Seite 211 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4896751-5428704-5433810--3464-4899706
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 211 — 2. Mos. 3, 21 erhalte» die Juden Anleitung, dieAegvp trr zu bestehlen. Ich, der Herr, dem Mott, bin eineitriger Gott >c. 2. Mos. 20, 5. So wird mein Zorn ergrimmen rc. 2. Mos. 22, 24. Also gereuete dem Herrn das Nebelrc. 2. Mos. 32, 14. Und ich will Thiere unter euch senden rc. 3. Mos. 2»>,22. Da ergrimmte des Herr» Zorn rc. 4. Mos. 25, 3, 4. Erkennen wir bierin unscrn Gott? Finden wir ihn nicht eder wieder in den alten Eddaliedern? rröniq Gvlsa oder Gangleri wandert nach der Götlcrwohnung und fragt den Har «eine der drei Gestalten des Odin): ' »Wer ist der höchste und älteste aller Götter? Har antwortet: „Allvater beißt er in unserer Sprache, und im alten! Asgard hatte er zwölf Namen." Gvlsa: „Wo 'st dieser Gott oder was vermag er, oder was hat er Großem gcthan?" Har: „Er lebt durch alle Zeitalter, beherrscht sein ganzes Reich und waltet aller Tinge, großer und kleiner. Er schus Himmel und Erde, die Luft und Alles, was darin ist. Das ist das Wichtigste, daß er den Menschen schus, und gab ihm den Geist, der leben soll und nie vergehen, wenn auch der I. Leib in der Erde fault oder zu Asche verbrannt wird. Auch | sollen alle Mensche» fortlebeu, die wohlgesittet sind und mit chm sein an dem Orte, der Gimil beißt oder Wingolf. Aber böse Menschen fahren zur Hel und danach gen Rebelhcl." . Ter Christen Gott ist nicht der Jude» Gott, den Mosis, > als das israelitische Volk in Halsstarrigkeit und Verstocktheit war, als einen so eifernden darstellt, und den JesuS später als gütigen und longmütbigen Vater erkennen lehrt. Wäre es derselbe Gott, dann ist noch nicht gesagt, daß er sich nun auch so geändert habe: als vollkommen unveränderliches Wesen kann sich Gott nicht ändern. Ist der jüdische ,Lave" unser „Gott," dann müßte er auch jetzt »och eben so grimmig und rachsüchtig sein; denn zu Jesu Zeiten waren die Juden halsstarrig genug, und auch jetzt sind ja die Leute, wie die Priester bebauplen, gottloser, denn je. Alle Gefühle aber sträuben sich dagegen, unser» Gott zu denken als ein Wesen, das ganze Völker fressen will, die ungehorsame» Aeltern dahin bringen ivill, daß sie ihre eigenen .minder fressen, \ dabei aber doch wieder seine Ucbcrcilung bereut. Ist nun! „Java" und Jesu „El" nicht gleichbedeutend, was folgt da- 1 raus für die biblischen Geschichten des alten Testaments? Wir antworten mit Vögelin: „Wir verwahren unS gegen die Zumutbung, daß der christliche ReligionSlehrer die ganze jüdische Geschichte und Religion mit den Schülern durcharbeiten müsse, ehe er zur christlichen schreiten könne." Sittlich tüchtige und auf ichtige Ebristen solle» unsere «inder werden. Warum muß man sie erst zu Juden erziehen? Ist dies nicht derselbe Jrrtbum, wie er in der ersten Christengemeinde zu Jerusalem war, wo nia» glaubte, ein Heide müsse erst Jude werden, ehe er ein Ehrist sein könne? Wir habt», lagt Vögelin, keinen Grund, kein Recht und keine Zeit, di» .»iinder erst zu Juden und dann zu Ehristen zu erziehen.' Es ist ein lediglich gelehrtes Interesse, nicht aber eine Frage der Frömniigkeit, der Gegenwart oder des Lebens, zu wissen, was vor so viel Tausend Jahren die Juden geglaubt, getban und wem und wie sie geopfert habe». Wir haben in unserm Religionsuuterichte das neue l Testament als Ausgangspunkt zu nehmen, und wenn wir j aus einer späteren Stufe genöthigt sind, aus das alte Testament zurückzukommrn, dann muß cs mit kritischem Blicke geschehen; denn die Wahrheit siebt oben an. Und alsdann werden wir sehen, daß sür uns vom alten Testamente nur wenig übrig bleibt; denn die alten Wunderaeschichten könnten wir doch nicht in die Schule einschmuggeln und also der Jugend etwas lehren, was sie als Erwachsene nicht glauben sollen. Wie nun unser Religionsunterricht sich zu gestalten habe, findet man sehr klar dargelegt in Vögelin's „Geschichte Jciu" (Rapperswvl am Zürichersee). Rothenburg. Wir stehen mit der Redaction der „allgemeinen deutschrn Lehrerzeitung" noch in Unterhandlung darüber, ob sie trotz jener Entgegnung in Rr. 26 auch - die unsrige aufnrhmea will. Jedenfalls werden wir sie später unfern Lesern vorführen. Mögen sich diese einstweilen an dem sonderlichen Machwerk des Herrn R. vergnügen. Zweit« isr Synode in Augsburg. Die unterfertigte Verwaltung beehrt sich', hierdurch bekannt zu geben, das;, vom 9. Juli Morgens an, dahier ein Anmelde - Bureau für ankom mende Mitglieder — Wintergasse Lit. A. Nr. 16 zu ebener Erde — eröffnet und mit einem ständigen Beamten versehen sein wird. Namentlich werden diejenigen Herren Synodal- Mitglieder, welche bereitschriftlich auf gastfreie Wohnung reflectirt oder die Bestellung von Zimmern in hiesigen Gasthöfen gewünscht haben, höflichst ersucht, sich sofort nach ihrer Ankunft behufs Entgegennahme von WohnungS-Adresien an obiges Bureau zu wenden. Augsburg, im Juni 1871. Die iSr. (kultuS-Berwaltuog.! Ztever Anschauungsunterricht und Sinnenvildung. Bon Joseph Lppenvelin, Eamor undLcbrer zu Rodenberg in'der Provinz Hesien. Fortsetzung.) Hätte ich nun entsprechende Anfchauungsübungen zur Bildung des Gehörsinnes vorgenonimen und durch planmähige Uebungen eine schärfere Autfanung der Konsonanten zu erzielen gesucht, wozu ich die verlorenen Lesestundcn hätte verwenden können, io würden meine Schüler das Lesen dann bald gelernt habeil. Wirklich nahm ich noch nachträglich bei einigen Schülern solche Uebungen. die ich hier aber nickt näher beschreiben kann.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.