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Der israelitische Lehrer · 1871-06-28 · 26 (28.6.1871) · p. Seite 206

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
26 (28.6.1871)
Date
1871-06-28
Page
Seite 206 (sequence 6)
Language
German
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— 206 — „Lehrern kr« Seminar« stets al« College lieb und „Werth. Friede seiner Asche! 8.' Wie», 4. Juni.' Ich lese im Hamagid einen Vergleich zwischen unsrem Grillparzer und Letteri». ES ist weder der Ausruf de« Unterschiede« mnt# nwD'D >'2 noch ovod v"N angegeben. Jene« zeugt vom Fortschritte der Zeit, denn trotz de« Bewußtsein« von den dogmatischen Differenzpunkten liegt darin der Beweis nationaler Ausgleichung, -menschlicker Annäherung. In der Weglassung-des zweiten Ausrufs liegt aber ein Rückschritt, denn er zeugt davon, daß rin Unterschied nicht blcs im Tode, sondern auch im Leben destarden bot. I» der Tbat, wie so ganz ander« ist G. als L. behandelt worden! Freilick läßt sich auch auf jenen onwendn. „Ihr kommet spät, aber Ihr kommet dock." . Gmußte 80 Jahre alt werden. um zu solcken Chren zu gelangen, und so lange ist es noch nicht ber, daß man die deutschen Größen der Kunst und Wissenschaft darben und verhungern und erst sterbe,: ließ, bevor man sie anerkannte und ehrte. G. lebt zwar Nock, aber er ist dock alt, sehr alt über die empfangenen Ebren geworden. L. bat zeitlebens darben, in seinem Alter betteln müssen und ist in Entbehrung — ohne Ehren, ohne Anerkennung gestorben. Wir macken der großen Weist keinen Vorwurf daraus; er war jüdischer Tickter, jüdischer Literat, bebräiscker Linguist. Auch fehlt eS in Nr jüdischen Welt nicht an Beweisen der Hochherzigkeit, an WohlthätigkeitSfinn, zumal in Wien. Und doch hat L. io leben, so sterben müssen! Es fehlt eben in der jüdischen Welt an Sinn für die jüdische Wissenschaft. Der Materialismus nimmt überhand. Das Geld hat und gibt nur Werth; Werth hat nur, was materiellen Genuß bie- 1,t. Ehemals galten die Männer der Wissenschaft als der Adel der jüdischen Gesellschaft (dtp); Niemand stand böher. als ein m:n p, man suchte die Verschwägerung mit ibm. Jetzt erhält Berlin keine jüdische Hockscknle, Wien erhielte sie nicht obne Initiative d'S christlichen Staats, Breslan hätte sie nickt ohne Stiftung eines sterbenden reichen Hagestolzes. Und außer Breslau sonst keine Stätte der jüdischen Wissenfchast in ganz Deutschland! Jetzt leben die Männer der jüdischen Wissenschaft — in Aimutb, ohne Ebren; ihre Worte werden nickt gehört, ihre Werke nickt gelesen, nicht gekauft. Die Rabbiner sind 0’t2yii£’D, der Willkür der Vo> stände preiSgegeben; man sucht unter ihnen nicht die Gelehrten, UeberzeugungStreuen, Charakterfesten; die Unterwürfigsten werden gesucht und lasien sich sindrn. Wir denken bei dem Tode deS verdienstvollen armen Letteri« an mcro ntvo »der Tod sühnt;* aber keine Sübne ohne — Besserung. Aus Ikom vcm 14. Juni schreibt man der Wiener „Presse": „Gestern verursachte eine polizeiliche Haussuchung in dem Kloster, welches bei Sta.-M«ria der Monti zur Aufnahme der Neophiten bestimmt ist, eine außerordentliche Aufregung in diesem Stadttheile. Eine neue Mortara geschickte, bei der e« sich um-ein Mädchen handelt, gab dazu Anlaß. Voriges Jahr nämlich ließ sich rin israelitisches Mädchen von 14 bis 15 Jahren in der katholischen Religion unterrichten, am Charsamstage bei San Giovanni im Lateran feierlichst taufen und nahm, da e» diesen Schritt gegen den Willen seiner Eltern gethan hatte, seinen Aufenthalt in dem vorgenannten Kloster. Seit dem Einrücken der italienischen Truppen verlangten die Eltern. daß da« Mädchen in ihr väterliches Haus zurückkehren mö^e, und obwohl dasielbe sich weigerte, besorgten die Eltern, daß ihre Tochter, uwer dem religiösen Drucke der Nonnen gelasien, bloß deßhalb auf ihr.m Entschlüsse beharre. Die Sache wurde von Seiten der Eltern dem Tribunal übergeben, gegen dessen Entscheidung, welche auf die Auslieferung des Mädchens lautete, die Vorsteherin des Klosters an den CaffationShos appellirte, welcher das Urtheil der ersten Instanz bestätigte. Als die Polizei alle gütlichen Vorschläge umsonst versucht batte und die Aufregung vor dem Kloster täglickzunahm, wurde gestern gewaltsam in die klösterliche Bedausung eingedrungen und das Mädchen durch die Genedarmen aus derselben abgesührt. WaS die Neophite nun zu thun gesinnt ist, wird der Ausgang lehren. Feuilleton. Z>ie rituelle Hödtung und Ztnterjuchu g des Schlachtviehs. Ob die rituelle Tödtung und Untersuchung deö Schlachtviehs eine mosaische Opfer-Institution ist, oder eine nachmosaische Einricktung, welcke das im Lande zerstreut, fern von der nationalen Opferstätte wohnende Volk rücksichtlich des gewöhnlichen Schlachtviehs vom OpfrrcultuS entband, aber dock die rituelle Tödtung den in der Provinz unter dem Volke wohnenden Priestern überwieS, oder endlich ob die Einrichtung nachexilisck ist, au« dem rivalisirenden Streite der Pharisäer und Sadducäer hervorgegangen, indem man gern priesterliche und cultuelle Ceremouien vom Tempel auf das Han« und Leben übertrug; dies find rein wisienschastlich« Streitfragen, deren fortzuführender Erörterung wir durchau« nickt entgrgeutreten wollen. Jedenfalls hat die Sache, wis sie vorliegt, aber auch

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