Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 26 (28.6.1871)
- Date
- 1871-06-28
- Page
- Seite 207 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 207 — «ne praktisch-religiöse Seite, welche wir ebenfalls nicht gleichgiltig behandelt sehen möchten. Die rituelle Schlachtweise der Juden vertritt HumanitLtSideen, indem sie das Thier auf die leichteste und ram wenigsten schmerzhafte Art zum Tode bringt. Die Vertretung und Verbreitung praktischer Humanitätsideen ist aber entschieden religiöser Tendenz und gehört unstreitbar mit zu den Aufgaben deS JudenthumS. Die rituelle Untersuchung deS Vieh» hat sanitaire und folglich auch religiöse Zwecke, sowohl weil diese dadurch gefördert werden, a>S weil die Erhaltung der leiblichen Gesundheit an sich ein religiöses Gebot ist und die Gesundheit des Geistes mit davon bedingt ist. Wir bedauern nur, daß die überlieferten religiös-gesetzlichen Bestimmungen in dieser Angelegenheit noch ganz auf dem wissenschaftlichen Standpunkte früherer Jahrhunderte beruhen und von den Fortschritten der Veteriuäir-Medizin bisher gar nicht berührt worden sind. So bleiben manche Krankheitserscheinungen unbeachtet, andere bedeutungslose, gelten als wichtig und entscheidend. Und welch ungebildeten Leuten ist die Entscheidung anvertraut! Wir heben nur einen Punkt hervor. Die Tuberkulose (nynj gilt, wenn sie vereinzelt auftritt, weder als gefährlich noch gefährdend. ErstereS ist richtig, da ganze Lungenflügel bereits angegriffen, ja gelähmt (dion) sein können, ohne die Lebensfähigkeit des Organismus aufzuhebcn. Aber wenn die Tuberkulose übertragbar ist, und sie ist eS, sowohl unter dem Vieh, wie den Menschen, von jenem auf diese und umgekehrt, so reicht dafür auch schon das Vorhandensein einer einzelnen Tuberkel hin. Eine verwandte Krankheitserscheinung ist die sogenannte Perlsucht, als nd-ho (Blattern) bezeichnet, wovon es heißt, daß, wenn sich die Blattern nicht über die Oberfläche der Lunge erheben, sondern nur als Knoten 'sich unter der Haut befinden, diese nicht schädlich sind und daS Fleisch nicht ungenießbar machen. Und gerade diese Knoten sind die Vorbereitung zu einer um sich .greiselnden Tuberkulose. Man hat früher die Perlsucht als eine Art Lustseuche (SyphiliS) angesehen und daS Fleisch nicht als schädlich und ungenießbar erklärt, sondern höchstens aus Ekel vom Genuffe abgerathen. Aber selbst der Ekel wäre schon Grund genug, solchrS Fleisch dem Genuffe zu entziehen; nun kommt aber noch daS Bedenken syphilitischer Ansteckung hinzu. Die Abschälung der Knoten (Perlen) ist nutzlos, «eil der KrankheitSstoff im ganzen Blute liegt. Neuere Untersuchungen, worüber uns ein interessanter Aufsatz der N. ft. Presse berichtet, widerlegen aber diese Anschauung von der syphilitischen Art der Perlsucht und stellen sie als entschiedene Tuberkulose hin. welche auch au der Knotenbildung in den Eingeweiden und anderen Köpertheilen kenntlich sei. ES nütze daher durchaus nicht, bloS die mit Knoten bedeckten Theil« vom Genuffe auszuschließen, da der AnsteckungSstoff überall liege und übertragen werde, wie die Versuch« der bedeutendsten Thierärzte (Villemain, Chau» meau, KlebS, Gerlach) 'untrüglich dargethan haben, sowohl durch Impfung und Einspritzung, wie durch den Genuß der Milch oder deS Fleisches, und zwar unter dem Vieh derselben, wie anderer Art. Ebenso ist diese UebertragungSweise der Krankheit vom Vieh auf den Menschen außer Zweifel gestellt. In klimatisch ganz gesunden Schweizergegenden, wo Viehzucht und Milchwirthschaften allgemein find, hat sich die Tuberkulose unter den Menschen in anfänglich räthselhafhafter und unerklärter Weise durch Milch und daS Fleisch pcrlsücktigen Viehs verbreitet. Thiere, wie Schase und Schweine, welche sonst von der Tuberkulose befreit sind, wurden durch direkte oder indirekte Uebertragung inficirt. Es wird daher von den Aerzteu besondere Vorsicht für die Ernährung kleiner Kinder durch Kuhmilch angerathen, besonders wenn sich daS Vieh auf Meiereien in der Nähe großer Städte befinde. Den Sanitätsbehörden wird aufgegeben, das Fleisch solchen Viehö unbedingt dem Genüsse zu entziehen, und eS wird angerathen,.die Milch nicht im rohen Zustande zu genießen, weil wahrscheinlich, aber auch nur wahrscheinlich, das Kochen den AnsteckungSstoff zerstöre. Bekanntlich wurde bisher besonders Brustkranken der Genuß roher Milch angerathen. Wenn wir nun davon abstrahiren, was noch zweifelhaft ist: soviel scheint in.eß gewiß, daß eine reformatorische Revision der be-- züglichen codifirirten Bestimmungen selbst vou den conservaliven Orthodoxen angeslrebt werden müßte. Alzey. Or. R. Anzeigen. Vakanzen-We. . 1) Javocin (man sehe Inserat). 2) Greifenberg iuPommern: Religionsledrer-, Vorderer- und Schächterstelle; Gehalt 250 Thlr.; Redeneinkünfte 150 £blr. (Verheirathet wird reflectirt.) Meldungen beim Vorstand der Synagogen-Gemcinde. 3) Achim bei Bremen: Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächteramt. Meldungen beim Vorsteher der Synagogengememde D. M. Levi. * 4) Hagenow in Mecklenburg - Schw.: Lehrer-, Schächteruild Vorbeterstelle; Gehalt 140—150 Thlr. Meldungen beim Vorstand Julius Simon. 5) Bunzlau in Preutz.-Schles.: Cantor- Schächter- und Religionslehrerstelle; Gehalt 350—450