Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 26 (28.6.1871)
- Date
- 1871-06-28
- Page
- Seite 205 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2Uü Aus Mtttelfrauke«, 20. Juni. Sie haben wohl gelesen, daß Mitte Juli der Einzug der bayrischen Truppen in der Hauptstadt des Landes ftattfinden soll, dem dann der Einzug in den Regierungshauptstädten folgen wird. Ich fürchte sehr,- daß dadurch die Synode empfindlich gestört sein dürfte. Ueberhaupt scheint es mir, als wäre es besser gewesen, auch für dieses Jahr von derselben abzusehen, denn noch sind die Verhältnisse nicht genügend geordnet, die Eisenbahnen nicht stets frei und die Gemüther von der politischen Aufregung nicht genügend beruhigt. Man hat wohl in Leipzig alljährliche Versammlungen beliebt. Wo aber für solche die Kosten hernehwen? Rabbiner, die in Bayern z. B. mit 1000—1500 fl. durchschnittlich ihr Maximalgehalt erreicht haben, können doch nicht alljährlich so große Reisekosten aufbringen? Auch kleineren Gemeinden wird es schwer fallen. Ich möchte dies im Jnterefle der mir^ehr heilig und wichtig er-' scheinenden Angelegenheit den betrffenden Kreisen be-.' scheiden zur Würdigung empfohlen wissen. (Nachbemerkung. ES ist nicht nothwendig und auch nicht bestimmt, daß die Synode jedes Jahr tagen muß. Aber jetzt, in der ersten Zeit, muß so viel angeregt werden, daß häufige Versammlungen dringlich erscheinen. Wir fürchten auch nicht, daß die diesjährige Synode allzusehr durch die Feste in Bayern leide; so sehr wir eine große Versammlung wünschen, glauben wir doch, daß auch eine kleinere Anzahl strebender Männer den Weg und den Einfluß erringen wird, der erwünscht ist. Wenn eine Anzahl entschiedener Gemeinden ihre Vertreter senden und diesen sich eine gleiche große Zahl tüchtiger Rabbiner und Lehrer zugesellen wird, so mögen diese im Bewußtsein ihrer heiligen Begeisterung und ihres guten Rechts sich den Angelegenheiten der Gesammtheit widmen und diese wird den Segen solcher Versammlungen mit der Zeit einsehen, auch wenn in diesem Momente die Apathie noch zu groß ist, um Alle zu einigen, die berufen sind, zu kommen. Wir wollten jedoch, trotzdem wir nicht mit dem geehrten Referenten übereinstimmen, seinen Anschauungen hier Ausdruck geben. Redaction. LudwigShafen, 17. Juni. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde feierte gestern Abend ein schönes, der dauernden Erinnrrung wertheS Fest. Deren' Synagoge nämlich war seit längerer Zeit einer Restauration bedürftig, um fernerhin den gottesdienstlichen Zwecken zu entsprechen. Diese Restauration wurde nun im Laufe der Woche in praktischer, dem Auge wohlthuender Weise beendet und erfolgte darum am gestrigen Abeude die feierliche Einweihung der Synagoge. An diesem Akte hatten sich die Mitglieder der CultuSgemeinde sowohl als auch die Vertreter der Stadt und Angehörigen der christlichen Confessionen in erfreulichster Weise betheiligt. Ein allgemeiner Gesang rröffnete die Feier und folgte nach einem kurzen Gebete ein geistliches Lied von Mendelsobn für Altsolo und gemischte Stimmen, das recht gelungen von christl. Gemeindegliederi» hiesiger Stadt ausgeführt wurde. So- 'bann hielt Herr Dr. David*) in Ermangelung eines Predigers eine Ansprache an die Anwesendeo. In gewohnter, klarer und trefflicher Weise betonte derselbe, wie neben der Opferwilligkeit der Gemeindeglieder dieses Gotteshaus der Toleranz insbesondere seine Entstehung verdanke, wie in demselben die katholischen und protestantischen Brüder vorher demselben Gotte ihre Gebete dargebracht haben, **) wie eS durch deren Wohlwollen und durch die Unterstützung ver Direction der Pfälzischen Bahnen zu einem GotteShause für die jetzige Gemeinde geworden sei. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!" war der Hauptgedanke der Ansprache, eine Forderung, die daS Fundament der jüdischen Religion sei und bleibe und bic nothwrndigerweise einmal dahin führen müsse, daß alle Menschen in der Anbetung des all inigen Gottes sich noch asS Brüder erkennen lernen würden. Der halbstündigen Rede folgten die zahlreichen Anwesenden mit voller Aufmerkkeit und^ wie wir a.nnehmen dürfen, mit sichllicher Befriedigung. Es folgte hieraus der gewöhnliche Sabbat- Gottesdienst, ein allgemeiner Gesang mit Gebet, sodann dcr Vortrag des Liedes „Forschen »ach Gott" von K. Kreutzer, daS, von Männerstimmen auSgeführt, eine angenehme Abwechslung hervorbrachte und in würdiger Weise die Festfeier schloß. — In einfacher, erhebender Weise ist dcr gottgeweihte Raum seiner Bestimmung wieder zurückgegeben. Möchte die Freude dort auck in der Folge ihre Dankgebele zu Gott senden, der Trauernde sich dorb des Trostes erholen und die Stätte wie seither ein Ort des Friedens und der Nächstenliebe verbleiben. < Hildburghausen Im „ Schularchivfür Thüringen und Franken hat ein Artikel „Statistisches vom Seminar in Hildbnrghausen" folgende Schlußworte: „Einen schmerzlichen Verlust erlitt die Anstalt „durch den kurz vor Ostern d. I. erfolgten Tod des „jüdischen Lehrers St e in h ard, der feit einer langen „Reihe von Jahren ein geschickter und gewissenhafter „Lehrer der jüdischen Zöglinge gewesen war. Wie er , ■ „wegen seiner wissensckastlichen und sittlichen Tüchtig- „keit in allgemeiner Achtung stand, so war er den *) Praktischer Arzt. Wir gratuliren dem Freunde zum neuerwnterten Berufe. Red. *•) Dasselbe Gebäude war früher Jntcrimskirchc dieser Eonfesfionen, ehe die neuen Kirchen in Ludwigshafen gebaut wurden.