Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 26 (28.6.1871)
- Date
- 1871-06-28
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 204 — Amaeldungen zur israelitischen Synode i« Augsburg. Herr Rosenbusch I., Vorstand in Augsburg; Herr Bauer II., Vorstand in Augsburg; Herr Landauer, Synagogen - Commissär in Augsburg; Herr M. Obermaye-r I., Vorstand des Ausschusses in Augsburg; HSvr H. Kohn II., Vorsteher des Ausschusses in Augsburg; Gemeinde Aken a. d. Elbe^ Wulfsen i. A., vertreten durch Prediger Herrn S7 A. Wolfs; Herr Rabbiner Dr. Engelbert in St. Galle»; Herr H. Simon Krämer, Lehrer in Ansbach i. B. Wochenbericht. Ingelheim, 18. Juni. Auch die hiesigen Synagogen haben das heutige Friedensdankfest gefeiert, und zwar dieses Mal auf Allerhöchste Anordnung, wie bei der Kirche. Nicht, dag wir dieser Anordnung bedurft oder geharrt hätten, aber wir freu en ur.s dieser Anerkennung, welche nun von oben herab dem Judenthum geworden ist. Diese Freude war sogar allgemein. Wie soll man eS aber deuten, wenn Juden trotzdem statt mit den Juden in die Synagoge, mit den Christen in die Kirche gehen? Müssen die Christen da rächt glauben, daß die Klagen der Juden über Verkennung ihrer Religion und ihr Drängen auf staatliche Anerkennung derselben nichts als eitle OppositionSsucht sei? Zwar nicht alle Juden thaten so, vielmehr nur eine geringe Anzahl in der Stadt Alzey und auffällig nur, weil sie Hauplstimmen des Synagogenchors vertreten. Auch nicht blo» ausJndifferentismus gegen das Judenthum thaten diese so, sondern aus mißverstandener Freundlichkeit gegen ihre christlichen Mitbürger und aus Mangel an Begeisterung für die Interessen der eignen Religion. Dieselben Sänger und Sängerinnen vertreten nämlich auch gleichzeitig Hauptstimmcn im allgemeinen Castuo-Aesang-Verein, der zur FriedenSfeft Feier in der Kirche singen sollte. Christlicherseits hatte man bereits auf den Gesang deS Casino-VereinS verzichtet, als man hörte, daß gleichzeitig eine Feier in der Synagoge stattfinden werde, weil man die jüdischen Christen für den Gesang nicht entbehren konnte und voraussetzte, daß sie an dem Gesang in der Synagoge Theil nehmen würden. Aber die Christen irrten. Die jüdischen Christen erklärten freiwillig, in der Kirche singen zu wollen. Sie blieben also nicht nur der Synagoge fern, an deren Feier Theil zu nehmen diesesmal sogar jedem Juden Ehrenpflicht hätte sein müffen, sondern störten auch noch die Ausführung des projectirten Synagogengesangs und machten in letzter Stunde eine Aendecung de» Programm» nothwendig. Abgesehen davon, daß eS uns niemals erlaubt sein kann, thätigen Antheil an dem christlichen Gottesdienste zu nehmm, verherrlichten sie diesen sogar und Hintertrieben die Verherrlichung deS jüdischen Gottesdienstes. Wir überlassen Jedem die Charakter risirung einer solche, Handlungsweise. — In der Synagoge zu Bingen soll der Gottesdienst sehr schön und von Instrumental-Musik begleitet worden sein. Warum entschließt man sich dort nicht zu entschiedenerem Vorgehen, und stellt ein Instrument in der Synagoge auf? — In unserer eigenen Synagoge war da« > geräumige Gotteshaus von frommen Besuchern angefüllt. Der Gottesdienst bestand aus deutschen Gesängen, Predigt und Gebet, dem «in hebräisches Gebet (ruoj nniJD) und ein von der ganzen Gemeinde gesprochenes Kaddisch für die Opfer deS Krieges und ein festliches Vaterlandslied als Schlußgesang folgte. Die zahlreichen Anwesenden waren sichtlich erbaut. Der Gottesdienst war, wie jeder andere festliche Gottesdienst von einem ergreifenden Präludium auf dem Harmonium , das von unserem 13jährigen Organisten, Emil Oppenheimer, trefflich ausgeführt wurde, würdig eingeleitet. Jugelhetm, 22. Juni. Zum allgemeinen deutsch-israelitischen Lehrerverein haben sich ferner angemeldet: Weil aus Reilingen bei Schwetzingen; Jaeobsohn, Lehrerin Lützelsachseu a. d. Bergstraße, Schreiber, Lehrer in Weinheim, Rosenbusch, Lehrer in Hemsbach, M Blumenthal in Hungen, Gustav Meier in Bayerthal bei WieSloch, Hosch and Weintraub aus Neisse. SteinbaÄ», bei Gießen, 2. Juni. Sie haben leider noch so häufig von Ausbrüchen der Intoleranz, die sich bald in Oberkirchenräthlicken Erlaffen, bald f in rumänischen und russischen Judenverfolgungen Luft zu machen suchen, zu berichten, daß es Ihnen vielleicht erfreulich fein dürstes. auch einmal von einem Zuge reiner Menschenliebe und edler Humanität zu hören und vielleicht verdient Nachfolgendes ein Plätzchen in Ihrem geschätzten Blatte: In Burkhardsfelden, einem Dorfe im Kreise G'eßen ist diese Woche eine alte, arme, kranke und fast vollständig erblindete jüd. Frau gestorben, welche fünf volle Jahre derart an oaS Lager gefeffelt war, daß sie, unbeholfen wie ein Kind, nicht im Stande gewesen wäre, auch nur einen Tag ohne fremde Hülse das Leben zu stiften. C h r i st l i ch e, arme, aber brave Handwerksleuten haben sie in der ganzen Zeit wie eine geliebte Anverwandte gehegt und gepflegt und mit bewunderuöwerther Sorgkalt rein gehalten: ES ist eine schwie ige Aufgabe fünf Jahre Krankenpflege zu üben, selbst bei Angehörigen; und nur die reinste Li'be vermag eS, hingebungsvoll diesem schweren Berufe sich zu widmen. Um so mehr verdient es alle Anerkennung, wenn fremde Leute ohne jede Aussicht auf irdischen Gewinn sich diesem schwierigen Berufe mit so großer Hingebung unterziehen. Dank im Namen der Menschlichkeit diesen wackeren Leutm! Goldschmidt.