Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 26 (28.6.1871)
- Date
- 1871-06-28
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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202 nügen, ihre Zukunft, die Zukunft ihrer Gemeinde nicht gefährden will, muß sie -sorge tragen, daß ein solcher Unterricht in diesem Umfange allüberall ertheilt und zwar tüchtig und sachgemäß ertheilt werde. In der einklassigrn Volks- ' und ReligionSschule, und wo die Kinder verschiedenen Alters sonst beisammen unterricktet werden, mag für den hebräischen- und Geschichtsunterricht. eine Theilung der Stunde zulässig und dringlich sein. Zn diesem Falle erlaubt auch die gewöhnlich kleinere Kinderrahl eine solche Der-, Minderung. Wo aber die betreffend« Klasse nicht durch Lheilnahme und Anschluß an die niedrigeren Klassen Ersatz bekömmt, ist eine Abminderung unzulässig. Hier ist auch Concentration des Unterrichts am Platze. Die verschiedenen Theile deS doch im Geiste und im Zwecke einen Unterrichtsgegenstandes müssen zusammenpassen, auf einander Bezug nehmen, .sich gegenseitig ergänzen. So kann beim Pentateuchübersetzen die Erzählung des geschichtlichen Ereignisses, die daraus sich entwickelnde Religionslehre, das Religionsgebot atigeknüpft werden. Wa S im Einzelnen und w i e unterrichtet werden soll, kann hier nicht besprochen werden. Wir glauben jedoch mit Bestimmtheit anuehmen zu dürfen, daß ein Verständniß deS größten Theil des Pentateuchs geschichtlichen und gesetzlichen Inhalts und der allgemein üblichen, gewöhnlichen Wochen, Sabbat- und Festgebete mit Ausschluß etwa einzelner allzuschwieriger Psalmen und selbstverständlich mit Ausschluß aller Piutim und dergleichen wohl erzielt werden kann. Der Unterricht in der ReligionSgeschicht« reicht bis aus unsere Zeit; der systematische Religionsunterricht schließt, sich an ein gutes ReligioaSbuch an, dessen wichtigste Lehrsätze mst Begleitstellen, auch Behufs der Confirmandenprüfung, wörtlich auswendig zu lerne« sind. Wir werden auf diese Weise wohl keine jüdischen Gelehrten, keine „Talmudbeflissenen" erziehen. Da« ist aber auch ni-t die Ausgabe der Volksschule, unter welcher wir allerwege di« Schule bis zum 14. Lebensjahre, bis zur Confirmation,mitinbegriffen haben wollen. Wir »ollen damit nicht sagen, daß ein solcher, weitergrhender Unterricht auch des Laien — das Judenthum hat ja eigentlich keine Laten — für deS Judenthum und die jüdische Gemeind« nicht höchst erwünscht wäre. Aber dem tritt bis zu dem genannten und hier einzig iw Betracht kommende» Lebensalter der Begriff und das Bedürfniß der Schule und die Pädagogik entgegen; und für das höhere Lebensalter — spricht da»« wohl daS Bedürfniß des Lebens sein gewichtiges Wort: 0.1 D'3iD deeiv' oia. Was wir erreichen und erreichen müssen, ist die Kenntniß deS hehre« LehrinhaltS unserer heiligen Religion, ist di« Vertrautheit mit der religiösen Uebu»g. Der so erzogene und unterrichtete JSraA'te wird lebendigen Antheil nehmen können — und wenn der Unterricht entsprechend und ansprechend, ernst und gut war, auch nehmen wollen —, am religiösen Leben; er wird wohl Nicht überfüttert sein mit talmudischem unverstandenem und unverdautem Wissen» das leider so viele, auS bekannten Lehranstalten hervorgehende Jünglinge zu Idioten oder zu O'onp'B« macht, die, eben weil sie überfüttert wurden mit unverdaulicher Kost, aus EckelA ll e s abwerfen, sobald sie nur können; aberwir «erden auch dem JodifferentiSmuS, welcher Alles religiöse Leben zu zerstören droht, einen Damm entgegenstell««. Wir werden Juden erziehen, welche theilnehmen können am religiösen Leben in Synagoge und HauS — und die Lehre wird nicht schwinden aüs Israel. — Wir wollten diesem Lehrplane einen Stundenplan für eine einklajsig« israelitisch« Volksschule beifügen. Aber dieser liegt in diesem Augenblicke Mtserer Schulbehörde zur Genehmigung vor. Sobald diese erfolgt sein wird, werden wir nicht versäumen, ihn mittelst dieser Blätter als Nachtrag zu veröffentlichen und vielleicht noch einige erläuternde Details beifügen. Hleber Anschauungsunterricht und Sinnenbildnng. Von Joseph Oppenheim, Eankor und Lehrer zu Rodenberg in der Provinz Hessen. (Fortsetzung.) An di« Betrachtung der Pflanzen reiht sich die der Thiere. Man wähle vorzugsweise Schirecke« (wegen ihrer Häuschen), Käfer und Schmetterlinge, dych ist keine Thiergattung ausgeschlossen. Bei den Schnecken mache man auf die Windungen und Farben ihres Gehäuses aufmerksam. Haben die Kinder das über die Bildung des Gesichtes von den Farben Gesagte gehörig begriffen, so wird man mit Vergnügen unterrichten können. Da der Anschauungsunterricht ein formaler UnterrichtSzweig ist und ohne jegliche materielle Beimij<9ung sein soll, so kommt eS bei Betrachtung der Naturkörper nicht darauf an, ob die Kinder deren kennm lernen, sondern daraus kommt eS an, daß sie beobachten und «ahrnehmen lernen. Die hohe Freude und der Reiz de» Naturforschers besteht darin, daß er, je mehr er sich darauf versteht, immermehr vollkommener und bewunderungswürdiger die Natur fiudA. Luch unsere Schüler sollen fühlen, daß Jk