Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 26 (28.6.1871)
- Date
- 1871-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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tx IsrselitiMe KMrer. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andek. - - Organ für den Verein „Achawa." M 26. ~ De» 88. Jun« 1871. 11, jaütflang. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher Abonnementsprei« 40 kr. — N>/r Sgr. Anzeigen zu 1 Sgr. die Pet»,eil« Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Mit der nächsten Stummer beginnt das 3. Quartal unserer Zeitschrift und bitten wir fteundlichst um ungesäumte Erneuerung der Abonnements bei den Postanstalten. Der Herausgeber. Kin Lehrplan für die füdische Schule und die Referate über die der ersten lsraelitischen Synode zu Leipzig überreichten Anträge. (Schluß.) Wir kommen zur Oberklasse. Sie umfaßt Knaben und Mädchen vom 13. und 14. Jahre, das 7. und 8. Schuljahr. Hier tritt allerdings der Umstand in den Vordergrund, daß die Kinder auch nach anderen Seiten hin vielfach durch ausgedehnteren Unterricht und Uebung in Anspruch genommen werden — oft leider durch Mißverstand ihrer Ellern und Lehrer über ihre Geistes- und Körperkraft hinaus. Sind auch dir Kräfte gewachsen, so sollten ste doch nicht allzusehr zersplittert werden. Doch — wir predigen da stauben Ohren. Die Seichtheit des Unterrichts, die dadurch veranlaßte Ueberfütterung und Blastrtheit der Kinder, welche die Talente ersticken, sind eine Calamität unserer Zeit und wir müssen eS der Vorsehung und dem Eindringen pädagogischer Grundsätze ins Volk und — in die sogenannten höheren Anstalten . überlasten, Aenderungen in dieser Beziehung herbeizuführen. Hier tritt auch die Verschiedenheit der Lehranstalten noch mehr in den Vordergrund. In dm ländlichen israelitischen Volks-, Elementar- und ReligionSschulen habm wir mit dem sehr große Mißstande zu kämpfen, daß die Schüler uch nach und nach verlierm — in Realschulen, Gymnasien und höhere Töchterschulen übertreten. Hier, in diesen s. g. höheren Schulen ist der Religionsunterricht fakultativ, der jüdisch« ReligionSlehrer ein — Nebenlehrer. Wie daher in zwei Stundm wöchentlich, welche diesem wichtigsten Unterrichtszweige, von dem gerade in dieser Zeit „Leben und T o d" abhängt, gewöhnlich gewidmet werden, die Kinder mit einer Sorte von Religionsunterricht oftmals traktirt werden, davon können wir im vollstm Sinne des Wortes Schauerlich es erzählen. Wir können uns jedoch, so nahe eS uns auch liegt, hier nicht damit aufbalten, zu zeigen, wie es ist; unsere Aufgabe ist eS nur, zu sagen, wie es sein müßte, wenn dieser Unterricht seiner Bedeutung entsprechend aufgefaßt werden und dem Bedürfniste und seiner hoben Aufgabe genügen soll.- Wir brauchen in dieser Zeit für die Mädchen 3, für die Knaben 4 Religionsunterrichtsstunden. Die Mädchen nehmen keinen Antheil am Pentateuchübersrhen — daS ist auch jetzt noch unsere Ansicht, für die wir in früheren Jahren unsere Gründe entwickelt haken. Man ist zwar in neuerer Zeit, wie in der Frauenfrage überhaupt, so auch in Beziehung auf den Unterricht der Mädchen vielfa^ zu anderen Ansichten gekommen; man verlangt auch für diese, wie man sagt, einen strengeren, der VerstaudeSentwicklung entsprechenderm Unterricht. Aber, wie diese Ansichten im Allgemeinen ftck unserer Meinung nach noch nicht genügend geklärt hiben, so auch in diesem Betreffe. Also wöchentlich 1 Stunde Pentateuch-' und eine Stunde Gebetübersetzen; das letztere hier zugleich Kenntniß der Liturgie umfastend, da die Kinder mit den religiösen Uebungen und Gebräuchen, mit dem Gottesdienste für Wochen- Sabbat- und Festtage bekannt gemacht werden müsten. Sodann «ine Stunde ReligionSgeschichte und eine Stunde systematischer Religionsunterricht. Es ist das Minimum, das wir hier verlangen. Wo die Religionsgemeinde ihrer Pflicht ge-