Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 25 (21.6.1871)
- Date
- 1871-06-21
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896751-5428704-5433806--3447-4899691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
196 — „att man es sich erst recht gemüthlich machen wollte/ sich Morpheu» Armen zu überliefern, um recht früh am andern Morgen sich auf die Heimreise begeben zu köunen. Dem verehr!. Vorstand« und der Gemeinde Bonn wird hiermit, wir glauben im Namen derConferenz hierzu berechtigt zu sein, für den der Conferenz bereiteten „gemächlichen Abend* der Dank derselben öffentlich ausgesprochen, und schließen wir unfern Bericht mit dem Wunsch« de« Präses —: „Auf recht zahlreiches Wiedersehen im Jahre in Neuß!" ' N. WolfSdorf. MrLer Anf«ßayrmgs«»terricht und Sinnen- - M!»««. Von Joseph Oppenheim, Cantor und Lehrer zu Rodenberg in der Provinz Hessen. (Fortsetzung.) Der Anschauungsunterricht der Empfindungen, welch« der Geruch und Geschmack vermittelt, schließt sich an die schon vorhandenen Begriffe der Kinder an und verlangt kein« besondere Lehrmittel. Zwar könnten wir Pfefferkuchen, Mandeln und Bonbons dazu gebrauchm — doch habtzm^wir kein Geld dazu. Man könnte Geruch und Geschmack ganz übergehen, wenn e« nicht darauf aukäme, in-den spätem Anschauungsübungenden Geruch und Geschmack mancher Körper zu bestimmen. . Jetzt stehen' wir am Ende der Anschauungsübungen der einzelnen Sinne und gehen zu denjenigen Anschauungsübungen über, -welche alle Sinne in Anspruch nehmen. Da ohne wirkliche Wahrnehmung von Dingen keiu Anschauungsunterricht möglich ist, so sehen wir uns nach Lehrmitteln um und wählen zunächst die billigsten: Minerale, Pflanzen und Thiere. Hier hat der Lehrer vollkommene Freiheit, zu wählen, was ihm gutdünkt. Beispielweise wähle mau das Kochsalz. Lehrmittel sind einige vollkommenere Salzkrystalle. . — Zunächst spricht der Lehrer von der Farbe des Kochsalzes. Er gehe, aber nicht zu schnell darüber hinaus, denn der Begriff der weißen Farbe ist sehr relattv. Dann spricht er von der Körperform der Krystalle. Die früher erwotbenen Kenntniffe kommen trefflich zu Statten. Man kann fast examinatorisch verfahren und Fragen wie diese thun: „WaS für eine Körperform ist ein Salzkrystall? (Eine Pyramide.) Welche Figur bildet die Grundfläche? (Ein Viereck.) Was für et» Biereck ist'S als»? (Ein rechtwinkeliges Viereck.) Wie stad die Seiten der Grundfläche hinsichtlich ihrer Länge? (Gleichsettig.) Wa» für ein Viereck ist'S demnach? (Ein gleichsemgeS.) Vorhin sagtet ihr, die Grnudfläch« sei ein rechtwiakeligeS Viereck; jetzt sagt ihr, sie sei ein gleichsetttgeS. Bereinigt beide Antworten! (Die Grundfläche ist eia gleichseitiges, rechtwinkliges Viereck.) Wie viel Außenflächen hat der Salzkrystall? (Bier Außenflächen.) Welche Figur bildet jede Außenfläche? (Gn Dreieck.) Wie find die Winkel dieses Dreiecks? (Sie sind spitz.) Benennt das Dreieck nach diesen Merkmalen näher! (ES ist ein spitzwinckeligeS Dreieck.) Wie find die! Setten deffelben hinsichtlich ihrer Länge? (Sie sind gleich lang.) Was für ein Dreieck ist'S demnach? (Ein gleichfeittgeS Dreieck.) Wie viel Linien gehen von jeder Kante der Grundfläche aus? (Drei Linien.) Wie viel Linien gehen von der Spitze der Salzpyramide aus? (Bier Linien.) Da der innere hehle Raum die negattve Außenseite ist, so laffen sich alle vorigen Fragen, auf den innern Raum angewendet, wiederholen. Gehör und Geruch vermitteln keine Wahrnehmungen über Kochsalz. Sie gehen daher leer aus. Die Oberfläche des SalzkrystalleS zeigt kleine Erhabenheiten, welche durch das Gefühl bestimmt werden müffen, da daS Auge sie nicht zn erkennen vermag. Hier haben wir also einen Fall, bei dem die Fingerspitze klüger ist als das Auge. Endlich läßt auch der Lehrer die Kinder dg» Salz schmecken ' Andere mineralisch« Lehrmittel, die tu vielen Gegenden leicht zu haben sind, sind Jurakalk, Grauwacke, Schwefelkies, Steinkohle, Kohlensandstein, Bergkrystall, Quarz. Mergel und Granit. Hiervon wähle der Lehrer au« und bespreche dieselben in oben angegebener Weise. Nach den Mineralien kommen Pflanzen an die Reihe; doch wähle man solche, welche eine deutlich ausgeprägte Physiognomik haben. Von vielen Pflanzen wähle man nur die Blätter und Blüthen. Besonders gut wird e« sich erweisen, wenn man die Blätter unserer deutschen Waldbäume auf zwei Papptafeln klebt, und zwar auf die eine, die obere, auf die andere die uutere Seite des Blattes. Ebenso könnte man auch unsere einheimischen Pflanzen in mehreren Repräsentanten von verschiede^ nen Entwickelungsstadien jeder einzelnen Art auf Pappe kleben, um die Kinder auf die einzige BrwegungSart der Pflanzen, Wachsthum genannt, aufmerksam zu machen, um sie daS Pflanzenlebea bemerken zu laffen. (Fortsetzung folgt.) /