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Der israelitische Lehrer · 1871-06-14 · 24 (14.6.1871) · p. Seite 190

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
24 (14.6.1871)
Date
1871-06-14
Page
Seite 190 (sequence 6)
Language
German
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— 190 — zeigt, daß sie ein Herz har für das Vaterland, daß ihr der Boden, auf dem sie geboren, als heilig gilt. Run aber wird es endlich einmal Zeit, daß wir auf unserem Scheine. bestehen, unser Recht geltend zu machen. (Bravo.) Gerecht wollen wir sein, uud ich benutze gern die Gelegenheit, um die Diskussion zu berühren, welche mehrfach entstanden ist, und in welcher besonders außer deutsche Glaubensgenossen geltend machten, daß di« Franzosen in der Thal die Menschenrechte proklamirt haben, daß ihnen also sich unsere Sympathieen zuwenden müßten. Aber dagegen wollen wir das Eine nicht vergessen: Ein Volk, das eine Revolution macht, bricht mit der Vergangenheit, es kann daher die socialen und die gesetzlichenBerhältnisie auf neuen Grundlagen ausbauen, und so konnte dies in Frankreich geschehen. In Deutschland entbrannte erst seit 1848 eine Revolution und zwar in sehr gemäßigter Weise. Als aber die freigewählten Vertreter des Volkes in Frankfurt tagten, haben sie sofort die Menschenrechte proklamirt und volles gleiches Recht für Alle. Das wollen wir nicht unterschätzen. . Wenn aber nach den ersten Befreiungskriegen nicht ay« Verheißungen und nach 1848 nicht alle Versprechungen dem deutschen Volke erfüllt wurden, — sollen wir uns beklagen, daß wir mit dem deutschen Volke gleichfalls verloren, was für uns errungen war? — — Wo seit jener Zeit eine freie Vertretung irgend eines Volksstammes wieder getagt, hat sie überall vollkommene Gleichberechtigung aller Confessionen verlangt. Zm deutschen Reichstage find es sogar unsere Erz-Gegner (die Ultramontanen) gewesen, welche sich auf dieses Princip der Frecheil und Gleichheit aller Confessionen berufen haben. Heut zu Tage wagt man gar nicht mehr, dies Princip anzutasten. Da aber, wo Minoritäten, Rückwärtsströmungen von oben oder von unten, Bestrebungen privilegirter Klassen, junkerlicher und geistlicher Körperschaften immer noch die Ausschließung wollen, wo sie sich sogar in die Regierung eindrängen, selbst da läßt sich zuversichtlich hoffen, daß der Geist der Nation durchgreifen wird, und daß. diese Strömungen ohne Einfluß auf das groß^ Ganze bleiben werden; und die Reform wird durchgeführt werden trotz der Mühler und Consorten. (Bravo.) Eine deutsche neue Verfassung ist entstanden, das Symbol der Einheit ist in einem deutschen Kaiserthum geschaffen worden. Auch dieses ist nicht fremd dem jüdischen Geistern» es besteht eine alte Uebcrlieferung, die in dem Buche „Heilsverkündcr" aus dem Jahre 1492, von einem sehr bekannten jüd. Schriftsteller, Don Isaak Abarbanel, der unter Ferdinand den. Katholischen in Spanien Minister war, niedergetegt ist. „„Wenn ein deutsches. Kaiserthum gegründet wird, unabhängig von Ronl und von Frcuckreich. so wird cs den Beruf haben, die messianische Zeit in's Leben zu rufen."" Und diese Tradition hat sich erhalten bei.oen deutschen Juden. Herr Kohner präcisirt die Aufgabe des Gemeindebundes dahin: 1. Vertretung der Jnteresien des Judenthums und der Judenheit bei den Regierungen und den Fac- - toren der Gesetzgebung. 2. Gegenseitiger Austausch an Erfahrungen in der Verwaltung. 3. Organisation der Armenpflege mit Beseitigung der Wanderbettelei durch zweckmäßige Wohlthätigkeit nach außen. 4. Schaffung eines zweckmäßigen Systems der Pensionirung unserer Gemeindebeamten ohne Unterschied der religiösen Richtung. 5. Förderung der „Alliance Jsr. Univ." Der Redner äußert sich nun besonders über die Armenpflege und verlieft schließlich die Namen der Gemeinden, welche bereits beigetrcten. Es find dies folgende: Nürnberg, Nienburg, Aachen, Dresden, Hildeshcim, Alsfeld, Hildburghaujen, Eisleben. Lyck, Schwerin, Postelberg, Preuß. Rtzoden, Oppeln, Emden, Prag. Teltsch, Leobschütz, Schönebeck, Linz, Erfutt, Leipzig, Neubrandcnburg, Potsdam. Barchfeld, Glatz, Frankenstein. Braunschwelg. Görlitz, Bleicheroda, Pleschen. Schweidnitz, Caffcl. Ascherslcben, Breslau, Hirschberg, Hannover. Hamburg, Walldorf. Königsberg (Zustimmung der Repräsentanten noch ausstchend), Glogau, Magdeburg, Baiersdorf. Zirndorf, Grünberg. Mengeringhausen, Bernstadt, Berlin, Bochum, Schippenbeil, Nordhausen. Neuwied, Tann, Rackwitz. Eichstetten, München, Stettin, Deffau. Herr Aron aus Stettin wünscht, ohne den Beitritt von 10V Gemeinden abzuwatten, jetzt schon Constituirung des Bundes, da die Höhe der zu leistenden Beittäge die einmal beigettetenen Gemeinden nicht abschrecken würde, und behält sich Vorschläge «egen der Wandcrbettelei vor. Herr Advocat vr Calm aus Bernburg, jetzt am Bundesoberhandclsgericht hier, bringt Berlin an Stelle Leipzigs als Sitz des Centralcomites, von welchem aus die Agitation für den Gemeindebund zu unternehmen sei, in Vorschlag, wogegen HerrProseffor vr.Lazarus aus Berlin Älärt, daß der Berliner Gemeindevorstand die Sache wohl schwerlich in die Hand nehmen werde, da er regelmäßig bei verschiedenen allgemeinen Angelegenheiten, in denen er sich an die deutsch -israelitischen Gemeinden, insbesondere des preußischen Staates, gewandt, sehr ttaurige Erfahrungen geniacht habe. Er beklagt in lebhaften Ausdrücken, daß den deutschen Juden der Sinn für ihre allgemeinen Jnteresien abhanden

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