Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 24 (14.6.1871)
- Date
- 1871-06-14
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4896751-5428704-5433804--3439-4899684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
) — 189 Kindes, das Gebrüll eines Rinde» benutze ich in der Regel, um die Kinder zu fragen, woher der Schall komme ». f. w. Nächst Sehen und Hören ist das Gefühl der wichtigste Sinn. Die Organe diese» Sinnes sind di« Nerven. Zch habe in meinen Schulen die Bemerkung gemacht, daß die Kinder höherer Stände ein viel auSgebildetereS und feineres Gefühl besttzen, als die der niederen Stände. Findet man ein Kind gebildeter Eltern mit schwachem Gefühlsstnne, so kann mau wenigsten» nach meiner Erfahrung annehmen, daß eS dumm ist und wenig lernen wird. Beiläufig erlaube ich mir auch zu bemerken, daß zwischen moralischem und physischem Gefühle der Kinder eine merkwürdige Harmonie statt - findet. In Blindenanstalten wird der GefühlSstnn sehr ausgebildet. In unserer Volksschule, welche nur vollfinyige Kinder aufnimmt, ist vaS weniger nöthig. Man kann sich daher nur auf einige Uebungen über Temperatur, Rauheit, Schwere und Härte beschränken. Kälte und Wärme, oder besser eine größer« oder geringere Wärme, (denn das Maximum der Intensität der Aetherbewegungen — Warme — sowie die gänzliche Ruhe des AetherS — Kälte — kennen wir nicht) kann jede» Kind unterscheiden. Uebungen über das Txmperaturgefühl werden in der Regel nach der An^rfift der Schüler angestellt. Man bedient sich hierbei des Ther-- mometers und läßt die Kinder eine muthmaßliche Schätzung des Temperaturgrades machen. Ebenso kann man auch zuweilen nach den Wärmegradm.des Zimmers fragen. Die Begriffe der Kinder über Rauheit, Glätte, Härte und Schwere werden an Scherben, Brettchen, von deutschen Holzarten, Metallstückchen u. s. w. berichtigt und vervollständigt. ES versteht sich von selbst, daß jedes Kind in der Klaffe diese Körper berühren muß. ' (Fortsetzung folgt.) Der deutsch-israelitische Kemerndebund. Leipzig. Mai 1871. Der Bericht über die „Versammlung von Mitgliedern deutsch-israelitischer Gemeinden," die Gründung eines Gemeindebundes betteffend, abgehalten am 20. April 1871 während der Ostenneffe in der Synagoge zu Leipzig ist nach stenographischer Niederschrift erschienen. Wir können uns auf einen Auszug beschränken.») Der Vorsitzende, Herr Moritz Kohner bezicht sich in seinen einleitenden Worten auf die Ereigmffe dieses Jahres, die die Propaganda für den deutsch-israelitischen G emeindenbunö hemmten, glaubt jedoch, „daß gerade durch den großen Kamps, den wir gekämpft haben, ein gwßer Schritt nach vorwätts gcchan ist auch iwdicsem unserem Vorhaben. Wenn schon im Allgemeinen große Ereigniffe die Menschen höher spannen, fic höher stimmen, sie empfänglicher machen für große Ideen, so ist eben in Folge dieser Ereigniffc in unserem ipeciellen Falle die gesammte deutsche Judenheit aut einen ganz anderen Standpunkt gelangt, als vor einenl Jahre. Damals gab es iwch eine gewiffe Zurückhaltung zwischen Süd und Nord, damals konnte inan sich noch fragen:^ Wird es zu einem großen Gelingen kominen, wenn auch" Einzelne ihre Kräfte anftrenge» * Heute sagen wir: „Wenn gelungen ist, das deutiche Vaterland einig zu machen, so iverden wir auch die Judenheit einig machen; wenn diese große, Jahrhunderte schwebende Frage gelöst ist, so werden io und so viel hundert jüdischen Gemeinden doch auch zur Einheit zu bringen sein; die Zurückhaltung zwischen Nord und Süd hat sich gelöst. Dieses durch die weltgeschichtlichen Ereigniffc geförderte Gefühl der Gemeinsamkeit im Vaterlande ist also ein Gewinn für unser Vorhaben. Es zeigen sich auch bereits die Spuren davon, wie ich Ihnen ziffermäßig beweisen kann. Während voriges Jahr unsere Arbeit bei der Zahl von 46 beigetretenen Gemeinden unterbrochen wurde, ist diese Zahl jetzt auf 58 gestiegen." Jin weiteren Verfolg seiner Rede zeigt Herr Kohner auf den Umstand hin. daß „gerade die jüngsten Zeitereignisse bewiesen, wie iwthwendig eine Eenttalvertretung des deutschen Judenthums geworden." Die Angelegenheiten wegen jüdischer Feldprediger. Statistik der jüdischen Soldaten, Mazzes für die am Pesach im Felde liegenden Soldaten und zuletzt der Protest gegen den Oberkirchenraths erlaß konnten aus Mangel an einer solchen Eentralvertretung — nurdurch Private angeregt werden! Wir haben große Opfer gebracht, die deutsche Judenheit hat bewiesen, daß dasWaterland ihr theurer ist, als ihre besonderen Interessen, sie hat das auch schon während des ersten französischen Krieges gethan, als die „Nation der Freisinnigkeit", die man eine „Missionare Nation" nannte, ihr die Menschenrechte darbol, auch damals hat die deutsche Judenheit ihr Leben eingesetzt für die Befreiung des Vaterlandes von der Fremdherrschaft, sie hat ge- *) Abdrücke des ausführlichen Berichts sind demRcdacteur dieser Zeitschrift in einer größeren Zahl zur Verfügung gestellt und bitten wir diejenigen Herren, welche sich dafür interessiren, solche bei demselben zu erbitten.