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Der israelitische Lehrer · 1871-06-14 · 24 (14.6.1871) · p. Seite 188

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
24 (14.6.1871)
Date
1871-06-14
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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— 188 — Manche» Lindern geht bei aller Schärfe des Gesichtssinnes der Farbensinn ab. Merkvürdige Beispiele kann man inder Gothe'schen Farbenlehre und in Werken über Physiologie finden. Ich bediene mich zur Farbenerklärung einiger großen Tafeln, welche, in 8. 8-64 vier Quadratzoll mesieude Felder eingetheilt sind und ganz daS Aussehen eines Damenbrettes haben. Zn der obersten Reih« ist daS erst« Feld roth, daS dritte gelb, da» fünft« blau und das siebente violett; in der zweit.« Reihe das zweite Feld orange, daS vierte grün, daS > sechste indigo und da» achte weiß. Die dritte, fünfte and siebente Reihe entsprechen genau der ersten und die vierte, sechste und achte der zweiten, doch nimmt die Intensität der Farbenhelligkeit nach unten immer mehr ab. Man kan» daher mit dieser Tafel, außer weiß, welches keine Steigerung zuläßt, acht Farben mft je vier verschiedenen Hellungen unterscheiden. Die leeren Felder «erden bei einer Tafel weiß gelasien, bei der anderen bagegen schwarz colorirt. Diese schwarzen oder weißen Felder verhindern ein Zusammenfließender Farben und eine physiologische Farbentäuschung. Mit einer solchen Tafel kann man die Kleinen wenigsten» acht Stunden auf die angenehmste *nb belehrendste Axt unterhalten, da die Farben einen fd großen Reiz für das Lind haben. Wer hat es noch nicht erfahren, daß die elendeste Aquarellfarbenfudelei da« Lind mehr ergötzt, als der beste schwarze Kupferstich? Hieran schließen sich die Hebungen über Lichtstärke, welche aber zur Nachtzeit anzestellt werden wüsten. Da wir unsere Linder jedoch zur Nachtzeit nicht unterrichten, so wüste» wir leider von Uebungen über Lichtstärke absehen. Doch mache man die Linder über die Lichtstärke der verschiedenen Mondphasen, der Fixsterne, auf das Sonnenlicht und Lerzrnlicht aufmerksam.. Die Uebungen über Form werden an planmetrischen nnd stereometrischen Formen augestellt. Ich gebrauche folgende: die wagrechte, senkrechte und schräge Linie; den spitzen, srechten und stumpfen Winkel; die Schneckenlinie, Schlangenlinie, den Kreis; das Quadrat den Rhombus und Trapez; die Kugel, Walze; dm Cylinder, Kegel, Pyramide» PriSma u. f. w. An diese Uebungen reihen sich am besten die Uebungen der Größeverhältniffe. Man kann die genanntm geometris-en Figurm am besten hierzu verwenden, doch mußjede Figur in verschiedmm Größe dargestellt werden. — Ich brauche doch von der hohen Wichtigkeit dieser und der vorigen Uebung kein Wort zu sagen? — Die Uebungm über Bewegung werden an den Körperbewegungen vorgenommea. Ich mache die Bewegung mit mündlicher Angabe der Thätigkeit vor und fordere die Kinder zur genauen Nachahmung auf. Bei keiner Uebung fand ich meine Kleinen so aufmerksam, als bei dieser. Bei mehrmaliger. Uebung kann man die Linder dahin fbringen, daß sie wohl eine halbe Stunde lang ohne Sprechm des Lehrers, nur durch destm Lopf-Arm-Hand- und Fingerbewegungen veranlaßt werden, alle vorgenanntm Uebungen nachzuahmen und gleichzeitig da«'Nachgeahmte za erzählen. Alle vorgenannte Uebungm werden jetzt wiederholt. Allmälig nimmt der Lehrer einen immer entfernteren Standpunkt an, wen« es das Zimmer erlaubt. Hierdurch erhalten die Kinder Uebung, auch in größerer Entfernung noch dmtlich wahrzunehmen, wa» sich namentlich kurzsichtigen Augen sehr nützlich erweist. Die Uebungen des Gesichtssinnes siud abgeschlossen, nnd es kommen nun die Anschauungsübungen, welche das Ohr vermittelt, an die Reih«. Ehe der Lehrer beainnt, mache er sich zuvor mit der Anatomie und Physiologie de« Gehörsinnes und mit den -Gesetzen des Schalles bekannt. Wir unterscheiden mit dem Ohre Qualität?, Stärke, Höhe, Tiefe und Richtung de« Schalles. Daher haben wir es auch mit Anschauungsübungen der Qualität, Stärke u. s. w. zu thun. Zu AaschauuagSübungen über die Qualttät de- Schalles kann man alle beliebigen Dinge benutzm, welche einen Ton angeben: Scherbe«, Brettchen, Münzen, Rechenpfennige,'musikalische Instrumente u. s. w. Man mache Laute mit mehreren solchen Dingen und ftage die Kinder über die Eigeathümlichkeit des Schalle« jedes einzelnen Dinges. Namentlich gebrauche man Münzen und Rechmpfennige. Nach ganz kurzer Zeit sind die Kinder im Stande, ohne Hülfe des Auges zu beurtheilen, ob eine Gold- Sllber- und Kupfermünze klingt, ob es ein Thaler, Gulden, Silbergroschen, Vierhellerstück oder Heller ist. Dann mache man auch die Kinder auf unschöne Laute. Geklirr, Geraffel, Geschnarr u. s. w. aufmerksam. In der Beurtheilung der Stärke des Schalle« werden die Kinder am Geigentone oder auch am Münzenklange geübt. Man laste die Münzen aus geringerer oder beträchtlicherer Höhe auf ein trockenes.dünne« Brett fallen und laste die Kinder auf den Mang achten. Bald bringen es die Kinder dahin, ohne eS zu sehen, bestimmen zu können, ob der klingende Gef enfiand auö geringerer oder beträchlicherer Höhe heraballe. Ueber Höhe und Tiefe des Tones braucht man keine Anschauungsübungen auzustellen, da sie jdurch den Gesangunterricht überflüssig gemacht werden. AnschauungSübungen über die Richtung des Schalles können wegen der geringen Größe de» SchulzimmerS nicht vorgenommea werden. Doch hat man zuweilen gelegentlich Veranlassung zu diesen Uebungen. Das Brausen der Dreschmaschine, daS Schreien eine« i

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