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Der israelitische Lehrer · 1871-06-14 · 24 (14.6.1871) · p. Seite 187

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
24 (14.6.1871)
Date
1871-06-14
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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187 — find, sie zu besuche«. Die Volksschule wird dann immer und ewig da- Stlefkiud bleiben. Zleber A«stßammgs«aterricht «vd SinnmvMmug. Von Joseph Oppenheim, Cantor und Lehrer zu Rodenberg in der Provinz Hessen. (Fortsetzung.) Aehnlich erging rS auch de« großen Fröbel. Dieser halte die hohe Bedeutung de- Anschauungsunterrichtes erkannt, doch verirrte er sich in manches Unschöne. Er begnügte sich nicht, von seinm Schülern das Avgeschaute in einfacher Prosa aussprechen zu lassen, sondern beschwerte dieselben mit schrecklichen Lehrgedichten, welche alles Andere eher als poetischen Werth besitzen. Wie ganz anders würden seine Anschauungsübungen gewesen sein, wenn er nur einen leichten Anflug des Hag-Specter'schen Geistes besessen hätte! Hier eine Probe! An die Betrachtung be» SägenS und der Säge schließt sich ein Gedicht, welches in gereimter Prosa daS Holzsägen besingt, und welches, iudem e» drn Laut des Sägen« nochahmt, auf: „Schnischna, schnischna, schnischnaschuuckS/ endigt. Solche schöne Naturlaute (!) maßten auch noch die Kinder fingen! Wie konnte stch nur ein Eomponist finden, solches Zeug in Musik zu setzen! DaS sahen auch unsere den scheu Regierungen ein und verboten . die »Fröbelschen Kindergärten/ *) doch heißt daS, rin Kind mit dem Bade auSschüiten. Im Allgemeinen steht trotzdem Fröbel als Pädagog sehr hoch. Seine Anerkennung wird daher nicht auSbleiben, er wird noch der Held der Zeit werden. Denzel und Wrage find schon berührt worden. Sie brachten wenig Neues, doch verdankt der Anschauungsunterricht ihrer originellen Lehrform seine allgemeine Verbreitung. Denzel und Wrage riefen einen allgemeinen Feuereifer für drn Anschauungsunterricht hervor, der fich über gar bald durch das Erscheinen der kurhrssischen Schulordnung, der preußischen Regulative u. s. w. abkühlte, so daß, während früher der Büchermarkt, von Schriften über den Anschauungsunterricht überschwemmt war, seit 20 Zähren fast kein einziges Werk-über den *)? Deswegen doch wohl nicht. Rrdaction. Anschauungsunterricht erschienen ist. *) Freilich stellten sich viele Schulbehörden dem Anschauungsunterrichte feindlich gegenüber und versperrten ihm dm Weg in die Schule. Doch ist das kein güustigr« Zeichm für die Pädagogm, daß fie fich so gründlich zu« Schweigen bringen ließen. Ich könnte »S mir kaum! rrkiärm, wenn ich nicht jmm Feuereifer für eine! künstliche Ekstase hirlte, auf die nothwmdig eine um so gründlichere Erschlaffung folgm mußte. Da jedoch in nmerer Zeit nicht nur in Kurheffen, sondern auch in vielen anderen Staaten dem Anschauungsunterrichte wieder die Schulthür geöffnet ist, so ist es an uns, dahin zu wirken, daß wir weder der Scylla der'künstlichen Ekstase, noch der EharybdiS der Erschlaffung verfallen, sondern die glückliche Mitte treffen. Dann wird der Anschauungsunterricht recht fruchwiir werden, und wir werdm ihn als die Morgenröthe einer bessern Zukunft der Schule begrüßm Annen. Der Mensch erschaut nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit dem Gehör, Gefühl, Geruch und Gesckmack. Fünf Brückm führen zum Geiste. Hierauf ist beim Anschauungsunterrichte nothwendig Bedacht zu nehmen. Der Anschauungsunterricht zerfällt daher in Uebungm des Gesichts, Gehör», Gefühls, Geruchs und Geschmacks. Da jedoch erst alle 5 Sinne in ihrer Gesammtheit dm wahrnehmmden Menschen machen, so muß als sechste llebung ein organisches und planmäßiges, gleichzeitige» Uebm aller Sinne hinzutretm. Ehe der Lehrer die >Anschauung»übungen de» Gesichtssinne» anfängt, wird er wohlthun, sich erst mit der Anatomie and Physiologie de» Orggne» de» Gesichtssinne» vertraut zu machm, damit er eine genaue Einsicht davon hat, unter welchen Umständen da» Sehm erfolgt. Dann muß er auch wiffm, welches Medium (beim Gesichte da« Weltäther) es ist, welches die Empfindung der Außenwelt dem Auge zuträgt, u. s. w. Wichtig ist auch eine genauere, mathematische Kmntniß der Perspective. Mit dem Auge unterscheidm wir Farbe, Lichtstärke, Form, Größe, Bewegung und Entfernung. Die Gesichtsübungen zerfallen daher in Uebungm der Wahrnehmung der Farbm, der Lichtstärke, Form u. s. w. ES ist erstaunlich, wie unerfahren die meistm Kinder in der Farbenwahrnrhmuug sind. Kaum, daß sie die gewöhnlicheren Farben genauer zu erkennen im Stande sind, jede feinere Nüauce ist für sie nicht da. *) Doch nicht ganz richtig. ES erschienen noch in dm letztm Jahren sehr vorzügliche Schriften für den gesammten ersten Unterricht in der Schule, welche das früher ausführliche Fach des »Anschauungsunterrichts" mit berücksichtigm. So Klauwell, Kehr Und A.

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