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Der israelitische Lehrer · 1871-06-14 · 24 (14.6.1871) · p. Seite 186

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
24 (14.6.1871)
Date
1871-06-14
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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186 — daß sich fir die Confesfion»ff?Ule, die wir doch-allesammt so sehr perhorreSciren, eher eia inneres Motiv auffinden ließe, als für die Trennung nach rein äußerlichen zufällige» Berhältniffe», die heute bestehen und morgen hiuweggerLumt sein können. Die Consession kann auf den Inhalt, auf daS Material beim Unterrichte, ja auf die Methode influireu; der Stand der Eltern nie! Die Confeffion ist ein Factor im Geistes- und Gemüthckleben der Eltern «ad der Kinder und e» wird wohl wenig Lehrer geben, die im Ständefind, in ihrem lknkerrkchte in Hr Geschichte re. re. nicht ihre confesstonelle oder anticockfeft' fionelle Anschauung zu Grunde zu legen. DaS Jnnehalten eines streng neutralen Standpunkts ist auf dem Gebiete der Religion und Consession äußerst schwierig - — und doch sind wir in dem Streben nach Gmgung einig! Welche innere Motiv« aber könnten für die Trennung der Schüler »ach Stünden aufgebracht werden? Und müßten innere Motive nicht mit mehr Recht Berücksichtigung finden,- als äußere? Wir haben Gründe für die allgemeine Volksschule aufgeführt; es ist hier der Ort nicht, sie zu wiederholen. Der Streit ist entschieden.' Man lese z. B. die rheinischen Blätter März-Aprilhest. Schauen Sie nach Paris! Was dort zur Zeit geschieht, könnte nimmermehr vorkomme»/wenn ein energisch durchgreifendes Bitdungswesea jenen tiefiunerlichen Haß nicht anfkommen ließe, den der talentvoll«, aber armgeborne Sohn de« Arbeiter« in sich nährt von dem Augenblicke an, wo man ihn in »die Schule der Armuth* führt, - in die er ja ohnehin oft zeitlebens gehen muß, während der reiche Dummkops de» Nachbars in die »Schul« der Reichen" geht. ES* liegt so diel Ungerechtigkeit, Inkonsequenz Gefahr für die bestehende Ordnung der menschlichen Gesellschaft in diesem Gedanken, daß wir eS kaum begreifen» wie edle, wohlmeinende Schulmänner, die in de« Kampfe für die freie Entwicklung der Schule in Ehren ergraut sind, so etwazu vertheidigen wagen. ' — Ob daS Niveau der Gesammtbildung durch das Stündeschulwefen herabgedrückt wird? Keine Frage! Bedenke mau nur EineSl Man wird eben in die »Armenschulen* auch »Arwmlehrer* bringen, die, arm an Geist nnd in ärmlicher Stellung, im Kampfe mit ihrer eigenen Noth und mit der Noth der Kinder, die sie tagtäglich vor sich sehr», untergehen und nie die Kraft gewinnen, da» im Geiste reiche Lind de« armen Volke» zum Bewußtsein der in ihm liegenden Kräfte, Anlagen und Menschenwürde zu bringen. DaS Wort der jüdisch« Weifen,m.t«snuDDff D’\jy um nnn. »Nehmet bk Kinder der Armuth in Acht, denn von ihnen geht die Lehre, (die Erkenntnis) au«* hat sich in der Geschichte d^rMenschheit als eine hc^hfiMich<Idee vielfach bewährt. , Durchblättert man diese Geschichte, so wird man finden, daß nicht die Kinder der Großen und Reiche», sondern die der Dürftige», Armen, Strebe 'den die Pionire der Menschheit geworden. Wie viel Große« jist im Kampfe gegen da« Geschick geboren worden; wie viele der Besten .und Edelsten sind aber auch in solchen Kümpfen untergegangen! Dies alte Unrecht — sollen wir er jetzt sogar auf da« ureigenste «heiligste Recht des Menschen auSdehnen auf da» Recht Mer, aiTra öffentlichen Anstalten für DolkSbätdung 'Theil zu nehmen, um die Kräfte- und Anlagen zum Heile der Gesammtheit auSzubilden und zu verwerthen? Nur die Städte betrifft die Frage, meint der Redacteur der Allg. deutschen Lehrerzeitung und ist damit sehr im Irrthum. Sie trifft die kleinsten Orte, all» Kläffen der Gesellschaft. Hier find e» die Institute, die Unterklaffen der Realschulen, welche der Volksschule die besten Kräfte entzieh«. Für die Realschule und Gymnastm werdm für hundert Schüler so viel Tausmde aufgewendet, als für taus«d Schüler der Volksschule Hunderte! Wir mißgönnen den »höheren* Anstalten ihre Gunst nicht; e«. geschieht auch für diese noch lange nicht gmug. Aber — gleiche» Recht für Alle! Es ist aber nicht gleiche« Recht, wenn man besondere Elementarklassen für dies« Anstalten errichtet. So lange es möglich ish daß die besseren Stände ihre Kinder der »Berührung mit dem Volke*, der Volkschule entzieh«, wird eS ei« Lehrerproletariat geben. Und diese armen, an die Armen geknüpft«, nur mit den „ Miserables umgehenden Lehrer: sie werden nie die Kraft haben, Talente zu erkennen und zu erziehen, Ihre Leistungen werde« sich nicht erheben können über den leiblichen und geistigen Druck, der auf ihnen und ihren Schülern liegt. Die« einige, vom Theoretischen ganz absehrnde, praftische Gründe. ES ist zweifelsohne: der Schule kann nur geholfen werom, wmn das Niveau der Bildung sich durchgehende erhebt und das kann sich nur erheb« durch die allgemeine Volksschule. Wer dieser entgegenwirft, er mag wollen oder nicht, er wirft gegen die Hebung der Volksbildung. Die Frage der »allgemein« Volksschule* läßt sich vielleicht in der Theorie, nie aber in der Praxis trennen von der der allgemeinen »Volksbildung." Die Menschen, die Reich« und die Arm«, die Stadträth« und Schtücommissionen sind eben zumeist, wie sie stad; und nicht — wie sie sein sollt«. Sie werden für die Volksschule nur da» Nothwendigstr, oder auch dir« nicht thun, wmn ihre eigenen Kinder nicht gezwungen

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