Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 24 (14.6.1871)
- Date
- 1871-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr HsrMllüsclw Aekrer. Wochenschrift für die allgemein« Angelegmheil« des Judenlhums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andes. Organ sär den Verein „Achawa." J& 24 »«« i«. 3»nt 1871. -11. Zahrgäiiä. Wöchmtlich 1 Kummer «ierleljnhrlicher «bonnernenttprei« 40 fr. 11 r/2 Sgr. Anbergen }u 1 Sgr. die Petit,eile Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Me allgemeine deutsche «Fehrerzettung hat in ihrer achten Nummer dieses Jahrgangs, die wir erst kürzlich erhielten, einige Worte, die wir uns ge» g en die Gegner der „allgemeinen Volksschule" die Berste» ter der „Ständeschule", uns erlaubten,*) einer besonderen Beachtung gewürdigt. Wir hatten bei dieser Gelegenheit auch die Herren vr. Meier in Lübeck — irrthümlich schrieben wir Dr. Mayer au» Bremen — und Direktor Berthelt au» Dresden als Vertteter der Ständeschulen bezeichnet und da» hat nun die etwa» gereizte Äritif unserer Worte veranlaßt. Wir könnm nicht umhin, hier noch einmal auf unsere Behauptungen zurückzukommen und einige Erläuterungen allgemeinen ZnhattS zu geben. Zuvörderst halten wir es jedoch kür unsere Pflicht, hier mit Vergnügen zu constatiren, daß wir weit davon entfernt sind, die obengenannten hochachtbaren Herren und ihresgleichen zu denjenigen zu zählen, welche in bewußter Weise die allgemeine Volksbildung zurückführen wollen. Diese grave Beschuldigung wäre durchaus ungerechtferttgt. Wir wollten nur aadeuten, wohin die Bestrebungen für Erhaltung und Neubllduug von Ständefchulen unausbleiblich führen; wie sich chre Berteter — bewußt oder unbewußt — zu Werkzeugen der Bestrebungen der schwärzesten Reaktion machm, und wa» schließlich die Evnsequmz dieser Bestrrbungm sein dürste. / ES gibt analoge Fälle auf allen geisttgen Gebieten: in der Polittk, Religion u. s. f. Der junge Mann tritt mit edler Begeisterung, mit ganzer Ener- *) Zn unserem Artikel „Sendschreiben an einen christlichen Freund," Schluß des vor. Jahrgangs. > gie, rücksichtslos für die Idem de» Fortschritts ein, die in seiner Zeit die Geister bewegen. 6r entwickelt in sich diese Ideen, bringt sie in ein System', — und hält sie fest. Nach einiger Zeit und nachdem da» nachkommende jüngere Geschlecht die Consequenzen früherer Errungenschaften ziehen, also weitergreifen will, da doch die Welt n i e stille steht, sind diese Männer nicht im Stande, sich von einzelnen liebgewonnenen, in ihr feste» System eingeschlosienen Ideen und Gnrichtungen zu trennen; es entsteht der Mann deS Eentrnm», de« Schwankens, in der Polittk vor Jahren da» Gothaerthmn genannt; die ältere« Herren schrecke» zurück vor de« natürlichen Folgen und logischen Consequenzm ihrer ttgenen früheren Bestrebungen. Wir wollen gegen diese unleugbaren Erscheinungen nicht ankämpfen; e» geht unS vielleicht Allen selbst einmal so. Nur Wenige, von der Vorsehung ganz besonderbevorzugte, mit eiserner Energie und unerbittlicher Eonsequenz ausgerüstete Männer bilden in dieser Beziehung erhebende AnSnahmen, schreiten fort, so lange sie leben. So Dtesterweg. Sein Testament, wie man e» nennt, in Sachm der einheitlichen, allgemttnen Volksschule, hat klar und deutlich für diese gesprochen und es ist ein ttgenthümliches Bemühen, das Gegentheil heraus lesen zu wollen. Wir, d. h. die strebende deutsche Lehrerwelt kämpfen sttt Jahren gegen dieConfessionSschule; auch der Redakteur der allg. d. Lehrerzeitung gehört, soviel wir wiffen, zu den Gegnern derselben. Warum wohl? Nun, wir sind eben der Ansicht, unsere Zeit sei berufen, Scheidewände hinwegzuräumen, die Menschen zu ttnigen, dm großm allgemttnen Bruderbund der Menschheit vorzubereiten. Da» ist auch die' Aufgabe der Volksschule. Wir behauptm nun wohl nicht mit Unrecht, daß die Trennung der Schüler nach Confessionen innerlich berechtigter ist, als Trennung nach Ständen. Wir behaupten