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Der israelitische Lehrer · 1871-06-07 · 23 (7.6.1871) · p. Seite 181

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
23 (7.6.1871)
Date
1871-06-07
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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erkannt, daß sie jüdischen Ursprung« ist, und, wa« al« besondre Wst-ichnung daran ge^ühuck p^ir», ist, Wader Verfasser verkennt, geradezu jüdisches Eigenthum. Im Gegensätze dazu hebt er aber sowohl die unmoralische Politik der christlichen Fürst« wie Päbste hervor, geißelt auch sogar die persönlich^ Unm'oralität der Letzteren, der Elfteren zu geschweigen, da ein Pabst sogar Vater 16 unehelicher Linder genannt wird, erwähnt der vielen Verbrechen und Laster, welche sich an die Geschichte der Klöster knüpfen, besonder« auch solcher, welche di« christliche Einrichtung de« CölibatS hervorgerusen hat, erwähnt der vielen Menschenopfer, welche da« Christenthum durch Religionskriege, Inquisition und Hexenprozesie geschlachtet, bei weitem mehr, al« den heidnischen Götzen gefallen sind. Selbst die Ordnung der peinlichen Gerichtsbarkeit mit der Auswahl von Acten der Hinrichtung und Torturen ist unter dem Einfluß der christliche» Geistlichkeit entstanden. Der Verfasser ist überhaupt kein Freund der Religionen, sie gelten ihm mehr al« Störer, denn Förderer der Bildung. Aber eS ist doch eine historische Wahrheit, die er zu Tage fördert, und wir freuen uns, daß solche von Christen erkannt und den Christen von Christen gepredigt wird. An Jrrthümern und falschen Anschauungen fehlt es natürlich auch nicht im Buche, sowohl in Bezug auf Religion überhaupt wie Christen» und Judenthum insbesondere, namentlich aber in Bezug auf das Verhältniß Beider zu einander. Der Verfasser steht fast auf dem Boden des Nihilismus, und so wundert uns der Ausspruch nicht, daß alle positive Religion der freien geistigen Entwickelung und steigenden Bildung hinderlich sei und feindlich entgegentrete; Religion berge überhaupt keine reale Wahrheit, sondern gehöre dem Reiche der Phantasie an. Er tadelt am Zudenihum die Lehre eines körperlosgeistigen, unbegreifbaren Gottes und gibt e« für . einen Vortheil und Fortschritt auK, daß das Christenthum sich mit dem seine Götter plastisch darstellenden Heidenlhnm in B.ziehung gesetzt habe. Wir erkennen hierin einen Widerspruch, worin der Verfafler mit sich selbst steht, indein er, wie wir gesehen, anderswo die heidnischen Elemente des ChristenthumS pcrhorrescirt. Die Pflege der Musik vindicirt er der Kirche und vergißt, was hierfür bereits der jerusalemische Tempel geleistet. Auch in Bezug auf die architektonische jkunst des TempclbauS ist es irri a, die Juden dieser bar zu erklären, weil sie phönizischer Hülse bedurft. Diese war mehr für den Holzbedarf und die Flößerei erforderlich. Schon der Bau des Wüstentempelo (StiftzeltS) weift nach, daß die Juden der Pflege der Kunst auch in, Aegypten obgelegen haben. Die Semiten stehen ihm demnach unter den Ariern. Es ist dies eben eine christliche Ueberhebung und Gloire-sucht, wie ja auch Hegel das Zudenthum unter das Heidenthum stellt. Die semitischen Völker seien untergegangen, weil ihnen da- Princip geistiger Fortbildung fehl«, bi« auf die unter Ariern zerstreut lebenden Juden. Welche Umkehrung der Geschichte! Wie wenn die Juden ihre Erhaltung, de« christlich-arischen Völkern verdankten, die st« ewig versolgt haben! —Der Verfasier, der den Arieta die Zukunft zuspricht, weiß nicht genug Vorzüge an diesen im Gegensatz zu den Semiten auszudecken. Er zählt auch dazu, daß die Arier kein Bilderalphabet haben. ES gehört wenig Anschauungsvermögen und Kenntniß der Sprachengrschichte dazu, um da« Gegenthell nachzuweisen. Der Gott der Juden Ist menschlich ausgefaßt; Zeugniß: er steht im Bundrsverhältniß zu seinem Volke. Und gerade hierin ist ausgesprochen, daß das Wesen der flteligion auf freier Anerkennung und innerer Ueberzeugung, wie die Moral auf freier Entschließung beruht. Der Verfasser hätte dies uiü so eher erkennen müssen, als ihm mit Recht die gewaltthätige Octroyirung dem Wesen der Religion zu widersprechen scheint. DaS jüdische Sektcnwesen und die Entwickelung aus demselben ist ganz falsch dargestellt; auch sonstige historische Jrrthümer über Zudenihum finden sich noch vor. Die eleyflnischen Mysterien sind ihm ebenfalls Vorläufer des ChristenthumS. Sie waren es eigentlich nur, weil jüdische Ideen nach Griechenland getragen waren und dort von den Gelehrten im Geheimbunde gepflegt wurden und werden mußten, weil sre der öffentliche» Meinung der großen Menge widersprachen, sehnlich verhält eS sich ja auch in unseren Tagen noch mit den Ideen des Freiinaurerbundes. Die scheinbaren Widerspruche der bibl. Erzählung von der Schöpfung und Sündfluth mit der realen Wissenschaft werden auch vom Verfasser willig oufgegriffen. Auch er vergißt, daß die Bibel nur ein religiöses Interesse verfolgt und dieses klar darstellt durch den Gegensatz, worin sie sich zum Heidenlhnm setzt, welches die Schöpfung aus einem unvollkommenen Urstoffe lehrt und daraus die Unvollkommenheit der Welt Herl eitel. Die Bibel lehrt dagegen die Schöpfung aus Nichts, und daß Alles vollkommen aus Gottes Hand hervorging, die Unvollkommenheiten dagegen die menschliche Sünd-^ Hastigkeit zum Ursprünge haben. Die Kanaaniter werden nicht, wie der Verfasier meint, aus Nationalhaß den Cbamiten zugetheilt, sondern es ist grschichtliib, daß sie .Phönizier) von Aegypten ein- oder zurückgewandert sind. Mit Wohlbehagen wiro es auck nachgrplaudert, daß die Juden die Aegypter bestohlen und geplündert haben. Wäre der Verfasier ein Kenner der Ursprache, so würde er gelesen haben: Die Israeliten forderten von den Aegyptern silbern« und goldene G - räthe und Kleidungsstücke. Und Gmt^gab ihnen Gunst in den Augen der Aegypter, und dietd. liehen solches (veranlaßten sie, solches zu fordern), undso entlee^

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