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Der israelitische Lehrer · 1871-05-31 · 22 (31.5.1871) · p. Seite 173

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
22 (31.5.1871)
Date
1871-05-31
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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— 173 — vom Lehrer ein weiches und festes Gemüw. Anhänglichkeit und Liebe zu seinen Schülern; wie kann er dazu kommen, wenn er stets das Damoklesschwett des Umzuges über sich fühlt? Ein altes Sprichwort sagt: drei Umzüge bringen so viel Schaden, als ein Brand; sollen die Lehrer stets „abgebrannt" sein? Es wird ihnen so schwer, sich anständig häuslich einznrichten; sollen sie nie einen Sparpfennig sich erübrigen. kaum einen Tisch, eine Komode, ein Kanapee ihr eigen nennen können? Das must aushören. Es wird aufhören. wenn wir uns einigen. Dann müssen Gemeinden, bei welchen solche Handlungsweise gewohnheitsmästig ist, moralisch genöthigt oder. wenn das nichts nützt, moralisch vernichtet werden. Obwohl wir den belegten Fall nicht für allzu herb halten, eben weil wir wissen, daß der gewinnenden Persönlichkeit Mandel's ein reichlicher Ersatz nicht fehlen wird, iverdcn wir ihn doch im Auge behalten — und als Maßstab für andere Fälle und Gemeinden wohl noch öfters zur Sprache zu bringen Gelegenheit stnden. Breslau, 10. Mai. Bekanntlich bestimmte der im Jahre 1842 verstorbene Salomo Leipziger 20,000 Thlr. zur Gründung eines Bet - Midrasch' und eines Lehrhauses zur Ausbildung von Rabbinern. Im Jahre 1867 wurde dasselbe hier eingerichtet, nachden» sich das Capital inzwischen verdoppelt hatte. Im Auffichtsrath befindet sich auch auster den beide» städtischen Rabbinern Pros. Dr. Grätz. Die Tendenz dieses Instituts ist zwar entschieden orthodor, aber vielleicht führen die leitenden Persönlichkeiten dennoch die erwünschte Bereinigung init dem Scnlinar Kerbei. Am 14. Juni soll ein Concett zu Gilnften der durch den Aufstand in Odessa Verunglückten Statt finden. Man hofft auf eine starke Betheiligung und reichlichen Ertrag. » Ingelheim, den 29. Mai. Wir machen auch, auch an dieser Stelle darauf aufmerksam, datz die Anmeldungen zur Synode „an die Benvaltung der israelitischen Cultusgeuieinde zu Augsburg" zu richten sind. Bücket «rg, im Mai. Am 25. April fand zu Oyenhausen eine Versammlung de» Lehrerver- «inS der Kreise Lübb.cke, Herford, Minden und Umgend statt. Schon am Nachmittag deS^24ten hatten sich die an der Confermz theilnehmenden Lehrer — leider nur «ine geringe Zahl — elngesunden. Bor Allem sei hier bemerkt, daß wir von Seiten der dortigen Gemeinde «ine überaus gastfreundliche Aufnahme fanden, wofür derselben hier im Namen der versammelt gewesenen Lehrer der herzlichste Dank ausgesprochen sei. Noch am Abend desselben Tage« kamen wir im Victoria- Hotel zu einer gemüthlichen Unterredung zusamm«, an der auch einige Repräsentanten der Gemeinde Theil nahmen, sowie dieselben auch bei der eigentllchen Conferenz gegenwärtig waren und mit augenscheinlichem Interesse den Besprechung« folgten. Die am Morgen de« 25. begonnene Conferenz, welche in dem obengenannten Hotel abgehalten wurde, eröffnrte der bisherige Präses H. Leeser (Lübbecke) mit Ansprache und Gebet. Darauf wurden die statutengemäßen Wahl« vollzogen und Leeser wiederum zum Präses, Kronmberg zu besten Stellvertteter und der Unterzeichnete zu« Schriftführer gewählt. ( Zunächst kam nun die auf der Tagesordnung stehende Frage zur Besprechung: »ob der Ertheiluag, resp. Entgegennahme de» hebräischen Unterricht» mit entblößtem Haupte religiöse Bedenken entgegenständen?" Da von einigen Mitgliedern brmerkltch gemacht wurde, daß allerdings vom streng orthodoxen Standpunkte aus religiöse Bedenken erhoben werden könnten, so wurde nach ziemlich lebhafter Debatte die modiftcirte Fastung der Frage: „ob es zu empfehlen sei, den Unterricht mit entblößtem Haupte zu ertheilen?" an-, genommen und von allm gegen 1 Stimme mit „Ja" beantwortet. Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf die Vorlegung de» ersten Druckbogens de« von Leeser und Kronenberg ausgearbeiteten Auszug» au» der Genest« im Text« und mit deutscher Uebersetzung für den erst« Unterricht im Hebräisch«. Leeser bedauerte, seinem Versprechen nicht Nachkommen zu können', da der Verleger, nachdem schon Alles geordnet gewesen sei, sich zurückgezogen und erklärt habe, den Druck erst später übernehmen zu wollen. Nachdem hierauf da« vollständige Manuskript in beiden Theilen vorgelegt war, wurde dastelbe dem Herrn Eßmann au« Oyenhausen zum Berlage übergeben , und wird der erste Druckbogen dem demnächst in Bonn tagenden Rheinländisch-Westphälischen Lehrerverein vorgelezt werden können. DaS Werk ist eia« für den beabsichtigten Zweck durchaus gelungme Arbeit und wird hoffentlich weite Verbreitung finden. Bei Besprechung über eine gute hebr. Lesefiebel wurde die von Krimke (Hannover) als sehr zweckmäßig empfohlen. Di« Frage, ob der Unterricht im Deutsch - Les« dem im Hebräisch Lesen vorangehen soll, wurde nach kurzer Debatte einstimmig mit „Ja" beantwortet. Gegen 4 Uhr Nachmittag« schloß der Vorsitzende, welcher die Verhandlungen mit großer Umsicht und Ruhe geleitet, die Versammlung, nachdem bestimmt war, die nächste Conferenz am 3. Oktober d. I. zu Lübbecke abzuhalten. Nachdem wir un» von unser» Gastgebern verabschiedet hatten, reiste Jeder mit dem frohen Bewußt»

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