Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 22 (31.5.1871)
- Date
- 1871-05-31
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 170 — wohl, daß dsö, waewig dauert, nicht von eiruelnen Thatsache« und Zufäligkeitsw -»-hängen kann. AJerwir stehen nicht an, nach unseren Erfahrungen die Behauptung auSzusprechen, daß die Synode allein für unsere Zeit, für die Gegenwart. die gesunde Entwicklung de« JudenthumS retten kann. Kommt ste nicht zum Ziele, so wird diese Entwicklung auf Jahrzehnte hinaus gehemmt uiib vernichtet.; und wer vermag alsdann die Zukunft zu ergründen? Wer vermag abzusehen, wohin die.rückwLrtSschreitende Bewegung daS Judenthum zu bringen vermag? Wir blicke« auf die religiösen Zustände muerhalb der Gemeinden. ES wird wohl Niemand leugnen wollen, daß diese höchst traurig.sind und in den letzten 25 Jahren ein außerordentlicher Rückschritt bemerkbar wurde, nickt für eine Partei «nd nach einer Richtung, sondern für Alle, für daS gesammte Leben de« JudenthumS. Die Orthodoxie gibt sich einer wohlfeilen Täuschung hin, wenn sie glaubt, an Zahl und Gewicht innerhalb dieser Frist gewonnen zu haben, weil die Polemik ihrerseits lebhafter geworden, während sie andererseits Alle« gewährenläßt; weil einzelne Fanatiker mit mehr Zähigkeit nach außen Lärm schlagen. In der Masse ist nur der JndifferenttSmus und die Lethargie herrschend geworden. Bon der heiligen Begeisterung, womit die jetzt 'Heimgegangenen oder älter gewordenen zu ihrer Zeit die Bestrebungen für Reform, für Regemerirung de« JudenthumS begrüßten, ist kaum mehr eine Spur vorhanden. Eine naturgemäße Folge davon ist, daß die unzurechnungsfähige Minorität mit Hülfe der Indifferenten, der Aengftlichen und Friedfertigen um jeden Preis überall die Oberhand gewinnt und die religiösen Veranstaltungen der Gemeinden nach ihrem Willen regelt. Diesen Zuständen ein Ende zu machen, ist Ausgabe der Synode. Sie muß das Jntereffe für das Judenthum beleben und «achhalren; sie muß den Bestrebungen einzelner Männer, denen es Ernst ist um die Erhaltung und Fortbildung de« JudenthumS, Halt und da«'. Bewutzfein geben, nicht allein kräftigende im heiligen Kampfe für ihre Ueberzeugung zu stehen. Sie muß den ängstlichen Gemüthern die Beruhigung geben, daß die forffchreitende Entwicklung de« JudenthumS Berechtigung und Boden hat in der Mehrheit seiner derzeitigen Bekenner. Sie muß die Indifferenten anregen, zurücksühren, ihnen Leben und Begeisterung. Theilnahme für unsere Kämpfe und Bestrebungen einflößen. Da« und »och mehr ist die erhabene Aufgabe der i»raelitffchen Synode. Wir find darum beruhigt über die Formfehler einer einzelnen Versammlung; über da« ängstliche und' allzubehutsame Auftreten. Die Synode selbst ist eine werdende Institution, Sie soll nicht bestehen für ein oder mehrere Jahre. Sie muß > Bodm und Dauer gewinnen und wird Zeit haben, j das zu leisten, was zu leiste« ist. Sie muß nicht« „sch n e l l f e r t i g" machen wollen; vielmehr muß man bei ihr von einer „ übelberatenen * auf künftige, „bester berathene Synoden" appelliren können. Sie muß selbst fortschreiten, nach Außen und nach Janen, langsam aber sicher. Welche Partei und welche Richtung de« Juden» thumS vertritt die Synode? Allerdings die Reform - Partei, die fortschreitende Richtung; da« ist zweifellos schon durch ihr Grundprincip ausgesprochen. Und doch ist sie auchim eminenten S im ne eine com servatioe Jnstitution. Denn wollten und suchten wir nicht die Erhaltung des Judenthums, bestrebten wir unS nicht, für A.lleS, was durch die Zeitverhältnisse ohne formelle gesetzliche Berechtigung abrogirt und verändert worden, eine gesetzliche! Grundlage zu schaffen, so bedürften wir ^keiner Synode. DaS sind Deine Zerstörer, o Israel, l die Alles gehen lassen, wie eS geht, die Alle« zerfallen i lasten; die Jeden, der in irgend einem Punkte vom I Herkömmlichen abzewichen, — und da«' sind wohl,! wir können es mit gutem Vorbedacht sagen, Alle ohne Ausnahme; (also auch sie selbst,) — für Abtrünnige und Gottesleugner erklären und daher entmuthigen, die Rückkehr unmöglich, den gänzlichen Abfall Tausender unabwendbar machen. Wenn die sogenannte Mittelpartei, wenn die gemäßigten Eonservativen zur richtlgenWürdlgung thatsächlicher Zustände, deren Abwendung menschlicher Macht unmöglich ist, sich verstehen wollte, io würde sie selbst auf der Synode erscheinen, um zu retten, waS zu retten ist. Wir haben ja im vorigen Jahr« die Rücksicht auf die Eonservativen selbst daS Grundprincip j der Reform überwuchern sehen. Die Synodalbesucher! sind wahrlich, daS haben sie gezeigt, keine Himmelß- ' stürmer. Mögen also die Gemeinden, welchen e« Ernst ist um da« religiöse Leben — und wo Leben ist, da ist Bewegung — den Ruf nicht ungehört an sich vor- , übergehen lasten.» Mögen sie ihr« Vertreter, ihre I Rabbinen und Lehrer abordnen und der Ruf „nach i Augsburg" möge überall ertönen, wo man weiß, «a« i die Zukunft de« Judenthum« von uns fordert. Mö-! gen sie sich nicht abhalten laffen von einzelnen | Schreiern und den Gleichgültigen, die Alle« gehen und 1 „bdm Alten" laffen. Mögen fie sich nicht äbhilten J