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Der israelitische Lehrer · 1871-05-31 · 22 (31.5.1871) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
22 (31.5.1871)
Date
1871-05-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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er Jsraclitisehe Kekrer. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenlhums, *• und ir^s besondere des israelitischen Lehrer ft a»deL Organ für den Verein „Achawa." M 22. Den 8i. Mai 1871. 11. Jahrgang: Wöchentlich 1 Kummer vierteljährlicher AbonnemeMSprei« 40 h:. — ll>/2 S-r. >ni«ig«n ju 1 Sgr. dir P«tii,eile Bestellun-e« nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Aur Synode. Von Herrn Professor Lazarus in Berlin, dem Präsidenten der erflen israelitischen Synode, erhalten wir die höchst erfreuliche Mittheilung, daß die Aussichten ^er zweiten Synode. sich über Erwarten günstig gestalten. E« find bereit» zahlreicheneue und darunter bedeutende Namen angemeldet. Wenn viele Frühere noch zögern, so mag bei diesm wohl die Voraussetzung herrschen, daß ihr Wiedererscheinen selbstverständlich ist. Dennoch wäre im Jntereste der Sache noch recht baldige Anmeldung erwünscht. — Wir knüpfen daran einige Bemerkungen. Unsere geehrten Leser werden au» unseren Berichten über die erste Synode wohl erkannt haben, daß wir von den Resultaten derselben im Allgemeinen nicht sehr befriedigt waren. Wir machen sogar das Zugeftändniß, daß wir selbst an den Verhandlungen, an den leitenden Anschauungen, an der Beschlußfassung sehr viel auSzusrtze» hatten. Männer von großer und anerkannter, theologiscber Gelehrsamkeit, die aber daS Leben nicht kennen, hohen in den „vier Wänden ihres Studierzimmers" sich Anschauungen über Lebensfragen gebildet und diese „ Autoritäten " siegten vielfach über gesunde, praktische Lebenserfahrungen. Wir erinnern beispielsweise nur an die Resolutionen über den Religionsunterricht— recht schöne Worts, mit denen stch aber durchaus nichts machen läßt, weil von dem Antragsteller auf der so sehr einseitigen und falschen Bast» auferbaut, als herrsche aller Orten der beste Sinn für den Religionsunterricht und besten Förderung, was aber die Erfahrung zur Zeit durchaus nicht bestätigen kann.! Auch die „Referate" sind nicht das, was wir von ' ihnen erwarteten. Die Herren mühen stch ab, ihre I Anschauungen in den Talmud und die Codices hineinj zutragen oder herauszulesen, um zu dem vom Leben angestrebten Resultate zu kommen. Da« ist aber schon um deswillen vielfach verkehrt, weil nach einem alten Worte man „mit Talmud und Schulchanaruch Alles beweisen kann," weil eben auch die gegnerische Ansicht, stch auk ändere Sätze stützend, aus denselben Schriften und auf demselben Wege da» Gegentheil beweist. Einer „Rabbinerversammlung" mag das anstehen, einer „Synode" nicht. Die Synode kann stch auf solche casuistische Deductionen nicht einlasten. Sie rechnet mit dem Geiste des ZudenthumS, der sich aus der gesammten fortschreitenden Entwicklung destelben, auS Thora, Talmud und Späteren ergibt, befragt das Leben und die Bedürfniste und Anschauungen der Gegenwart und entscheidet auf dieser Grundlage nicht nach gelehrter Autorität, sondern nach ihrem „besten Wisten und Gewisten." Die Synode ist keine gelehrte, keine theolo- I gische Versammlung, sondern eine Vereinigung, die! daSLeben und daSB edürfnißnachHerzenSbefriedigung in der Religion hervorgerufen; vom Leben geboren, durch daS Leben der Gegenwart gekrästigt und mit dem Leben fortschreitend. Trotzdem also die Ergebniste der bisherigen Bestrebungen der Synode nach unserer Ansicht im Gnzelnen nicht ganz befriedigend waren, stehen wir doch nicht an, auszusprechen, daß nach unserer innersten Ueberzeugung von der Synode selbst da« Heil und die Zukunft des fortschreitenden Judenthum» und aller auf die Fortentwicklung desselbe» abzielenden Bestrebungen abhängt, daß mit einem Worte mit der Synode da», «a» man mit: „Fortschritt im Judenthum, Reform de« Judenthum»" bezeichnet, steht und fällt. Wir wisten

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