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Der israelitische Lehrer · 1871-05-24 · 21 (24.5.1871) · p. Seite 166

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
21 (24.5.1871)
Date
1871-05-24
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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166 — vorliegm dürsten,, weil sie namenlos sind, d. h. der Gemeinde nicht zur Ehre gereichen, wenn sie bekannt würden. Auf meine Frage, «er denn diese Agitation gegen den braven Lehrer hervorgerufen habe und zu ihrem Ziele zu führen strebe, wurde mir von verschiedenen Seiten die befremdende,und daherüberraschende Antwort: Das sei das Mitglied des VorstandeS/der reiche und gebildete Kaufmann A. Grünebaum, der nicht wolle, daß der Lehrer mehr als eine vorübergehende Erscheinung in der Gemeinde sei, und der nicht nur in der Gemeinde, sondern auch in dem evang. Cuperindenten Schul-Jnspector Ahlert daselbst thätige Mithülfe zur Erreichung dieses lobenswerthen Zieles finde. Welche Mittel nun angewendet werden, um den Lehrer Mandel auS seiner Stellung zu verdrängen, darüber wollen wir vorläufig schweigen, weil wir Herrn Grünebaum, nicht zu nahe treten möchten, der uns persönlich bisher doch als ein sehr loyaler Mann bekannt ist und von dem wir daS Gesagte nicht erwartet hätten, da er ein Schwager des Reichtagsmitgliedes Sonnemann ist, der sich im- Reichstage der jüdischen Realschule in Frankfurt angenommen hat, während Herr G., wenn alles uns Mitgetheilte Wahrheit ist, nur mit der Beseitigung der jüdischen Elementarschule, durch Verdrängung einetüchtigen Lehrer», der Vater zahlreicher FamUie ist, seine Muße ausfüllt. Wir wünschten Herrn G. zur. ruhigen würdevollen Beilegung der Sache und zu seiner öffentlichen Rechtfertigung in dtesen Blättern zu veranlaffen Erst, wenn er das Erstere unterläßt und dadurch dieser wahre Chillul haschem weiter getrieben wird, und das Andere nicht vermöchte, müßten wir. chm unsere Achtung für die Zukunft versagen und hiermit dem öffentlichen Urtheile übergeben haben. Für die jüdische Gemeinde Lippstadt aber bemerken wir, daß eine Gemeinde sich ehrt, wenn sie den- Krakehlern in ihrer Mitte die Zügel nicht schießen läßt; daß sie aber sich selbst an dtn Pranger der Oeffentlichkeit gestellt, wenn sie diese Maxime nicht berücksichtigt. Den stellesuchenden Lehrern aber, die gleich heißhungrigen Fliegen über den Honig, über jede Vacanz hersallen, habe ich gewiß einen Dienst geleistet, indem ich sie schon im Voraus auf diese Vacanz aufmerksam mache, damit sich wenigstens 200 darum bewerben, um der Gemeinde behilflich zu sein, den jetzigen Lehrer den Laufpaß zu geben, der ihm ebenfalls nach zwei Zähren, wenn nicht schon früher gegeben wird. Schreiben Sie daher künfttg, daß die bestehenden jüd. Seminare geschloffen werden müffen, damit der Ueberfluß an solchen Lehrern aufhöre und diesem traurigen Zustände, der den Fortbestand des Judenthums untergräbt, endlich ein Ende gemacht werde. Mein Volk, groß wie das Meer ist Dein Bruch, wer kann Dich heilen!? L. P. Kaufmann. (Wir werden auf diesen Gegenstand im Allgemeinen zürückkommen. Inzwischen erwarten wir einen massenhaften Beitritt der westph. Lehrer zum allgem. Lehrerverein, der allein im Stande sein wird, solchen Ealamitätm wirksam abzuhelfen. Redactton.) Frankfurt a. M. Nach den neuesten stattstischen Angaben betrügt die Bevölkerung des deutschen Reiches zur Zeit in runder Summe 40 Millionen, wowon 24,253,000 Protestanten, 14,551,000 Katholiken; andere Religionögenoffenschaften, (JSraeliten, Deutschkatholiken, Dissidenten, Memonniten rc. rc.) 1,327,000. (Die Zahl der Juden wird einschließlich der Elsäsier und Lothringer wohl nicht über 500,000 betragen. Die Angaben verschiedener Blätter, die die ganze eben zuletzt genannte Zahl für die Seelenzahl der Juden nahmen, wird sich demnach in solcher Weise reduciren. Redaction.) Literarisches. DaS Hohelied, hebräischscommentirt und deutsch übersetzt von Benjamin Holländer aus Leobscbütz (Oberschlesien) vermehrt mit lexikalischen Erklärungen rc., zur Belebung von patriotischen Gesinnungen herauSgegeben von Joseph Natonek quiesc. Rabbiner. Ofen 1871. Wir begegnen hur wieder dem in der Sprache und in der Literatur Israels gewandten und für seine Religion begeisterten Hrn. Fabrikanten Holländer. Er kann in unserer Zeit Vielen als Muster dienen und hätte in seiner übertriebenen Bescheidenheit nicht nöthig gehabt, sein Manuskript 4 mal novem in annos zurückzuhalten und sich durch fremde Hand zur Veröffentlichung deffelben nöthigen zu kaffen. Das Buch ist eine willkcmmene Gabe und verdient, zum allgemeineren Verständniß deutsch bearbeitet zu werden. Die literarisch-historische Kritik und der gelehrte Apparat fehlen; darauf ist auch von Hrn. H. kein Anspruch gemacht worden; aber das Verständniß des Gedichts ist uns durch den feinen, Geschmack und die scharfsinnige Auslegung deffelben i näher gelegt. Durch die Zusätze deS Hrn. Natonek hat das Buch nichts gewonnen; nicht einmal die Correktur ist hinreichend besorgt. Tie patriotische Gesinnung, welche Hr. N. beleben will, ist der specifische, jüdisch-nationale Patriotismus, weßhalb

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