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Der israelitische Lehrer · 1871-05-24 · 21 (24.5.1871) · p. Seite 165

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
21 (24.5.1871)
Date
1871-05-24
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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I — 165 — nicht bloS unter den verschiedenen Cönfessioncn den Frieden zu erhalten, sondern auch gegenseitige Achtung und Zuneigung zu begründen und zu fördern." DaS Schulwesen der Israeliten in Württemberg in seiner staatlichen Geltung durste überhaupt ein Muster für di« Reichsgesetzgebung werdend Unsere für Deutschwieder gewonnene Brüder im Elsaß sollten im Betreff der Regelung ihre« Schulwesens energisch vorgehend, daß ihnen die Gleichstellung mit den christlichen Confessionen nicht versagt werde. Die Israeliten Württembergs, die durchweg national gesinnt sind, und daS Einigungswerk mit aller Kraft fördern halfen, hätten Grund in Beziehung ihrer Gleichberechtigung für Schule und SynagogeßParticularisten zu sie»; aber wir hoffen, daß die deutsche Reichsgesetzgebung nicht hinter den früheren Kleinstaaten in Gewährung der bürgerlichen Gleichberechtigung Zurückbleiben werde. Do» der Weser 15. Mai. Sie, geehrter Herr Redakteurs, und viele Ihrer geehrten College« haben sckon oft das Bedürfnis der Errichtung neuer jüdischer Lehrerseminare und der zweckmäßigen Reform der bestehenden besprochen. ES geschah dies im Jntereffe der Erhaltung des JudenthumS vom idealen Standpunkte aus. Es kann dies von dem g-nannten Standpunkte aus nicht verkannt werden. Denn alle jüd. Lehrer sind Idealisten, sonst wären sie eben keine jüd. Lehrer. Ganz anders aber erscheint die Sache, wenn man sie vom Standpunkte des praktischen Lebenserwerbs betrachtet. Keirr Lebensberuf ist mühevoller und weniger lohnend, als der der jüdischen Lehrer. Jeder, der die Fähigkeit hat, sich für diesen Beruf vorzubilden, hat ohne Zweifel auch die Fähigkeit, sich für jeden andern mehr lohnenden und die Aussicht auf Gründung eines sichern und ruhigen Hausstandes ermöglichenden LebenSberuf vorzubereiten, wo er sich nicht mit oft böswilligen Gemeinden und herrschsüchtigen Vorstehern, denen ruhiges Familienglück der Lehrer und deren wohlbegründeter Ruf im Orte ein Dorn im Auge ist, herumzuplagen hat, sondern friedlich im bäuSlichen Kreise sich deS Verdienstes freuen kann, das der redlich betriebene Erwerb abwirft. Denn trotz aller feit fünfzig Jahren in Bezug der Besserstellung der Lehrer gemachten Anstrengungen ist ein Fortschritt in dieser Richtung in den meisten Gemeinden, selbst in solchen, die gebildet sein wollen, noch kaum zu bemerken. Man behandelt und entläßt den Lehrer noch, wie in früheren Zeiten den hergelaufenen Bachur. Unter solchen Umständen versündigt sich jeder Lehrer am Lebensglücke eines Menschen, wenn er einen begabten, aber armen Knaben zur Beschreitung der Laufbahn deS jüdischen Lehrers veranlaßt oder vorbildet. Bon diesem Standpunkte muß man gegen die Errichtung neuer Seminarien sprechen und für die Schließung der bestehenden das Wort ergreifen, damit theils nicht noch mehr junge Leute unglücklich gemacht werden, theil» de» Gemeinden das Material entzogen werde, den Lehrerwechsel, wie im Handumdrehen bewerkstelligen zu können , theilS aber auch damit die nun einmal glücklich untergebrachten Lehrer von schon etwas vorgeschrittenem Alter um die Aussicht auf den ruhigen Erwerb eines Stückchen BrodeS für sich und die Ihrigen nicht gänzlich gebracht werden.*) Aber, höre ich Sie fragen, wie soll dann, wenn man Ihren Vorschlag -befolgte, dem notorischen Lehrermangel abgeholfen werden? Run, darauf antworte ich Ihnen; es besteht gar kein Maugel an Lehrern, sondern. ein großer Ueberfluß an denselben. Zum Beweise führe ich Ihnen an, daß ich jüngst auf einer meiner gewöhnlichen Geschäftsreisen in Büren war. Dort ist die Lehrerstelle vacant. ' Man erzählte mir, daß sich nach Ausschreibung der Vacanz sage und schreibe sieben und stebenzig Lehrer um die Stelle beworben haben. Zeigt das von Lehrermangel oder dem Gegentheile? Und wie wird diese Nachricht den Vorstand in Lippstadt erfreuen, der mit der Absicht der Entfernung des Lehrers umgeht, und ihn msi^der '»Hoffnung erfüllen, daß sich zu der Vacanz in seiner -Gemeinde wenigstens zweihundert Bewerber melden werden, unter denen er nach Belieben Einen auswählrn kann, um ihn auf zwei Jahre zur vorübergehenden Erscheinung in der Gemeinde machen zu können! Auch in Lippstadt war ich auf dieser Reise und hielt mich dort einige Tage auf. Diese Gemeinde soll in den letzten zwanzig Jahren eine sehr große Auzahl von Lehrern verschlissen haben, von denen im Jahre 1864 der jetzt selige Block wegen der mangelnden Anstelluna geisteskrank die Stelle verlassen hat und bald darauf gestorben ist. Sein Nachfolger, der jetzige Gastwirth MooS wurde zwei Jahre später wegen seiner beabsichtigten Heirath beseitigt, well man keine» milchdingenen (?) Lehrer haben wollte. Eine gebildete Gemeinde das! Von seinem Nachfolger, dem jetzigen Lehrer Mandel, der unS persönlich nicht bekannt ist wurde uns erzählt, daß er bereits fünf Jahre dort fungire, daß er bei der ganzen Civilgemeinde ob feines achtenSwerthen patriotischen Verhaltens in hoher Achtung stehe, daß er auch ein ganz charakterlüchtiger Mann sei, aber das schreckliche Verbrechen begangen habe, daß er schon fünf Jahre in Lippstadt Lehrer ist und einen erst in zwei Jahren ablaufenden Vertrag besitzt. Darum soll er beseitigt werden! In der That ging mir auS allem Erfahrenen hervor, daß eine ruhige würdevolle Gemeinde sich zum Besitze eines solchen Lehrers gratuliren und dessen dauernde Anstellung fordern würde, daß man aber durchaus nur unter-sich über die Gründe zu deffm Amtsentfernung sprechen kann, weil gar keine *) Unsere Leser wissen, daß wir trotzdem nicht dieser selbstmörderischen Ansicht sind. Rcdaction.

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