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Der israelitische Lehrer · 1871-05-24 · 21 (24.5.1871) · p. Seite 167

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
21 (24.5.1871)
Date
1871-05-24
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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167 et auch M. Heß, dm Verfasser von „Rom und Jerusalem den begeistertm Jesaia (??) unserer Zeit zu nmuen beliebt. Zur Belebung dieser Art von Patriotismus soll auch die Schilderung der biblischm Frauencharactere dienen, welche oft genug mißrathen ist und wofür wir zu weiterm Studien Grace Aguitar Women of Israel empfehlen. Jedoch darin stimmm wir Hrn. H. und Hrn. N. bei, daß daS Hohelied den stttlichm Charakter der jüdischm Frau verherrlichen will, im Gegensatz zu dem von ausländischen Frauen gefüllten Harem des wollüstigen Königs. DaS Gedicht ist tendmziöS; dmn in einzelnen Fällen hat es sowohl bei Israel AuSnahmm gegeben, wie bei. anderen Völkern. Für Letzter« erinnern wir nur an daS Verhältnis der Barbarin» Campanini zu Friedrich dem Großm, welche später als Gräfin Cocceji in Schlesim lebte und starb. Mit dem traditionellm Boden, auf dem sich die ErNärung halte, ist es aber nicht weit her. Wir nennm eine solche Tendenz zwar auch „ hochheilig", aber die traditionelle Erklärung ist durchweg allegorisch, auf daS BundeSverhältniß Gottes und Israels (^enen pde>) gedeutet. Die erotischen Beziehungen stehen derselben nicht im Wege; sie haben ihren Ursprung in dem naturalistischen Charakter der heidnischen Religionen. Hat doch schon die Thora derartige Ausdrücke, z. B. rui für den Abfall von Gott, als dem rechten Ehegemahl. Die exegetischen und lexiealischen Erklärungen deS CommentarS sind oft lückenhaft, aber werden durch den Herausgeber oft gar nicht, oft nicht glücklich ergänzt. dpwm läßt sich wohl ebensowenig auf bw al« jine« auf nD zurückführen, bei nron fehlt Hrn. N. das Bewußtsein von der objektiven Bedeutung deS SuffixumS. In 1, 5 weist Herr H. mit Unrecht auf das Salben als einen Gebrauch der Vorzeit hin; alle Zeiten kannten ihn. Der tropische Orient hat wohl nur ein größeres ^Bedürfniß dafür, der Luxus des dortigen Natur- und Völkerreichthums befriedigt dieses leichter. D. 5. Die Verfetzurg der Wörter halten wir für unnithig. Sulamit wird von den übrigen Frauen des Harems auS Neid über ihre Bevorzugung oder Aerger über ihre Weigerung als schwarz und häßlich gmannt; dagegen lehnt sie sich au* im Jnterefie ihres Geliebten. Sie erklärt die Schwärze (D. 6) al« nicht natürlich und ständig, sondern zufällig und vorübergehend. Die Zelte Kedar'S habm mit der Schwärze keinen Zusammenhang, sondern sind ein Bild der Schönheit, wie die „Teppiche Salomo'«", die wohl Kedar entstammm und synonym mit den „Zelten Kedar'S" sind. V. 14 ist *tD3 von Beiden falsch erklärt. ES kann nur Traube bedeutm wegen "0^2 und ist eine palästinensische Frucht wegm „Engedi." Der Ursprung der Traube kann dmnoch Cypern sein, die bei der Verpflanzung den Ramm beibehalten hat, wie die Burgunder-Traube in Deutschland. V. lfr bemüht sich Hr N. vergebens um die Bedeutung von any. Im Gegensatz zu der künstlichm Pracht de« königlich,n Palastes soll die Herrlichkeit der ländlichm Natur geschildert werden. Herr H. hat daS Richttge. In 2, 4 heißt e« nicht: „Was ihn auszeichnet, ist die Wirkung der Liebe, sondern: WaS ihn für mich au«- zeichnet, ist die Liebe." In Nr. 5 ist nicht nöthig an, Sehnsucht zu denken, sondern der Ausdruck ist einfache Bezeichnung des Liebesfeuers. Sehr fein ist die ErNärung von V. 7, welche den Hauptschlüsiel zum Verständntß de« Ganzen bietet. Ein solches Zusammenbrechen der Frauen und Verfallen in ohnmächtigen Schlummer, welcher der Phantasie freien Spielraum läßt, ist naturgemäß und hier durch erotische Aufregung oder Furcht vor der Zudringlichkeit Salomo'S zu erNären. Salomo erkennt sein Unrecht und spricht daher die Worte von V. 7. ES ist darum auch nicht nöthig, roin« zu lesen. S. verbietet vielmehr den Frauen, weiter in da» Mädchen zu dringm. Auch in 3, 10 nehmen wir mn« im eigentlichen Sinne von den, der wollüstigen Nebe dienenden, schwellenden Polstern. Cap. 5, 4 ist nicht vom „Mitleid", sondern von LiebeSfeuer zu len. V. 12 ist richtig erklärt, aber nicht der Erklärung gemäß übersetzt; besser: (die Augen) ruhend wie Edelsteine in ihrer Einfassung." In 6, 10 ist Aminadib wvhl kein Name, sondern Bezeichnung deS adeligen HofcortegeS. Auf die Gewaltthat eines männliche» Wächters ist wohl wegen ’jno» nicht zu schließen. DaS Verbum gehört auch nach den Accenten zu ’re,. CS heißt also: „Ich (’PSJ) sah mich plötzlich in einen vornehmen Hofwagen versetzt." Man vergleiche auch 7, 2. Den Schluß von 7, 1 fasien wir ander«: Sulamit spricht: Wa» sehet ihr euch neugierig an, wie das kreisende Marschiren eines Soldatenlagers (der Soldaten), oder auch wie das Tanzen eines!Hoflager« (BanquetS). In V. 10 heißt „wohin er der Wein rechtmäßig gehört. Sulamith fällt nämlich dem König erzürnt in die Rede. In 8, 9 ist rms „die offene Hürde." V. 13 scheint mir Salomo oder einer seiner nachgesandten Wächter zu sprechen, worauf Sulamith erschrocken mit D. 14 antwortet und da» Ganze rund abschließt. Für den Geliebten liegt wohl weniger Veranlasiung vor, Sulamith „Gartenbewohnerin." „Landmädchen" zu nennen, al» für Salomo oder seine städtischen Wächter, welche sogar damit eineii Spott verbinden und der.fliehende» Spröden einen verletzenden Hieb nachsenden wollen. Dr. R.

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