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Der israelitische Lehrer · 1871-05-24 · 21 (24.5.1871) · p. Seite 162

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
21 (24.5.1871)
Date
1871-05-24
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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162 — seine Hauptbestandthrile ausgenommen hast, und was die Lehre nnd das IGebot de« JudenthumS in ihren Grundzügm darsttllt. Die Hauptgebete und leichtere Bibelstellen müffen in der Schule übersetzt und bei dieser Gelegenheit in analytisch-synthetischer Weise dem Linde so viel an« der hebräisch« Sprache beigebracht werden, daß es im Stande ist, sich auch noch über Anderes auf diesem Gebiete einige Aufklärung zu verschaffen, auf diesem festen Grunde fortzubauen. Mehr zu leisten liegt weder in der Möglichkeit noch in der Aufgabe der jüdischen Schule, worunter wir hier wie oben und überall später alle Anstalten verstanden wiffen «ollm, wüche den jüdischen Religionsunterricht bi« zum 14. Lebmsjahre, bis zur Confirmation, zu ertheilen haben. Das aber muß die jüdische Schnle leisten, will, sie ihrer Aufgabe als ReligioaSunterrichtSanstalt , dem Bedürfniffe de« jüdischm Linde« für daS rtligiös« Leb« und dem Bedürfniffe der Gesammtheit genügen. E« ist demnach die Aufgabe de« jüdischm Religionsunterrichts so zu präcisirm : Unterricht in der ReligiouSgeschlchte in allm Klaff«; systematischer-ReligionSunterricht, den wir am liebst« als einen „Abriß des esammtenjReligionSgebäudeS", als „Zusammeufaffender ehre und de« Gebotes imConfirmandenj ahre" bezeichnet wiffm möchtm; und hebrälscherUnterricht vom 8. oder 9. Lebensjahre an, nachdem das Lind deutsch lesm und daS Gelesme sich im Allgemeinen verständlich machm kann, bi« zum 14. Lebensjahre; nicht al« Sprachwissenschaft, sondemfürden Gottesdienst, für da« au« dem Gotte-Hause resultirende Bedürfniß. Was darüber hinausgeht, mag im Zntereffe de« Judeathum« gut sein; Aufgabe der Schule ist eS nicht und kann leS nicht werden. Andere religiöse (?) Unterrichtsfächer können im Volksschulunterricht keine Berücksichtigung findm. Wir könnten jetzt mit der Zeit rechnen, die un« zu Gebote steht. Wir haltm eS jedoch für weit geeigneter, mit wir zuerst uns klar werdm, wa« und wie wir unterricht« wollm > um auf solche Weise selbst zu de« Resultate zu gelangen, welche Zeit un« vothwendig erscheint. Wir habe» hier immer eine Klaffe im Auge. Wie der Lehrer eS einzarichten hat, die Schüler aller Klassen zu berücksichtig«, ist eine andere Frage, die wir a« Schluffe beantwort« werdm, indem wir einen Lehrplan einer einklassigen jüdischen Volksschule anfügen. Der' Religionsunterricht beginnt mit biblischer Geschichte, die im erst« und zweitm Schuljahre blo« vor- und nacherzählt, «ihrmd sodann im 3. Jahre eine kurz gefaßte „ biblische Geschichte * zu Grunde gelegt wird, die eine häusliche Uebuag ermöglicht und bedingt. Wir rechnm auf ein« achtjährig« Schulbesuch, vom 6. bis zum 14. LebmSjahre, wie er hierorts gesetzlich eingeführt und üblich ist. Währmd in dm erstm 2 Jahren bloS „Geschichten auS der Geschichte" vorerzählt und abgrfragt werden, tritt in den zwei folgmdm Jahren ein freie« Erzählen auf Gmnd der in den Händm der Kinder befindlichen Geschichte an deffen Stelle. UebrigmS muß natürlich auch hier durch dm Lehrer oder einen älteren Schüler vorerzählt werden. Wir benützen FlehingerS kleine bibl. Geschichte. Diese ist in 56 Erzählungen abgetheilt. Rechnm wir, einschließlich der nöthigen Wiederholungen, Rekapitulationen, je 2 Stunden für eine Erzählung, so nimmt das Ganze, bei wöchmtlich einer Stunde, gut 2 Jahre in Anspruch. Ja dm folgenden drei Jahren wird der Stoff erweitert, und mtweder die Bibel selbst oder ein größerer Auszug benützt. In den einklassigen Schul« wird e« der Lehrer einzurichten wiffen, daß diese Erweiterungen sich den Lektionen der niederen Klaffen anschließen, so daß diese eben mehr Detail« zu lemev haben und Bibelstücke — au« Propheten und Psalmm — als Belege lesen! — In den zwei letzten Schuljahr« kömmt hierzu noch die nachbiblische Geschichte. Wir wiffen, daß eine oder höchstens 2Arbeitsstunden wöchentlich hinreich«, den gefammtm angezeigten Stoff im Laufe der acht Schuljahre zu bewältig«. Es bleibt also noch der systematische Religionsunterricht und wir haben bereits angedeutet, daß eine Stunde wöchmtlich vollständig hinreichend ist, da« Nöthige und Ersprießliche zu leisten. Wir haben uns daher nur den hebräischen Unterricht noch etwa« näher anzusehen. (Fortsetzung folgt.) Oie religiöse Erziehung unserer Zeit. Wenn nach dem Gesagten in Wahrheit keinerlei Widerspruch besteht zwischm der r e l i g i ö s e n und a l l gemeinen Bildung, woher schreibt sich denn bei dem mächtigen Drang nach Intelligenz jene weitverbreitete Lauheit und Gleichgiltigkeit gegm die religiöse Bildung und Erz'iehung, die doch einen so wesmtlichm Theil der inneren Menschenbildung auSmacht, daß sie ohne dieselbe kaum gedacht werden kann? •) — *) Das ist nicht nur eine Ansicht der älter« und neueren jüdischen, fände« auch der Philosoph« anderer Völker. So Mmdelsohn in seinem Jerusalem: „Das gemeinsame Beste der Mmschm begreift das Gegenwärtige sowohl als das Zukünftige, das Geistige sowohl als das Irdische in sich. Eines ist von dem Ande« unzertrennlich." Mark Aurel von Herder m sein« Brief« über Humanüät citirt: „Kurz ist

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