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Der israelitische Lehrer · 1871-05-24 · 21 (24.5.1871) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
11 (1871)
Issue
21 (24.5.1871)
Date
1871-05-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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er IsrselrtisrKr Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrer st andeL Organ für den Verein „Achawa.' M 21. Den 2». Mai 1871. 11. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer Bierteljährlicher AbonneinentSpreiS 40 kr. — 11>/r Sgr. Anzeigen zu I Sgr. dir Petitzeile Bestellungen nehmen alle Postümter und Buchhandlungen an. Hin ^ehrptan für die jüdische Schule uud die Referate über die der ersten israelitischen Synode zn Leipzig überreichten ' Anträge. (Fortsetzung.) Sind wir nun darüber einig, daß das Hebräische der nothwendigste Gegenstand des jüdischen Religionsunterrichts sein muß, so wird eS sich nur noch um das Maß und die daraus resultirende Behandlungsweise desielben handeln. Aber gerade das Maß ist eS, worüber die Anschauungen am weitesten auSeinandergehen und worüber Einigkeit zu erzielen nicht allzuleickt sein dürfte. Seben wir uns einmal das Referat vr. Szantü'S an, so erkennen wir darin 'eine Anschauung, die. obwohl von einem Schulmanne herrührend, doch hier den Begriff und Standpunkt der Volksschul e ganz außer Auge läßt, und im Trüben herumfischt, ohne ein klares Ziel und Resultat auch nur ahnen zu lassen. ES sind eben zumeist theologische Ansichten, die sich tauf diesem Gebiete breit gemacht haben und diesen schwebt ein wissenschaftlicher Sprachunterricht vor, der die Sache der Sch -le nicht ist und nicht werden kann. Ueberall hat die Schule, d. h. die Volksschule, bis zum 1-1. Lebensjahre, nur das allgemeine, praktische Lebensbrdürfniß im Auge, insbesondere aber da, wo eS sich um die Erzielung eine« praktisch faßbaren BedürfnisieS handelt. Sie darf nicht in Gebiete sich wagen, die, über ihre Aufgabe hinaus, sich in die Wissenschaft, in die Förderung wissenschaftlicher Zwecke und Ziele verlieren. Dem steht nicht entgegen der formale Zweck jedes Unterrichts, wie jeder Lehrer weiß. Form und Stoff, Wesen und Inhalt, Lehrstoff, Lehrgang und Lehrform müffen überein stimmen, harmonisch .sein, müffen gleichermaßen kindlich, anschaulich, elementarisch, dem allgemeinen Lebensbedürfnisse entsprechend sein. Kann die Volksschule Anderes erreichen? Wir zweifeln daran; eS sei denn auf Kosten der gesammten geistigen oder in vielen Fällen auch körperlichen Entwicklung. Was angeblich in manchen jüdischen Schulen, die sich mit Ostentation „orthodox" nennen, gcrade m dieser Richtung geleistet wird, ist Schaum, Dunst; eS hält nicht vor. Es ist besten Falles Selbsttäuschung, wenn die Herren glauben, durch ihren massenhaften hebräischen- und Talmudunterricht das religiöse Leben zu heben, ihren Parteianschauungen für das Leben Vorschub zu leisten, oder auch nur im Allgemeinen ein faßbares Resultat zu erzielen. Wir haben davon die sichersten Beweise. Daö Kind mit seinen Anlagen und Kräften ist eine gottgegebene Organisation; «ehe dem, der eS wagt, diese in ihrer Entwicklung stören, corrumpiren, - entnerven, auf falsche Bahnen führen zu wollen. Er ist ein Sünder an der Majestät des Welt - und Kindesschöpferö. Wie weit geht nun das allgemeine Bedürfniß deS jüdischen Kindes, die nö.thige Naturanlage selbstverständlich vorausgesetzt, denn mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens *); und wie ist hiernach die Aulgabe der jüdischen ReligionSschule, — welcher Art diese auch sei, zu bemessen? Welches Maß von Kenntniß im Hebräischen entspricht dem Zwecke und'der Aufgabe deS Unterrichts, während der Periode des elementaren Volksschulunterrichts? — Denn eS kann ja keine Frage sein, daß auch dieser in die Harmonie deS GesammtunterrichtS miteinstimmen muß. — Wir glauben, dies oben vorübergehend bereits angedeutet zu haben. — Es ist eben das, waS der geläuterte jüdische Gottesdienst der Gegenwart als *) Wir haben selbst schon Knaben gehabt, die wir trotz aller Mühe kaum zum HebrLschlesen bnngen konnten.

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