Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 11 (1871)
- Issue
- 20 (17.5.1871)
- Date
- 1871-05-17
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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rein innerliche Fragen. Dem Christenthum und den christlichen Mitbürgernden Anmaßungen solcher Behörden gegenüber stehen wir Alle, wie ein Mann, auf gleichem Boden. Wir wollen Alle mit unseren christlichen Mitbürgern, mit denen wir durch tausendfache Bande der Liebe und Zusammengehörigkeit verbunden sind, in Frieden leben. Wir achten Alle im Christenthume einen Ausdruck der Gottesidee, ein erhabe» ne« Mittel zur Dersittlichung der Menschheit, zur Krä'tigung der socialen Lebensgemeinschaft, erhabene Gedanken, die au« dem Judenthum« entstammen. WaSunS als Israeliten trennt, bMgt un» dem Ober»Kirchmrathe »der dem Christenthume -weiter auch nicht um einen Echritt näher. Lind die« die Gesinnungen, von welchen der Oberkirchenrach tpit so salbungsvollem Tone wünscht, daß sie sich immer weiter verbreiten mögen, so beherrschen ste daS ganze Judenthum, alle religiös denkenden Juden, die überhaupt Veranlassung nehmen, solcheFragen in ihrem Gewissen aufzmvrrfen, in so hohem Grade, daß der ftomme Wunsch de« Ober-Kirchenratb ganz un» nöthig ist; sie — diese Gefühle —mögen vielleicht wohl zu der Zeit oder absoluten Kirchenhrrrschaft, wo wir als die Paria» der Gesellschaft unterdrückt und gemartert wurden, nickt so klar und warm in den Gemüthern gelebt haben; denn unsere Däter waren auch fühlende Menschen. Jetzt aber «isien wir, daß solche Jnsinuattonen, wie die drS Ober-KirchenrathS spurlos verhallen; wir haben die hohe Grnugthuung, daß Taufende bober und edetdenkinder Christen, — auch wahrhaft humane Geistliche, wie der edle Stadtpfarrer SchrÜenberg in Mannheim — sich mit uns zum Proteste gegen jenen Erlaß vereinigten; und der reine, Helle Geist de« Judenthum«, der keine Schuld trug an jenen durch die Derhältnisie herbeigeführten schmerzlichen Gefühlen, erhebt sich in seiner ganzen Herrlichkeit und Wahrheit, in. der Macht seiner allumfassender Liebe. So möge e» denn „bei den getroffenen Anordnungen fein Bewenden" haben, wie die kirchliche Behörde e» gebietet. Licht und. Lieb« wird die Gemüther einigen, und hie Wahrheit siegt doch! -Württemberg. Folgender Erlaß der Königlichen iSrael. Obekkirchen-Behörde ist an sämmtliche Rabbinate ergangen: Die K. Israelitisch« Oberkirchenbehörde an da» Rabbiuat. Vermöge höchster Entschließung vom 11. v. M. haben Seine königliche Majestät anzuordnen geruht, daß in da» regelmäßige Kirchengrbet in Zukunft eine Fürbitte für Kaiser und Reich, sowie bei versammeltem Reichstag auch eine Fürbitte für denselben ausgenommen werde. Demgemäß erhält der Rabbiner den Auftrag, in Zukunft in da» Gebet nach der Predigt nach den Worten „Dick flehe» wir an" rinzuschalten: „Für den Kaiser de» bentschen Reiches. Segne ihn und gib, daß unter seiner Oberleitung da» Gesammtvaterland immer herrlicher emporblühe." Besonders bftten wir Dich für unfern König u. s. w. Bei versammeltem Reichstag wird nach dem Gebete für Kaiser und Reich hinzugefügt: „die Vertreter deS deutschen Reich», die an seinem Throne zur Berathung des Gemeinwohls sich versammelt haben, unterstütze Du in Deiner Gnade mit Deinem Geiste, dem Geiste der Einsicht und der Weisheit, daß sie da» Beste wählen und beschließen und da« Heil und da« Glück drS Vaterlandes nach allen Seften hin fördern." Der Rabbiner wird Sorge tragen, daß von dm Vorsängem seines Bezirk« da« Gleiche geschehe. Stuttgart, dm 1. Mai 1871. Schmidt. Jordan. Berlin. Die ultramontane Frakttrn hatte vor einigen Tagen einen interrffantm Besuch. Hr. v. Verlach. der alte Ruudschauer der „Kreuzzeitung", welcher sich bekannttich mit seinm Anschauungen von seiner ehemaligen Partei getrennt hat, erschim in der Frakttcn und hielt einen, wie es heißt, höchst interessanten Vertrag, in welchem er hinwieS, daß die gläubigm Ehristen aller Confessionen doch vermeidm sollten, sich auf Grund der konfessionellen Bekenntniffe gegmseitig zu bekämpfen, daß sie vielmehr auf dem Boden de« christlichen BekmntnisseS gemeinsame Sache machm sollten, zur Bekämpfung de« Unglauben« und des AnttchristS. Der alte Herr soll in seinem Vortrage noch recht lebmdig gewesen sein und soll sogar später mit den Herrm der ZmtrumSpartei in derFractionSpartei die Unterhaltung fortgesetzt haben. Wie». Die jüdisch-theologische Fakultät hat ein nme« Lebenszeichen von sich gegebm. Die VertraumScommisfion hat ihre Vorschläge dem Ministerium eingereicht und al« Zweck erklärt: Förderung und Hebung der jüdischen Wifienschast und AuSbldung von Rabbinern. Juden, wie Nicht-Juden können den Bor» trägm beiwohnen, je nachdem sie sich zu Rabbinem auSbildm wollen oder ausschließlich, für die jübffche Wiffmschast intrressiren. Sechs Professuren wurden errichtet, für: Bibel-Exegese, jüdische Geschichte, Talmud, seine Correlarien und semitische Sprachen. (Statt: semitische Sprachen, welche anderweitig vertreten find, würden wir Homiletik Vorschlägen, welche im Judenthüm wesentlich anders geartet ist, al« im Chriftenthnw.V Der Titel der Lehrer ist: König!. Kaiser!. Professor. Sie werden auf Vorschlag de« Curalo-